Ohne MINI-Jobs entsteht ein MAXI-Problem
Reformpläne der Bundesregierung auf dem Prüfstand
von Wolfgang BubliesEgal, wen man in der Branche fragt, nahezu alle sind sich einig: Die Gastronomie ist auf Mini-Jobs angewiesen. Nur so bleiben Betriebe flexibel. Sie benötigen Aushilfen, um auf Wetterwechsel im Biergarten- oder Terrassenbetrieb zu reagieren oder Veranstaltungen wie Hochzeiten personell abzusichern.

Ohne Zusatzkräfte drohe, dass vor allem Großevents an Wochenenden nicht mehr funktionieren oder sogar ausfallen. Zudem müssten viele Betriebe die Öffnungszeiten weiter einschränken, zumal die Bundesregierung ein anderes dringendes Anliegen der Branche – deutlich flexiblere Arbeitszeiten – zunächst auf die lange Bank geschoben hat.
Wenn das so kommt, sehen viele schwarz für die Gastronomie. Josef Jaber, Betriebsleiter in Forster‘s Garden in Kassel, erklärt auf HOGAPAGE Anfrage: „Ohne Mini-Jobs, das wäre katastrophal, gerade für einen Saisonbetrieb.“ Jaber befürchtet: „Wenn die Mini-Jobs wegfallen und die Arbeitszeit unflexibel bleibt, müssten viele Betriebe und Dienstleister womöglich sogar aufgeben.“
„Wir brauchen Planungssicherheit!“
Auch für Monika Retzmann, Chefin des Alten Brauhauses in Koblenz, sind Mini-Jobs unverzichtbar. „Ohne Mini-Jobs wird es schwierig. Sie geben uns gerade an Wochenenden, bei Feiern und Veranstaltungen die notwendige Flexibilität.“ Die aktuellen politischen Diskussionen sieht sie dennoch gelassen: „Es wird viel geplant und am Ende kommt es oft anders.“ Erst wenn konkrete Entscheidungen getroffen seien, werde sie reagieren. Ihr Wunsch an die Politik: „Wir brauchen Planungssicherheit!“
Auch bei den Arbeitszeiten fordert Retzmann praxisnahe Lösungen. „Gastronomie funktioniert nicht nach klassischen Bürozeiten.“ Mit einem festen Team und den notwendigen Pausen seien flexible Arbeitszeiten gut umsetzbar.
Wirtin Silke Schidowski vom Gasthof „Zum Kaiserbahnhof“ im brandenburgischen Joachimsthal bedauert ebenfalls, dass das Thema flexiblere Arbeitszeiten zunächst verschoben wurde.
„Mini-Jobber sind essenziell“
Für Florian Nann aus der Geschäftsleitung des Augsburger Riegele Wirtshauses sind Mini-Jobber essenziell und zählen zu den wichtigsten Mitarbeitern. Wenn im Lokal, im Eventkeller oder im Biergarten Hochbetrieb herrscht, sind bis zu zwei Drittel der Servicekräfte geringfügig beschäftigt. Ohne diese Aushilfen, die in der Regel drei bis fünfmal im Monat arbeiten, würde der Betrieb nicht funktionieren.
So hofft Nann, dass die Mini-Job-Pläne nochmals überdacht werden. Seine Devise lautet derzeit: erst einmal abwarten. Für ihn ist wichtig, weiter mit seinem eingespielten Team inklusive Mini-Jobbern planen zu können. In bestimmten Bereichen, etwa in der Küche und speziell, wenn es Köche betrifft, sei es nicht so einfach, Personal zu finden. Gerade deshalb wären flexiblere Arbeitszeiten wünschenswert. Eine technische Zeiterfassung erleichtere Gastronomen dabei die Personal- und Pausenplanung.
