Ratgeber

Die Weiterbildungslüge

In Zeiten des Fachkräftemangels lohnt sich ein Blick auf die Erwartungen von Arbeitnehmern an moderne Arbeitgeber. Laut Statistik spielt Weiterbildung eine immense Rolle. Professional Coach Frank Simmeth deckt Fakten und (unbequeme) Wahrheiten über den Weiterbildungswunsch von Arbeitnehmern und Erwartungen der Arbeitgeber auf.

Dienstag, 04.01.2022, 12:55 Uhr, Autor: Frank Simmeth

Manche Mitarbeiter arbeiten eigenverantwortlich an ihrer eigenen Entwicklung, andere müssen ein bisschen zum Weiterbildungs-Glück „geschubst“ werden. (Foto: © Fiszkes via Getty Images)

Die letzte Umfrage zu den Erwartungen der Arbeitnehmer wurde von der GWA 2020 veröffentlicht. Seit Jahren belegen laut dieser Statistik Arbeitsklima, Freude bei der Arbeit sowie Work-Life-Balance genau in dieser Reihenfolge die ersten 3 Plätze. Das Einstiegsgehalt kommt, für viele sicherlich überraschenderweise, mit 33 Prozent bei den Frauen und 29 Prozent bei den Männern erst auf Platz 4…

Plötzlicher Widerstand

Noch überraschender ist aber vielleicht, dass die Möglichkeit der betrieblichen Weiterbildung bei 27 Prozent der Frauen und 26 Prozent der Männer direkt auf Platz 5 folgt. Vergleicht man das mit Arbeitsplatzsicherheit (Platz 9) und weiteren betrieblichen Zusatzleistungen (Platz 14), wird klar, welche Bedeutung Mitarbeiter vermeintlich der Möglichkeit zumessen, sich fachlich wie persönlich weiterzuentwickeln.

Der eine oder andere Personalverantwortliche, der diese Statistik erstmals liest, wird sich vermutlich jetzt gerade die Augen reiben. Die Realität in den Betrieben sieht nämlich oftmals völlig anders aus. Richtig ist, dass alle Bewerber im Vorstellungsgespräch gerne davon reden, wie wichtig ihnen Weiterbildung ist. Kommt es später dann zu konkreten Weiterbildungsmaßnahmen, entstehen plötzlich große Widerstände. Da ist für manche Mitarbeiter von schlechter Zeit über unpassenden Inhalt oder zu viel Aufwand jedes Argument gerade recht, um sich vor einer anstehenden Schulung zu drücken.

Schwindeln viele Mitarbeiter also einfach, wenn es um Weiterbildung geht, nur um sich interessierter darzustellen? Nicht zwingend. Ich glaube nämlich, dass nicht nur Mitarbeiter alleine dafür verantwortlich sind, dass es hier eine Diskrepanz gibt….

Performance, Performance!

Auch Mitarbeiter kommen ja, wenn es um die eigene Weiterentwicklung geht, in vielen Betrieben schnell in der harten Realität an. Im Schulungsangebot für Mitarbeiter interessieren sich viele Unternehmer und Personalentwickler herzlich wenig für deren persönliche Entwicklung. Sondern mehr dafür, dass Mitarbeiter in möglichst kurzer Zeit lernen, im Alltag besser zu performen beziehungsweise produktiver zu arbeiten.

Bezüglich Weiterbildung steht also meist weniger zur Debatte, was sich ein Mitarbeiter wünscht oder braucht. Es geht eher darum, was sich der jeweilige Betrieb wünscht. Wenn dann ein Mitarbeiter im Laufe der Karriere gerade in Gastronomie und Hotellerie durch die 10. Verkaufsschulung und Reklamationsschulung „geschleust“ wird, ist es auch kein Wunder, wenn sich die Begeisterung irgendwann in Grenzen hält.

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