Nachwuchs

DRV sieht Ausbildung im Tourismus als entscheidend

Lehrerin steht vor einer Schulklasse und unterrichtet Schüler im Klassenraum
Eine moderne und praxisnahe Ausbildung gilt als entscheidend, um mehr Nachwuchs für die Tourismusbranche zu gewinnen und langfristig zu sichern. (Foto: © Monkey Business/stock.adobe.com)
Weniger neue Ausbildungsverträge und wachsender Wettbewerb um Nachwuchs setzen die Reisewirtschaft unter Druck. Branchenvertreter fordern Reformen und bessere Rahmenbedingungen.
Freitag, 24.04.2026, 12:00 Uhr, Autor: Sarah Hoffmann

Die Reisewirtschaft steht vor erheblichen Herausforderungen bei der Nachwuchssicherung. „Gut ausgebildete junge Menschen sind der Schlüssel zum Erfolg. Denn die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen“, erklärt der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV) Albin Loidl. „Das ist keine neue Erkenntnis – und deshalb ist es unabdingbar, dass wir ausbilden. Das ist die elementare Grundvoraussetzung.“

Umso wichtiger sei es, die Rahmenbedingungen zu verbessern und die duale Ausbildung zu stärken. „Wir müssen alles daransetzen, mehr junge Menschen für eine Ausbildung im Tourismus zu gewinnen – und sie langfristig in der Branche zu halten.“

Rückgang bei neuen Verträgen

Die aktuellen Zahlen zeigen eine negative Entwicklung: Zum Stichtag 30. September 2025 wurden laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 957 neue Ausbildungsverträge im Bereich Tourismuskaufmann abgeschlossen. Das entspricht einem Rückgang von 6,4 % gegenüber dem Vorjahr.

Damit entwickelt sich die Branche schwächer als der Gesamtmarkt, der lediglich um 2,1 % zurückging. „Die Reisewirtschaft verliert im Wettbewerb um Auszubildende überproportional. Das ist ein klares Warnsignal.“

Langfristiger Trend bleibt angespannt

Auch langfristig ist die Entwicklung problematisch. Vor der Pandemie lag die Zahl der neuen Verträge deutlich höher: 2015 wurden noch 1.615 Abschlüsse registriert.

Zudem verschärft die demografische Entwicklung die Lage weiter. Laut Prognose der Kultusministerkonferenz werden im laufenden Jahr rund 750.000 Schulabgänger erwartet – so wenige wie noch nie. „Die Sicherung von Arbeits- und Nachwuchskräften ist und bleibt eine der größten Herausforderungen unserer Branche.“

Attraktivität der Unternehmen im Fokus

Neben der Ansprache junger Menschen rückt die Attraktivität der Arbeitgeber stärker in den Mittelpunkt. „Als Reisewirtschaft müssen wir nicht nur sichtbarer werden – wir müssen vor allem als Arbeitgeber überzeugen.“

Für viele junge Menschen spielt das Gehalt eine wachsende Rolle. Gleichzeitig bleiben Faktoren wie Sinnhaftigkeit, Teamkultur und Entwicklungsmöglichkeiten entscheidend – Bereiche, in denen die Branche Potenzial hat.

Modernisierung der Ausbildung gefordert

Ein weiterer zentraler Punkt ist die inhaltliche Weiterentwicklung der Ausbildung. „Wir brauchen eine moderne, praxisnahe Ausbildung – sowohl in den Betrieben als auch in den Berufsschulen“, so Loidl.

Der aktuelle Ausbildungsrahmenplan stammt aus dem Jahr 2011 und wurde bislang nicht grundlegend überarbeitet. Eine Reform könne nur auf Bundesebene erfolgen und werde mehrere Jahre dauern.

Impulse für kurzfristige Verbesserungen kamen von der DRV-Jahrestagung auf den Azoren. Diskutiert wurden unter anderem Anpassungen im Prüfungskatalog und eine stärkere Nutzung von Projektarbeiten im schulischen Bereich.

Komplexes System erschwert einheitliche Lösungen

Die duale Ausbildung in Deutschland basiert auf einem Zusammenspiel verschiedener Akteure. Während der Bund die Ausbildungsinhalte festlegt, sind die Länder für den schulischen Teil zuständig. Kommunen stellen die Infrastruktur, Betriebe übernehmen die praktische Ausbildung.

Eine einheitliche Umsetzung ist daher nur begrenzt möglich. „Gerade deshalb ist der Austausch zwischen allen Beteiligten entscheidend, um die Ausbildungsqualität kontinuierlich weiterzuentwickeln“, betont Loidl.

Regionale Unterschiede verstärken den Druck

Die Entwicklung verläuft regional unterschiedlich. Während die Ausbildungszahlen in Ostdeutschland stabil bleiben, sind sie in Westdeutschland deutlich rückläufig (-7,7 %). Besonders betroffen sind große Bundesländer wie Bayern und Nordrhein-Westfalen sowie kleinere wie Bremen, Saarland und Brandenburg.

„Diese Entwicklung hat direkte Auswirkungen auf Berufsschulstandorte und die Ausbildungsinfrastruktur insgesamt.“

Wandel der Branche als Chance

Parallel dazu befindet sich die Reisewirtschaft im Umbruch. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern Geschäftsmodelle grundlegend.

„Wir dürfen die Risiken für bestehende Geschäftsmodelle nicht unterschätzen. Gleichzeitig eröffnen sich aber auch enorme Chancen – insbesondere für Unternehmen, die Veränderungen frühzeitig erkennen und aktiv gestalten“, sagt Loidl.

Dabei kommt der jungen Generation eine wichtige Rolle zu: „Und hier kommt auch die nächste Generation ins Spiel: Junge Menschen bringen neue Ideen, neue Perspektiven und den Mut mit, Dinge anders zu denken und zu machen. Sie zeigen uns: Wandel ist nicht nur Herausforderung – sondern vor allem Chance.“

(DRV/ SAHO)

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