Fischstäbchen im Interview
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Das Fischstäbchen im Exklusiv-Interview

Jetzt rede ich!

von Sebastian Bütow
Sonntag, 29.01.2017
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Im September feiern Sie Ihren 67. Geburtstag. Haben Sie schon mal über Rente nachgedacht?
(Guckt erschrocken.) Mitnichten! Warum sollte ich? Allein in Deutschland werden jährlich mehr als 50.000 Tonnen von mir abgesetzt, jeder Deutsche isst rein statistisch 24 Fischstäbchen pro Jahr. Und Sie fragen mich nach Rente?!

Sie wissen selbst am besten, dass Sie nicht ganz unumstritten sind. Der Alaska-Seelachs, aus dem Sie meist bestehen, ist bedroht, weil die Meere leer gefischt werden. Die »Süddeutsche Zeitung« titelte sogar: »Sind Fischstäbchen noch erlaubt?«
Erfreulich, dass Sie das ansprechen. Die meisten Journalisten fragen mich, ob Käpt’n Iglo wirklich so nett ist wie in der Werbung. Sicherlich handelt es sich bei der Überfischung um ein ernstes Thema – aber auch eines, das einen Bart hat. So wie Käpt’n Iglo. (Lacht.)

Wie meinen Sie das?
Der Alaska-Seelachs ist der meistverzehrte Fisch in Deutschland, vor allem wegen mir und den Schlemmerfilet-Kollegen. Dabei wird dieser Fisch erst seit Mitte der Achtziger im großen Stil gefangen! Schon damals gab’s die Diskussion und Warnungen. Dank seines damals noch großen Bestands ersetzte der Alaska-Seelachs nach und nach den stark dezimierten Kabeljau, der bis dahin für mich verwendet wurde. Und vor dem Kabeljau bestand ich aus Hering

Und wer wird der Nachfolger des Seelachses?
Andere Weißfischsorten werden früher oder später folgen, das ist mein Schicksal. (Lacht.)

Sie sind ja erstaunlich dynamisch!
Ja, ich gehe immer mit der Zeit, passe mich an. Wer an der Spitze bleiben will, muss sich clever verhalten und auch mal Gegenwind wegstecken können. Häme und das Stigma des »Umstrittenen« halte ich schon aus, seitdem es mich gibt.

Wieso denn Häme?
Was haben sie mich verspottet, als ich in Deutschland im Jahr 1963 neu auf den Markt kam! Das Gerücht, dass ich nur aus zusammengepressten Fischabfällen bestehen soll, hielt sich lange Zeit ziemlich hartnäckig. Dabei habe ich historische Verdienste, denn ich habe dafür gesorgt, dass Kinder lernen, Fisch zu lieben. Die Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuchs ­schreiben auch klar vor, dass ich zu mindestens 65 Prozent aus Filet bestehen muss.

Was genau hat es mit dem MSC-Siegel auf sich, das auf vielen Ihrer Verpackungen zu sehen ist?
Das blaue »Marine Stewardship Council«-Siegel steht für zertifizierten Fang. Das bekommen nur Anbieter, die bestimmte ökologische Prinzipien einhalten. Es bestätigt, dass der Fisch aus nachhaltigem Fischfang kommt und Überfischung vermieden wird. Die Experten sind sich einig, dass dieses Siegel zu den besten zählt, die man im Bereich Nachhaltigkeit finden kann.

Beschreiben Sie doch mal Ihren aufregenden Weg vom Meer bis in die deutschen Tiefkühltruhen. Noch an Bord, direkt nach dem Fangen, werden die Filets durchleuchtet, kontrolliert – wegen Gräten – und in flache Platten eingefroren. An Land werden diese zersägt und zunächst nass paniert, damit die darauf folgende Brösel-Panierung daran haftet. Danach springen wir für wenige Sekunden ins heiße Öl, damit sich eine trockene Kruste und aromatische Röststoffe bilden. Das Filet im Inneren taut dadurch aber nicht an. Farbe und Konsistenz der Panierung unterscheiden sich dabei von Land zu Land. Je nachdem, wie es die Leute am liebsten mögen.

Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?
Dass ich überall auf der Welt so populär werde wie in Großbritannien, wo meine Karriere als »Fish & Chips« begann, wobei man mich dort im Backteig frittiert und nicht paniert. Dort gibt es Lokale, die auf mich spezialisiert sind, die Leute können wählen zwischen den verschiedensten Fischsorten und Beilagen. Dieses Standing habe ich überall verdient. Oder etwa nicht?

Fischstäbchen, wir danken Ihnen für das Interview.

Quellen Zahlen und Fakten:

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