Gemeinsam sind wir stärker
Andreas Neininger über die Zukunft der HDV und der Hotellerie
von Karoline Giokas
Herr Neininger, was bedeutet es Ihnen persönlich, nun den Vorsitz der Hoteldirektorenvereinigung zu übernehmen?
Es ist für mich eine große Ehre und gleichzeitig eine ebenso große Verantwortung. Die HDV steht für Kompetenz, Austausch und Zusammenhalt in unserer Branche. Dass ich diesen Verband nun gemeinsam mit einem starken Vorstandsteam bestehend aus Anna Mielitz, Wolfgang Selinger, Michael Artner und Sebastian Horn führen darf, erfüllt mich mit Respekt vor der Aufgabe und viel Motivation, aktiv etwas zu bewegen.
Sie treten die Nachfolge von Jürgen Gangl an, der den Verband über viele Jahre hinweg geprägt hat – welche Impulse möchten Sie bewahren, welche neuen setzen?
Jürgen Gangl hat die HDV mit großem Engagement geführt. Seine klare Haltung, sein Einsatz für die Branche und sein starker Fokus auf die Nachwuchsförderung haben unseren Verband maßgeblich beeinflusst. Daran möchten wir anknüpfen, Bewährtes ausbauen und zugleich neue Impulse geben. Dazu gehört unter anderem eine stärkere Einbindung unserer Mitglieder sowie eine engere Zusammenarbeit mit anderen Branchenverbänden im In- und Ausland. Ebenso wollen wir die Sichtbarkeit der HDV nach außen weiter erhöhen. Auch unsere Innovationsteams, die sich aktiv mit verschiedenen Themenfeldern befassen, werden wir gezielt stärken.
Was sind aus Ihrer Sicht aktuell die drängendsten Herausforderungen für die deutsche Hotellerie und welche Rolle sollte die HDV dabei spielen?
Themen wie der Fachkräftemangel, Wirtschaftlichkeit und die sich wandelnden Anforderungen an Führung stehen ganz oben auf der Agenda. Gleichzeitig befinden wir uns in einem starken Transformationsprozess – sei es durch Digitalisierung, veränderte Erwartungen von Gästen und Mitarbeitern oder auch durch die Auswirkungen der massiven geopolitischen Spannungen. Die HDV nimmt hierbei eine aktive Rolle als Verband ein, der Orientierung bietet und klar Position bezieht.
Mit welchen konkreten Zielen gehen Sie in Ihre erste Amtszeit als 1. Vorsitzender?
Als ein zentrales Ziel haben wir definiert, die HDV weiter wachsen zu lassen, insbesondere das Mitgliederwachstum spielt dabei eine entscheidende Rolle. Gleichzeitig wollen wir die Internationalisierung vorantreiben und die politische Vernetzung stärken.
Kurzfristig liegt mein Fokus darauf, den Austausch innerhalb des HDV-Verbandes zu intensivieren. Es ist mir wichtig, dass wir voneinander lernen, uns aber auch gegenseitig inspirieren und konkrete Mehrwerte für den beruflichen Alltag schaffen.
Langfristig sehe ich unsere Aufgabe darin, die HDV konsequent als Plattform für Innovation, Wissenstransfer und echte Zusammenarbeit weiterzuentwickeln. Unser Leitbild beinhaltet eine klare Vision: Wir verstehen uns als die stärkste Partnerschaft der deutschen Hotellerie. Wenn unsere Mitglieder sagen: „Hier werde ich gehört, hier bekomme ich Orientierung und hier kann ich mitgestalten“, dann haben wir unser Ziel erreicht.
Themen wie Fachkräftemangel, Digitalisierung und Wirtschaftlichkeit bewegen die Branche stark – wo setzen Sie hier denn persönlich die Prioritäten?
Der Fachkräftemangel ist sicherlich eine große Herausforderung. Auch deshalb hat die Nachwuchsförderung für uns oberste Priorität.
Parallel müssen wir uns aber intensiv mit neuen Führungsmodellen, Digitalisierung und Effizienz beschäftigen. Es geht in der Branche darum, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen – für wirtschaftlichen Erfolg und attraktive Arbeitsplätze.
Welche Bedeutung hat für Sie der Austausch innerhalb der HDV und wie möchten Sie diesen weiter stärken?
Wir stehen für Erfahrung, Praxiswissen und strategische Perspektiven. Das ist die Basis für den intensiven Wissenstransfer innerhalb des Netzwerks. Der Austausch ist das Herzstück der HDV. Wir sind ein Netzwerk- und Familienverband.
Wie kann es gelingen, mehr junge Führungskräfte für die Hotellerie – und speziell für die HDV – zu begeistern?
Immer mehr junge Führungskräfte engagieren sich in den Reihen der HDV. Dennoch reicht das noch nicht aus. Junge Menschen möchten mitgestalten und einen Sinn in ihrer Arbeit erkennen. Wenn wir ihnen Verantwortung übertragen, sie gezielt fördern und ihnen auf Augenhöhe begegnen, gewinnen wir sie langfristig – für unsere Branche und für die HDV.
Führung beginnt bereits in der Ausbildung. In unserer Nachwuchsförderung haben wir deshalb verschiedene Angebote wie das Prüfsiegel „Exzellente Ausbildung“, die Verleihung des Deutschen Hotelnachwuchs-Preises und den Award „Exzellenter Ausbildungsbetrieb des Jahres“. Darüber hinaus bieten wir eine Junior-Mitgliedschaft an, die jungen Führungskräften den Einstieg in die HDV erleichtert.
Was zeichnet Ihren Führungsstil aus und wie möchten Sie die Zusammenarbeit im Vorstand gestalten?
Mir ist ein partnerschaftlicher Führungsstil wichtig – geprägt von Offenheit, Vertrauen und einer klaren Zielsetzung. Ich bin überzeugt, dass wir als Team am stärksten sind, wenn wir unterschiedliche Perspektiven zulassen und gemeinsam Lösungen entwickeln. Genau diesen Ansatz möchte ich auch im Vorstand leben.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten für die Zukunft der Hotellerie in Deutschland – welcher wäre das?
Mein Wunsch ist, dass unsere Branche die Wertschätzung erhält, die sie verdient. Die Hotellerie ist unglaublich vielfältig, international und voller Chancen. Wenn wir es schaffen, diese Stärken noch sichtbarer zu machen und gleichzeitig attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen, blicke ich sehr optimistisch in die Zukunft.
