Mocktails werden zum Bartrend
„Alkoholfrei ist längst kein Randthema mehr“, sagt Norman Pohl, Bar Manager der Skyline Bar 20up. Sechs alkoholfreie Kreationen gehören dort inzwischen fest zur Karte. Auf Wunsch können Gäste aus bis zu 20 verschiedenen Mocktails wählen.
Auch der Blick auf das Konsumverhalten der Deutschen zeigt eine Veränderung. Nach Angaben des YouGov Alcohol Consumption Tracker tranken 2025 noch 68 Prozent der Deutschen Alkohol – 2015 waren es 78 Prozent.
Für die Gastronomie bedeutet das: Alkoholfreie Drinks müssen zunehmend als eigenständiges Segment gedacht werden – und nicht lediglich als Alternative für Gäste, die auf Alkohol verzichten.
Jüngere Gäste treiben die Entwicklung
Besonders bei jüngeren Erwachsenen verändert sich das Verhältnis zu Alkohol. Unter dem Begriff „Sober Curious“ wird ein bewussterer Umgang mit alkoholischen Getränken zunehmend zum Lifestyle.
Auch Zahlen von Kenn dein Limit, einer Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, zeigen einen langfristigen Rückgang des regelmäßigen Alkoholkonsums bei jungen Erwachsenen.
Für Bars steigt damit die Bedeutung eines Angebots, das auch ohne Alkohol ein hochwertiges Geschmackserlebnis bietet. Dabei geht es längst nicht mehr nur um klassische Säfte, Limonaden oder alkoholfreies Bier. Komplexe Aromen, Kräuter, Gewürze und alkoholfreie Destillate erweitern das Spektrum.
Neue Chancen – aber auch neue Kalkulation
Für Barbetreiber eröffnet die Entwicklung neue Möglichkeiten, bringt aber auch betriebswirtschaftliche Fragen mit sich. Denn alkoholfreie Cocktails werden zwar aufwendig zubereitet, der Getränkekonsum fällt bei Gästen laut Norman Pohl insgesamt häufig geringer aus als bei alkoholischen Drinks.
Umso wichtiger werden eine durchdachte Getränkekarte, passende Kalkulationen und ein Angebot, das alkoholfreie Cocktails nicht als Nebenprodukt behandelt. Pohls persönlicher Favorit ist deshalb auch eine alkoholfreie Interpretation des Negroni.
Die Entwicklung zeigt: Der Wandel im Alkoholkonsum erreicht zunehmend die Barkultur. Für Gastronomiebetriebe wird die Frage damit weniger, ob alkoholfreie Cocktails angeboten werden – sondern wie professionell sie in das eigene Konzept integriert werden.
(Empire Riverside Hotel/KAGI)