Jetzt rede ich Ingwer
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Der Ingwer im Exklusiv- Interview

Jetzt rede ich!

von Sebastian Bütow
Montag, 20.09.2021
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Im exklusiven Interview verrät der Ingwer, wie eine legendäre Königin seinen Kultstatus begründete und warum er Kurkuma als vermeintlichen Konkurrenten nur müde belächelt.

Sie verleihen Speisen das gewisse Etwas, im Büro trinkt man heutzutage Ingwerwasser und an der Tanke greifen wir zum belebenden Ingwer-Shot, der mehr Flügel verleiht, als manch andere Erfrischung verspricht. Wie erklären Sie sich den aktuellen Hype um Ihre Person?
Interessant, wie Sie das einordnen! Ich habe ja schon einige Tausend Jahre auf dem Buckel. Es soll nicht arrogant klingen, aber das hört sich ein wenig so an, als wäre ich »nur« köstlich und belebend. Ist Ihnen auch bekannt, dass ich 2018 zur »Heilpflanze des Jahres« gekürt wurde?

Aber sicher doch. Sie machen schlank, wirken antibakteriell, helfen bei Schmerzen und Übelkeit …
Die Aufzählung all meiner magischen Kräfte würde Ihr Layout sprengen. Aber ich erkläre Ihnen gerne kurz, ­wo­ran das liegt: Ich enthalte verschiedene Scharfstoffe. ­Gingerole, Shogaole und noch ein paar andere, und diese machen mich so gesund! Laut einer Studie der Universität Malaysia kann ich viele chronische Krankheiten ­lindern, manche sogar ganz und gar verhindern. Aber wissen Sie was? Eine meiner Eigenschaften ist bisher noch kaum bekannt.

Und zwar?
Ich habe auch die Gabe, müde Menschen munter zu machen! Immer mehr gesundheitsbewusste Leute tauschen den Morgenkaffee gegen einen Becher frisch gebrühten Tee mit meiner Wenigkeit. Dafür muss man mich selbstverständlich ganz frisch raspeln. Glauben Sie mir nicht? Probieren Sie es aus!

Schlager-Königin Helene Fischer schwärmte in einem Interview von Ihnen, bezeichnete Sie als »Allzweckwaffe«. Ein Leben ohne Ingwer-Tee sei für sie undenkbar.
Das ist ja ganz drollig. Aber ehrlich gesagt habe ich auch schon Komplimente von Konfuzius,
Alexander dem Großen und dem einen oder anderen römischen Kaiser bekommen. Bei aller Bescheidenheit, atemlos macht mich das jetzt nicht. Ich weiß, dass viele Moderatoren und Sänger auf mich schwören – dank mir bleiben ihre Stimmbänder geschmeidig.

Als Ihr prominentester Fan gilt Queen Elizabeth I. Man könnte sagen, »die jungfräuliche Königin« hat Ihre Weltkarriere gewaltig angeschoben.
Das kann man so sagen, ja. Als sie im 16. Jahrhundert die Königin von England war, erfand sie den heute noch beliebten Gingerbread Man. Jenen Lebkuchenmann, der seinen würzigen Geschmack keinem Geringeren als mir zu verdanken hat. Damals war ich noch eine absolute Luxuszutat, für einfache Leute schlicht unerschwinglich, weil ich noch aus Indien und Südostasien importiert wurde.

Warum macht es so viel Unterschied, ob man Sie getrocknet oder frisch verwendet?
Oh, das ist ein wichtiges und abendfüllendes Thema! Wenn ich für die Trocknung bestimmt bin, werde ich erst viel später geerntet und schmecke wegen der Inhaltsstoffe, die beim Trocknungsprozess entstehen, schärfer, süßlicher und herber. Auch meine Wirkungen verändern sich dadurch. Der Unterschied ist so groß, dass es in Indien zwei unterschiedliche Begriffe für getrockneten und frischen Ingwer gibt.

Ebenfalls aktuell sehr angesagt ist Kurkuma, eine mit Ihnen verwandte Pflanze, die als Gewürz immer populärer wird. Befürchten Sie, dass er Sie als Konkurrent ein wenig verdrängen könnte?
Jetzt machen Sie aber mal einen Punkt! Seine Farbe erinnert an Donald Trump, finden Sie das etwa toll? Aber ich muss zugeben, dass es durchaus Parallelen gibt, wir haben eine ähnliche Herkunft und Beschaffenheit. Hierzulande ist er ein Emporkömmling, den vor zehn Jahren kaum jemand kannte und der jetzt glaubt, er könne mir Paroli bieten. Aber Sie wissen doch, wie das läuft: Wer es schnell nach oben schafft, versinkt meist genauso schnell wieder in der Bedeutungslosigkeit. Mich stößt so schnell keiner vom Thron.

Ingwer, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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