München prüft Zulassung weiterer Brauereien zum Oktoberfest
Auf dem Oktoberfest könnte künftig auch Bier zusätzlicher Münchner Brauereien ausgeschenkt werden. Die Stadtverwaltung überprüft derzeit die Kriterien für die Zulassung, wie das zuständige Wirtschaftsreferat mitteilte. Im Stadtrat gibt es Bestrebungen, den Weg für neue Anbieter zu ebnen. Mehrere Medien hatten darüber berichtet.
Besonders Giesinger Bräu bemüht sich seit Jahren um einen Platz auf der Wiesn. Als weiterer möglicher Bewerber gilt die Brauerei Münchner Kindl. Bislang beliefern sechs Münchner Traditionsbrauereien die Festzelte: Augustiner, Hacker-Pschorr, Löwenbräu, Paulaner, Spaten und Hofbräu München.
Die geltenden Betriebsvorschriften sehen Münchner Bier von „leistungsfähigen und bewährten Münchner Traditionsbrauereien“ vor.
Weitere Münchner Brauereien im Koalitionsvertrag vorgesehen
Die grundsätzliche Offenheit für zusätzliche Anbieter ist bereits im Koalitionsvertrag der Rathauskoalition aus Grünen, SPD und FDP/Freien Wählern festgeschrieben.
„Die Wiesn muss ihren Charakter als münchnerisch-bayerisches Traditionsvolksfest behalten. Dort soll nur Münchner Bier ausgeschenkt werden, wobei wir offen sind für weitere Münchner Brauereien“, heißt es darin.
Die Mango-Koalition arbeite nun daran, den Weg dafür zu ebnen, teilte die Fraktion Die Grünen – Rosa Liste mit. Die genauen Abstimmungen liefen noch. Eine fertige politische Initiative gebe es bislang nicht; zunächst solle diese innerhalb der Koalition abgestimmt werden.
„Wir Grüne haben uns schon seit Langem offen dafür gezeigt, den Kreis der Brauereien, die auf dem Oktoberfest ausschenken dürfen, zu erweitern“, sagt Anja Berger, die für die Grünen im Münchner Stadtrat sitzt. „Wichtig war uns dabei immer, dass es sich dabei um Münchner Brauereien handelt.“
Auch Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) hatte bereits nach seiner Wahl Offenheit für weitere Münchner Brauereien auf dem Oktoberfest signalisiert.
Transparente Kriterien für die Wiesn-Zulassung
Dem Vernehmen nach liegt inzwischen ein Entwurf für einen Antrag an das Wirtschaftsreferat vor. Danach soll das Referat transparente und rechtssichere Kriterien für die mögliche Zulassung weiterer Brauereien erarbeiten. Die konkrete Ausarbeitung nach einem solchen Antrag wäre Aufgabe der Verwaltung.
In der Vergangenheit wurde unter anderem darüber diskutiert, ob zusätzliche Brauereien genügend Bier für die beiden Festwochen liefern könnten. Die Lieferfähigkeit könnte daher ein Kriterium werden. Giesinger Bräu hatte stets betont, die benötigten Mengen bereitstellen zu können. Insgesamt wurden auf dem diesjährigen Oktoberfest 6,7 Millionen Maß Bier getrunken.
Giesinger Bräu fordert erreichbare Vorgaben
Giesinger Bräu begrüßt die Schritte in Stadtrat und Verwaltung: „Wir begrüßen, dass nachvollziehbare, transparente und rechtssichere Kriterien entwickelt werden sollen, die die Zulassung von neuen Brauereien auf dem Oktoberfest regeln“, teilte die Brauerei mit. „Dies war eine unserer zentralen Forderungen in den vergangenen Jahren.“
Es sei sehr erfreulich, dass das Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag nun in Angriff genommen werde, hieß es weiter. „Wichtig ist, dass diese zu entwickelnden Kriterien für junge Brauereien auch erreichbar bleiben und nicht den Status Quo der etablierten Oktoberfest-Brauereien zementieren. Wir würden uns daher wünschen, in den Prozess der Entwicklung von fairen Rahmenbedingungen einbezogen zu werden.“
Auch neue Brauereifestzelte im Gespräch
Nach einem Bericht der Mediengruppe „Münchner Merkur/tz“ könnte es auch darum gehen, neue Brauereifestzelte zuzulassen. Anlass für die Pläne zur Neuordnung sei zum Teil die Klage des Ex-Wiesnwirts Alexander Egger gewesen. Er hatte das Zulassungsverfahren für die Bierzelte infrage gestellt, war vor Gericht aber erfolglos geblieben.
Das Wirtschaftsreferat erläuterte, die Verwaltung prüfe nach den vergangenen gerichtlichen Verfahren die Zulassungskriterien für Brauereien auf dem Oktoberfest. Die Ergebnisse sollen den Mitgliedern des interfraktionellen Arbeitskreises Oktoberfest vorgestellt werden.
Sobald die interne Abstimmung abgeschlossen ist, muss der Stadtrat entscheiden. Der Prozess werde deshalb noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Giesinger Bräu setzt auch auf einen Bürgerentscheid
Brauereichef Steffen Marx versucht außerdem, über einen Bürgerentscheid die Wiesn-Zulassung von Giesinger Bräu zu erreichen. Die Unterschriftensammlung läuft noch. Rund 22.000 von benötigten etwa 33.000 Unterschriften lägen bereits vor, sagte ein Sprecher.
Die 2006 gegründete Brauerei braut seit einigen Jahren ein eigenes Festbier. Wegen der Vorgaben in den Betriebsvorschriften hatte sie sich bislang allerdings nicht bei der Stadt für das Oktoberfest beworben.
Seit 2021 darf Giesinger Münchner Bier herstellen. Das bedeutet unter anderem, dass Wasser aus einem Münchner Tiefbrunnen verwendet und im Münchner Stadtgebiet gebraut wird.
Für das nächste Oktoberfest dürfte es dennoch bei den bisherigen Brauereien bleiben – selbst wenn die Stadt schnell neue Kriterien beschließen sollte. Mindestens 18 Monate brauche die Vorbereitung auf die Wiesn, heißt es bei Giesinger Bräu.
(dpa/ SAHO)