Schlechte Zeiten für Superhelden
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Schlechte Zeiten für Superhelden!

PLONERS Gastro-Kolumne

von Jean-Georges Ploner
Dienstag, 29.11.2016
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Voraussetzungen schaffen und loslassen!

Erfolgreiches Makromanagement beinhaltet die wirkungsvolle Unterstützung und Förderung des Personals. Außerdem sollte der Unternehmer geeignete Rahmenbedingungen schaffen und sicher­stellen, dass seine Mitarbeiter in der Lage sind, selbstständig bestmögliche Ergebnisse zu erbringen. Das ist wesentlich effektiver, als ihnen ständig über die Schulter zu schauen und ihre Arbeitsweise zu kritisieren. Ein Beispiel: Die Gastronomen-Familie isst im eigenen Restaurant und dirigiert dabei die Mitarbeiter. Oder der Hotelier geht durch die Halle und hebt ein herumliegendes Papier vom Fußboden auf. In beiden Fällen kann man die Gedanken leicht lesen: Ohne mich geht hier gar nichts! Der Unternehmer kommt sich wichtig vor und ärgert sich gleichzeitig über die scheinbar unfähigen Mitarbeiter.

Schlecht für das Helden-Ego – gut für den Betrieb

Sinnvoller wäre es jedoch, das Problem zu erkennen und über mögliche Veränderungen der Dienstpläne oder Abläufe nachzudenken und dann das Team seine Arbeit machen zu lassen. Die Aufgabe für das Management lautet: eine Adlerperspektive einnehmen! Und sich fragen: Wie kann ich den Betrieb so organisieren, dass es immer besser läuft? Dazu gehört vo­rausschauende Planung. Auch hierfür ein schönes Beispiel: Ein Kollege hat für seine Biergartenbänke Auflagen in China fertigen lassen. Sie wurden nach seinen Wünschen faltbar und abwischbar angefertigt, was sich für die Mitarbeiter als mega-praktisch und zeitsparend erwiesen hat. Die hausgemachte Limonade wird aus einem großen Glasbehälter gezapft. Bestellt hat der Kollege davon zwei Stück, da er genau weiß, dass so etwas immer gerne sonntags kaputtgeht und sofort Ersatz gebraucht wird. Seine Bierbänke haben Alu-Füße, sie stehen besser und sind leichter zu tragen, beides eine enorme Erleichterung für die Mitarbeiter. Anstatt Defizite und Notsituationen zu managen (und sich dabei wie ein Held vorzukommen), genießt er es, dass in seinem Betrieb
die Sommersaison ohne Anstrengung erfolgreich rundläuft.

Lästige Routine – kann weg!

Digitale Technik macht es heute möglich, dass Mitarbeiter von lästigen Routinearbeiten entlastet werden: Online-Reservierungen für Zimmer und Restaurant, ein digitales Hotelkit für die Gästeinformation, Apps für die Mitarbeiterverwaltung, Kassen mit Schnittstellen z. B. zu Datev, Warenwirtschaftssystemen, Schankanlagen und PMS – all diese Dinge gestalten das tägliche Arbeiten einfacher und stressfreier. Sie schaffen ein Stück Unabhängigkeit und Freiheit, die es dann allerdings zu nutzen gilt. Auch eine Aussage wie »Toilettenpapier ist aus!« ist ein deutliches Zeichen von Mikromanagement. Der Makromanager weiß nämlich um den monatlichen Verbrauch solcher Produkte und bestellt jährlich mit monatlicher bzw. halbmonatlicher Lieferung. Der Mikromanager fährt zum Supermarkt am Flughafen, der sonntags geöffnet hat, und rettet die Welt.

In der allerorts angespannten Personal­situation ist es entscheidend, Rahmen­bedingungen zu schaffen, die es einem normal-intelligenten Mitarbeiter nach entsprechender Einarbeitung ermöglichen, selbstständig und effizient zu arbeiten. Zu schwere Tische, nicht stapelbare Stühle, fehlendes Arbeitsmaterial, nicht funktionierende, veraltete Technik, überholte Prozesse – all das macht niemandem Spaß, führt zur Frustration und löst bei den Mitarbeitern früher oder später den Wunsch nach einem besseren Arbeitsumfeld aus.

Die entscheidende Frage ist also: Sind Sie so ein schlimmer Adrenalin-Junkie, dass Sie den täglichen Kick der Extremsituation brauchen? Fühlen Sie sich gerne wie Superman? Oder schaffen Sie es, sich auf Ihre Managementaufgabe zu konzentrieren? So organisiert, haben Sie Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, wie Sie noch in zehn Jahren Gäste und Mitarbeiter haben werden!

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