Interview

Nur wer den Nachwuchs kennt, kann ihn auch überzeugen

Vapiano setzt auf direkte Kommunikation mit seinem Nachwuchs. (Foto: © Vapiano SE)
Vapiano setzt auf direkte Kommunikation mit seinem Nachwuchs. (Foto: © Vapiano SE)
Der derzeit um sich greifende Nachwuchsmangel in der Gastronomie wird durch zahlreiche Umstände gefördert. Dabei können sowohl große Franchisebetriebe als auch kleine und mittelständische Unternehmen einiges tun, um mehr Nachwuchs anzulocken, weiß Carolin Bouwer, Head of HR bei der VAPIANO SE.
Freitag, 22.09.2017, 08:06 Uhr, Autor: Markus Jergler
Der Nachwuchsmangel ist in aller Munde. Wie haben sich die Prioritäten der Auszubildenden in den vergangenen Jahren gewandelt, was ist ihnen heute wichtig?

Wir verspüren auch in unserer Branche einen klaren Effekt der Akademisierung: das Interesse an dualen Studiengängen wächst. Daher bieten wir in Zusammenarbeit mit bekannten Hochschulen in Deutschland attraktive BA-Programme mit unterschiedlichen Schwerpunkten an.

Wie werden sich die Suche und die Förderung des Nachwuchses in Zukunft weiter verändern, bzw. verändern müssen?
Als Ausbildungsunternehmen und Arbeitgeber ist es unsere Aufgabe, genau zu verstehen, was der Nachwuchs von uns erwartet. Denn die junge Generation ist einiges vom aktuellen Schulsystem gewohnt, so zum Beispiel E-Learning-Optionen oder die bundesweite Vernetzung über gemeinsame Sharepoints. Zusätzlich ist der jungen Generation ein authentisches, ehrliches Interesse des gesamten Managements wichtig. Der Spieß hat sich also umgedreht: Unternehmen können den Nachwuchs nicht länger als selbstverständlich ansehen, sondern müssen seine Erwartungen treffen und ihm zuhören.

Carolin Bouwer
Carolin Bouwer, Head of HR bei der VAPIANO SE. (Foto: © VAPIANO SE)

Wie versuchen Sie Vapiano attraktiv für junge Bewerber zu machen und haben diese Maßnahmen Erfolg?
Wir haben 47 Prozent mehr duale Studenten eingestellt als im Vorjahr und verzeichnen über die Ausbildungsspektren hinweg sehr großen Zulauf. Dabei setzen wir auf echtes Interesse am Nachwuchs, eine erstklassige Ausbildungsbetreuung und eine große internationale Familienkultur.

Für uns ist wichtig, jedem Einzelnen zuzuhören, Respekt auf Augenhöhe entgegenzubringen und nah am Nachwuchs zu sein. Das gelingt uns etwa mit unserem Senior Manager Young Talents, der selbst vor sieben Jahren als Vapianisti in unseren eigenen Reihen gestartet ist, und unseren Nachwuchs nun mit einer 360-Grad-Betreuung unterstützt. Oder über Vorbereitungskurse für Prüfungen und das Mentorship der Bachelorarbeiten, das unsere Fachabteilungsleiter und Direktoren anbieten.

in erfolgreiches Beispiel für den Einbezug unseres Nachwuchs’ über alle Länder und Abteilungen hinaus sind auch unsere Talent Days, bei denen Mitglieder der Geschäftsleitung und des Vorstands in einer lockeren Atmosphäre den direkten Dialog mit unseren Auszubildenden und Studierenden suchen.

Was können in Ihren Augen auch kleinere Betriebe tun, um Gehör beim Nachwuchs zu finden?
Sich darauf besinnen, was sie tatsächlich Positives zu bieten haben und keinen Trends hinterherlaufen. Nicht umsonst heißt unsere Branche „die Branche der Chancen“. Gerade in kleinen Betrieben kann man im Bereich Betreuung glänzen und auch in Kooperationen mit Verbänden und Partnern außerhalb des eigenen Betriebs fundierte Weiterbildung und Förderung bieten. Ich halte viel von Verbandsarbeit und Kooperationen, die leider viel zu selten ernsthaft in ihrer Vielfalt genutzt werden.

Wie wichtig schätzen Sie die derzeit heiß diskutierten Themen „flexible Arbeitszeitgestaltung“ und „Gleiche Steuern für Essen“ hinsichtlich der Branchenzukunft ein?
Bedarfsgerechte Arbeitszeitmodelle sind ein Kernthema der zukünftigen Personalarbeit, jedoch in unserer Branche stark durch die geltende Dokumentationspflicht und Arbeitszeitgesetzgebung eingeschränkt. Hier sind Reformen für die Gastronomie dringend notwendig und ein wichtiges Thema in der Bundestagswahl 2017: Änderung der maximalen Tagesarbeitszeiten auf das EU-Modell der maximalen Wochenarbeitszeiten und mehr Flexibilität hinsichtlich der Ruhezeit sind wichtig, denn die derzeitigen gesetzlichen Richtlinien passen nicht mehr in unsere Zeit.

Das Thema der gleichen Besteuerung für Essen halte ich dagegen nicht für ein starkes Mittel zum Schutz der klassischen Gastronomie. In anderen EU-Nachbarsländern hat es in der Besteuerung der Waren nie Unterschiede gegeben und auch dort muss sich die klassische Gastronomie den gleichen Herausforderungen stellen. Hier müssen zusätzlich andere Wege eingeschlagen werden.

Welchen Rat möchten Sie jungen Menschen, die über eine Ausbildung in der Gastronomie nachdenken, persönlich mit auf den Weg geben?
Es gibt keine vergleichbare Branche mit solchen Möglichkeiten: Wir verzeichnen stetiges Wachstum, die Karrierewege sind divers und wir schenken den Gästen täglich Freude. In der Gastronomie steht jedem die Welt offen – es gibt keine Grenzen. (MJ)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Alexander Fürst, Roman Wurzer und Heinz Kaiser mit Sektgläsern in den Händen
Himmlische Genüsse
Himmlische Genüsse

Sky-Restaurant und Bar unter neuer kulinarischer Führung

Der im Herzen der Wiener City gelegene Restaurant- und Barbetrieb „Sky“ präsentiert mit Heinz Kaiser, Roman Wurzer und Alexander Fürst ein neues gastronomisches Spitzentrio.
Koch-Azubi in Küche
Karriere in der Gastronomie
Karriere in der Gastronomie

Koch-Azubi: „Ganz normale Arbeitszeiten“

Wer Koch werden will, muss seine Lehre nicht zwingend im Restaurant absolvieren. Eine Alternative ist das Catering, beispielsweise für Events oder für Kitas. Die Ausbildung dort ist dieselbe wie in der klassischen Küche – die Herausforderungen sind aber andere.
Gruppenfoto Vapiano Talent Days
Nachwuchsförderung
Nachwuchsförderung

Führungskräfte und Nachwuchs Hand in Hand

Vapiano hat Anfang August seine Auszubildenden und Studierenden zu den achten Talent Days ins Münsterland eingeladen. Ziel der mehrtägigen Veranstaltung war es, über die Ländergrenzen und alle Ebenen hinweg zu netzwerken.
Alex Belasch
Personalie
Personalie

Neuer Küchenchef im Grand Elisabeth

Das Grand Elisabeth in Bad Ischl steht unter neuer kulinarischer Leitung. Im Herbst und Winter setzt das Vier-Sterne-Superior-Hotel zudem auf eine Reihe kulinarischer Veranstaltungen.
Servicekraft trägt in einem voll besetzten Restaurant zwei Teller und bleibt während der Stoßzeit ruhig und konzentriert.
Nervenstärke
Nervenstärke

Stress im Service souverän bewältigen

Volle Tische, lange Bons und gleichzeitig eine Reklamation: In Restaurant, Café und Hotelrestaurant kommt es regelmäßig auf einen klaren Kopf an. Mit guter Vorbereitung, festen Abläufen und einem verlässlichen Team lassen sich hektische Phasen professionell meistern.
Nick von Holdt
Personalie
Personalie

Block Foods AG verstärkt Vorstand

Seit August verantwortet Nick von Holdt das Endverbrauchergeschäft der Unternehmensgruppe. Der erfahrene Lebensmittelmanager soll insbesondere das Markengeschäft ausbauen und neue Wachstumspotenziale erschließen.
Vier Mitarbeiter aus Rezeption, Küche, Service und Housekeeping stimmen sich in einem Hotelrestaurant vor der Schicht ab.
Kompetenzen
Kompetenzen

Soft Skills, die in Hotellerie und Gastronomie wirklich zählen

Fachwissen öffnet viele Türen, doch im Berufsalltag entscheiden oft Haltung, Kommunikation und Teamgeist. Welche persönlichen Stärken Bewerber für Service, Küche, Rezeption und Housekeeping mitbringen sollten – und wie sie sich überzeugend zeigen lassen.
Luis Hendricks
Personalie
Personalie

The Ritz-Carlton, Wolfsburg ernennt Küchenchef für neues Restaurantprojekt

Der jüngster Zwei-Sterne-Koch Deutschlands kehrt in seine Heimatregion zurück: Ab August übernimmt Luis Hendricks als Küchenchef die kulinarische Leitung eines neuen Restaurantprojekts im The Ritz-Carlton, Wolfsburg.
Christian Jürgens
Trennung
Trennung

Christian Jürgens und Villa Florhof gehen getrennte Wege

Paukenschlag in Zürich: Noch vor der Eröffnung trennen sich Christian Jürgens und die Villa Florhof. Das Zürcher Luxushotel hält dennoch am geplanten Starttermin fest.