Praktika als Schlüssel zur passenden Ausbildung
Für viele Jugendliche ist die Entscheidung für einen Ausbildungsberuf alles andere als einfach. Gerade in der Hotellerie kennen sie häufig nur die Bereiche, die für Gäste unmittelbar sichtbar sind – etwa Rezeption, Restaurant oder Küche. Wie vielseitig der Arbeitsalltag tatsächlich ist, zeigt sich dagegen oft erst in der Praxis.
Das Anders Hotel Walsrode setzt deshalb gezielt auf Praktika zur Berufsorientierung. Jugendliche sollen dabei nicht nur einen Beruf kennenlernen, sondern möglichst realistisch erleben, welche Aufgaben, Arbeitszeiten und Anforderungen sie später erwarten. Das Ziel: Beide Seiten sollen bereits vor einem möglichen Ausbildungsvertrag herausfinden, ob Beruf, Betrieb und Bewerber zusammenpassen.
Einblicke in möglichst viele Hotelbereiche
Praktikanten werden im Anders Hotel nicht ausschließlich in ihrer bevorzugten Abteilung eingesetzt. Stattdessen sollen sie möglichst viele Bereiche des Hauses erleben – vom Housekeeping über Restaurant, Tagungen und Küche bis zur Rezeption.
So unterstützen sie beispielsweise bei der Zimmer- und Bereichspflege, bereiten mit dem Serviceteam das Frühstück vor, richten Veranstaltungsräume her oder erhalten Einblicke in die Küchenarbeit. An der Rezeption verbringen sie bewusst nur einen Teil ihrer Zeit, da viele der dortigen Abläufe in einem kurzen Zeitraum eher beobachtet als aktiv erlernt werden können. Das Hotel empfiehlt für ein solches Praktikum mindestens eine Woche; bei zwei Wochen lassen sich einzelne Abteilungen intensiver kennenlernen.
Dabei können sich ursprüngliche Berufswünsche durchaus verändern. Nach Angaben des Ausbildungsteams fallen etwa Aussagen wie „Ich kann nicht den ganzen Tag sitzen.“ oder „Ich bin lieber auf den Beinen und arbeite direkt mit Menschen.“ Solche Erkenntnisse wertet der Betrieb ausdrücklich nicht als Scheitern. Im Gegenteil: Wer vor Beginn einer Lehre erkennt, welche Tätigkeiten zu den eigenen Stärken und Interessen passen – oder eben nicht –, kann eine fundiertere Berufsentscheidung treffen.
Schulpraktikum, Ferienpraktikum oder Schülerjob?
Klassische Schulpraktika leisten nach Einschätzung des Hotels einen wichtigen Beitrag zur Berufsorientierung. Allerdings seien sie häufig kurz und fielen nicht immer in einen Zeitraum, der einen repräsentativen Eindruck vom Hotelbetrieb vermittelt. Schließlich unterscheiden sich beispielsweise ruhigere Winterwochen deutlich von Ferienzeiten oder einer intensiven Tagungssaison.
Das Haus empfiehlt Jugendlichen daher, zusätzlich freiwillige Ferienpraktika oder Schülerjobs in Betracht zu ziehen. Diese ermöglichen längere Praxiserfahrungen und geben einen umfassenderen Eindruck davon, wie sich ein tatsächlicher Arbeitstag anfühlt.
Alle neuen Azubis kannten den Betrieb bereits
Dass ein Praktikum auch ein Instrument zur Nachwuchsgewinnung sein kann, zeigt der aktuelle Ausbildungsjahrgang des Anders Hotels: Alle neuen Auszubildenden, die im Sommer 2026 ihre Lehre in dem Walsroder Haus begonnen haben, hatten den Betrieb zuvor bereits während eines Praktikums kennengelernt. Einer von ihnen war darüber hinaus schon als Aushilfe im Unternehmen beschäftigt.
Für das Hotel können daraus langfristige Beziehungen entstehen. Ehemalige Praktikanten werden zu Auszubildenden, später möglicherweise zu Fachkräften und empfehlen den Arbeitgeber mitunter im Freundes- oder Familienkreis weiter.
Ein gutes Praktikum bedeutet für einen Betrieb allerdings zunächst zusätzlichen Aufwand. Mitarbeiter müssen Aufgaben erklären, Fragen beantworten und Zeit für die Begleitung einplanen. Das Anders Hotel betrachtet diesen Aufwand als Investition in die künftige Ausbildung. Das Haus ist mehrfach als Dehoga Top-Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet worden und Mitglied im „Kodex für gute Ausbildung“.
Motivation wichtiger als perfekte Noten
Bei der Auswahl junger Nachwuchskräfte stehen für den Betrieb nicht ausschließlich Schulnoten im Vordergrund. Wichtiger seien Neugier, Zuverlässigkeit und echtes Interesse an der Arbeit.
Zugleich sollen Praktikanten nicht als zusätzliche günstige Arbeitskräfte eingesetzt werden. Im Mittelpunkt stehe vielmehr, jungen Menschen Wissen zu vermitteln und ihnen eine realistische Entscheidung über ihren weiteren Berufsweg zu ermöglichen.
Auch Eltern bezieht das Ausbildungsteam nach Möglichkeit in die Berufsorientierung ein. Denn Vorbehalte gegenüber Hotellerie und Gastronomie beziehen sich häufig auf Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen. Schichtdienste sowie Einsätze an Wochenenden und Feiertagen gehören zwar weiterhin zur Branche. Das Anders Hotel betont jedoch, gesetzliche Vorgaben zu Arbeits-, Ruhe- und Pausenzeiten konsequent einzuhalten und Dienstpläne frühzeitig zu erstellen.
Moderne Hotelberufe sind vielseitiger geworden
Hinzu kommt, dass sich die Tätigkeitsfelder in der Branche weiterentwickelt haben. Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Veranstaltungsorganisation, Marketing, Revenue Management, Social Media und moderne Hotelsoftware gehören inzwischen ebenso zum Arbeitsumfeld wie der klassische Gästekontakt.
Gerade deshalb sieht das Anders Hotel praktische Einblicke als wichtigen Bestandteil der Berufsorientierung. Ein Praktikum kann dabei sowohl der erste Schritt in eine Ausbildung sein als auch zu der Erkenntnis führen, dass ein anderer Beruf besser passt. Für Jugendliche wie für Ausbildungsbetriebe kann beides eine wertvolle Entscheidung sein.
(lifePR/ SAHO)