Der Aperol Spritz im Exklusiv Interview
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Der Aperol Spritz im Exklusiv- Interview

Jetzt rede ich!

von Sebastian Bütow
Donnerstag, 02.11.2023
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Die renommierte „New York Times“ hat Ihnen kürzlich ganz schön einen eingeschenkt: Sie seien kein guter Drink, schreibt der Autor. Zwar hübsch anzusehen auf Instagram, Ihre Farbe erinnere an den perfekten Sonnenuntergang – aber das war’s dann auch. Der Vorwurf: Sie sind zu süß, Prosecco als Zutat zu billig und das Eis verwässert den Geschmack. Ärgert Sie das?
Wenn das so sein soll, dann frage ich mich, warum ausgerechnet ich weltweit so ziemlich am allermeisten bestellt werde in den Bars und Restaurants. Schauen Sie sich doch mal um, ich bin überall zugegen. Und ein Frauentyp. Die Ladys stehen einfach auf mich! Darauf ist der verbitterte Autor offenbar neidisch. Soll er sich doch einen Gin Tonic bestellen und die Klappe halten. Und außerdem  ...

Sie sind ja richtig in Rage. Bitte, fahren Sie fort!
Das „New York Magazine“ hat umgehend gekontert: Ich wäre ein wunderbares Getränk, perfekt zum Day Drinking geeignet. Und in den sozialen Netzwerken hat sich Empörung breitgemacht über diesen Verriss, der die Debatte ausgelöst hatte. Und wissen Sie was? Meinem Ruhm hat das am Ende des Tages eher noch einen draufgesetzt. Haha! Ich habe treue Fans, und wer mich disst, bekommt es mit denen zu tun. Das erfüllt mich mit Glück! 

Wie würden Sie sich denn selbst beschreiben?
Hmmm… (überlegt) Ich bin jemand, der Freude macht, der mit seiner Unkompliziertheit einlädt, eine kleine Auszeit zu nehmen und ein bisschen Lebensfreude zu zelebrieren. 

Blicken wir doch mal auf Ihre Vergangenheit zurück. Wer hat Sie eigentlich erfunden?
Die Brüder Luigi und Silvio Barbieri aus Padua haben im Jahr 1919 den Aperitif mit dem Namen Aperol kreiert. Manche sagen, ich wäre als Medizin entwickelt worden, weil ich viele Kräuter und Wurzeln enthalte.

Aber ein waschechter Italiener sind Sie nicht …
Das stimmt, allein schon wegen meines Namens. Aperol leitet sich aus dem Französischen ab, basiert auf einem anderen Begriff für Aperitif. In den Fünfzigern nahm meine Karriere auch außerhalb Norditaliens Fahrt auf – als „Aperol Spritz“ war ich dann nicht mehr zu bremsen! 

Was ist denn Ihr Erfolgsrezept?
Ganz einfach: drei Teile Prosecco oder Weißwein, zwei Teile Aperol, ein Spritzer Soda, Eis und eine frische Orangenscheibe. Das Spritzige in meinem Namen kam ursprünglich von den Österreichern, hat sich dann international durchgesetzt.

Ist es überhaupt okay, anstelle von Soda Mineralwasser zu verwenden?
Ja, denn das ist eigentlich reine Geschmackssache, beide Varianten sind akzeptabel. Mit Sprudelwasser schmecke ich etwas leichter und weniger süß. Wer den Geschmack von Aperol und Prosecco noch mehr betonen möchte, kann das gern tun.

Ihr Originalrezept – Rhabarber, Enzian, Bitterorange und Kräuter – soll sich nie verändert haben. Aber Ihr Alkoholgehalt!
Sie haben gut recherchiert. In Deutschland wurde mein Spritanteil im Jahr 2006 tatsächlich von elf auf 15 Prozent erhöht. Und zwar wegen der Pfandverordnung. Diese schreibt vor, dass Spirituosen erst ab 15 Prozent pfandfrei verkauft werden dürfen. Crazy, oder?

Zurzeit nehmen einige Abwandlungen von Ihnen gewaltig Fahrt auf. Glauben Sie, dass eine davon das Zeug hat, sich zu etablieren?
Okay, der Aperol Paloma geht gerade durch die Decke. Die Variante mit Tequila und Orangenlikör, dazu Grapefruit- und Limettensaft, ist wirklich nicht übel. Aber die Cafés und Bars werden weiterhin vor allem mit meiner Farbe leuchten, da bin ich mir ziemlich sicher.

Aperol Spritz, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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