Tarifstreit

Gewerkschaft droht mit Rekordstreiks in Hotels und Gastro – wie sich Betriebe vorbereiten können

Geschlossenes Restaurant
Im Zuge des Tarifkonflikts drohen Warnstreiks in der Gastronomie und Hotellerie. (Foto: © ArTo/stock.adobe.com)
Die Tarifverhandlungen im hessischen Hotel- und Gaststättengewerbe stocken. Nun droht die Branchengewerkschaft NGG mit Warnstreiks in hessischen Städten. Für Betriebe wächst damit der Druck, sich organisatorisch und strategisch auf mögliche Ausfälle vorzubereiten.
Dienstag, 05.05.2026, 14:16 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten droht angesichts stockender Tarifverhandlungen mit Warnstreiks in Hotels, Restaurants und Cateringfirmen. Erste Arbeitsniederlegungen könne es schon bald geben, besonders in Frankfurt, Wiesbaden, aber auch in anderen hessischen Städten und Gemeinden, sagte NGG-Verhandlungsführer Hendrik Hallier.

Er kündigte an: „Vorabankündigungen wie bei der Bahn wird es nicht geben. Gleichzeitig werden dies die größten Streiks, die diese Branche in der Bundesrepublik jemals erlebt hat.“

Die Beschäftigten der Branche hätten genug, sagte Hallier. In vielen Betrieben arbeite heute rund ein Drittel weniger Personal, doch die Arbeit habe nicht abgenommen. „Die Beschäftigten der Branche arbeiten zu jeder Tages- und Nachtzeit, an Feiertagen, Sonntagen und unter stetig steigenden Arbeitsbelastungen.“

Das fordert die NGG

Die NGG fordert eine Erhöhung der Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 7,5 Prozent sowie einen jährlichen Gesundheitszuschuss von 300 Euro.

Die Arbeitgeber bieten nach Darstellung der Gewerkschaft eine Gehaltserhöhung von einem Prozent über 30 Monate. Besonders brisant sei, dass die Arbeitgeber die Gehälter ungelernter Arbeitskräfte gar nicht erhöhen wollten, kritisiert die NGG, zu deren Tarifgebiet mehrere namhafte Hotels zählen.

„Seit unserer ersten Tarifverhandlung im Januar bewegte sich der Hotel- und Gastronomieverband Dehoga Hessen keinen Millimeter“, monierte NGG-Landeschef Hakan Ulucay. Während die Preise stiegen, wollten die Gastronomen trotz der Mehrwertsteuersenkung auf Speisen von 19 Prozent auf 7 Prozent beim Personal den Rotstift ansetzen. Es sei unverständlich, dass von der Entlastung nichts bei den Beschäftigten ankomme.

Was die Warnstreiks für Betriebe bedeuten

Die angekündigten Warnstreiks zeigen, wie angespannt die Situation auf dem Arbeitsmarkt in Hotellerie und Gastronomie derzeit ist. Für viele Betriebe bedeutet das zusätzliche Herausforderungen im laufenden Betrieb – insbesondere bei ohnehin knappen Personalressourcen.

Gleichzeitig rücken Themen wie Vergütung, Arbeitsbedingungen und Mitarbeiterbindung stärker in den Fokus. Für Unternehmen kann es daher sinnvoll sein, sich frühzeitig mit diesen Themen auseinanderzusetzen sowie die eigene Position als Arbeitgeber zu überprüfen und weiterzuentwickeln. 

Dazu zählen unter anderem:

  • transparente und wettbewerbsfähige Vergütungsmodelle
  • attraktive Arbeitszeit- und Einsatzkonzepte
  • Maßnahmen zur langfristigen Mitarbeiterbindung

Themen wie faire Bezahlung, planbare Arbeitszeiten und effiziente Prozesse rücken damit zunehmend in den Fokus. 

Wie sich Betriebe auf mögliche Ausfälle vorbereiten können

Angesichts möglicher Arbeitsniederlegungen kann es für gastgewerbliche Betriebe nun sinnvoll sein, sich auf mögliche Arbeitsniederlegungen vorzubereiten und frühzeitig organisatorische Maßnahmen zu treffen. Dazu zählt vor allem eine flexible Dienstplanung, um personelle Engpässe abzufedern.

Auch ein reduziertes, klar strukturiertes Angebot kann helfen, Abläufe zu stabilisieren und den Personalbedarf zu senken. Zudem empfiehlt sich eine enge Abstimmung im Team sowie eine transparente Kommunikation gegenüber Gästen, etwa bei eingeschränkten Leistungen.

(dpa/SAKL)

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