AK-Studie

Viele Mitarbeiter kehren dem Gastgewerbe den Rücken

Rund jeder Dritte würde lieber in einer anderen Branche unterkommen. Die Gewerkschaft vermisst faire Arbeitsbedingungen, die Wirtschaftskammer kritisiert eine „undurchsichtige Fragestellung“.

Mittwoch, 18.09.2019, 14:41 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein
Koch erklärt Azubis etwas in Küche

Im Gastgewerbe bemüht man sich weiterhin, die Arbeitsplätze möglichst attraktiv für neue Mitarbeiter zu machen. (© fotolia.com/Phovoir)

Die Oberösterreichische Arbeiterkammer (AK) hat aktuell eine Studie präsentiert, bei der es um die Dynamik am Arbeitsmarkt geht. Eine der Kernaussagen: Den stärksten Drang zur beruflichen Veränderung hätten (neben dem Handel) Beschäftigte in der Gastronomie und im Tourismus: Beinahe vier von zehn Kellner und ein Drittel der Angestellten in Gasthäusern und Hotels wollten demnach künftig etwas Anderes arbeiten. Hauptgrund, den Job oder Beruf wechseln zu wollen, sei nach Einschätzung der AK die negative Einschätzung der wirtschaftlichen Situation des Betriebs. Auch schlechter Führungsstil und mangelnde Zufriedenheit mit der eigenen Tätigkeit nährten den Wunsch nach beruflicher Veränderung. Nicht zuletzt hätten auch geringe Einkommen und niedrige Einkommenszufriedenheit, schlechtes Betriebsklima, Zeitdruck und Arbeitsdruck sowie mangelnde Karriere- bzw. Entwicklungsmöglichkeiten einen spürbaren Einfluss auf die Höhe der Fluktuation in den Berufen und Branchen.

Bei der Gewerkschaft wurde der zugespielte Ball mit Genugtuung aufgegriffen. Die vorgelegten Zahlen beweisen für Berend Tusch, Vorsitzender des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft vida, dass „die Branche nur dann kein Problem mehr haben wird, ausreichend Personal zu finden, wenn die Work-Life-Balance für die Beschäftigten stimmt. Dazu gehören etwa Dienstplansicherheit, ein familienfreundliches Arbeitsleben und auch ausreichend Ruhephasen und Entspannung. Wenn nicht permanent Personallücken gestopft werden müssen, dann wird es auch möglich sein, zusätzlich nötige Arbeitsplätze zu besetzen. Wenn Arbeitnehmer Wertschätzung wahrnehmen, wird der Drang zum Job- oder Branchenwechsel mit Sicherheit geringer werden“. Nur faire Arbeitsbedingungen und hochwertige Ausbildung sowie die Einhaltung des Arbeitnehmerschutzes seien der richtige Weg, um den Personalnöten in Österreich entgegenzuwirken, betont Tusch: „Nur zufriedene Mitarbeiter sind gute Gastgeber. Wer seine Mitarbeiter und Lehrlinge fair behandelt und entlohnt, der braucht sich vor Personalmangel sicher nicht fürchten.“

Tourismus schafft ständig neue Arbeitsplätze

Kritik kommt hingegen von Seiten der Wirtschaftskammer. „Jedes Jahr wird aufs Neue mit einer undurchsichtigen Befragung, die mit wesentlichen Parametern – wie beispielsweise der Anzahl der Befragten – hinter dem Berg hält, eine ganze Branche und deren Leistungen angeschwärzt“, kommentiert die Tourismussprecherin in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Petra Nocker-Schwarzenbacher den aktuellen AK-Arbeitsklimaindex. „Erstaunlicherweise werden wesentliche Tatsachen geflissentlich verschwiegen, wie etwa, dass der Jobmotor Tourismus- und Freizeitwirtschaft mit einer sehr hohen Drehzahl auf Touren läuft und seit Jahren die Anzahl der Beschäftigten im Tourismus ständig steigt“, kontert Nocker-Schwarzenbacher mit aktuellen Zahlen des IFES-Instituts. Demnach gab es in den vergangenen fünf Jahren jedes Monat eine durchschnittliche Steigerung der Mitarbeiter von bis zu zwei Prozent im Vergleich zum Monat des Vorjahres.

Angesichts dieser Daten und der aktuellen Arbeitsmarktsituation sollte man der Branche – ihren Unternehmern und deren Mitarbeitern – Anerkennung zollen, so Nocker-Schwarzenbacher: „Wir sind uns der wichtigen Bedeutung unserer Mitarbeiter bewusst, haben bereits viel weitergebracht – Stichwort Lehrlingsentschädigung, Mindestlohn, Mitarbeiterquartiere, Überarbeitung der Berufsbilder, Arbeitssicherheit etc. – und arbeiten konsequent an weiteren Verbesserungen,“ wie der Einführung eines Saisonverlängerungsmodells.“

 

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