Tradition

Wirtekrug erinnert an alte Wiesn-Zeiten

Christian Scharpf hält zwei offizielle Wirtekrüge für das Oktoberfest 2026 vor dem Chinesischen Turm in München
Münchens Wirtschaftsreferent Christian Scharpf präsentiert den offiziellen Wirtekrug 2026. (Foto: © picture alliance/dpa | Peter Kneffel)
Das diesjährige Sammlerstück zeigt das Oktoberfest nach dem Zweiten Weltkrieg und verbindet historische Motive mit der Gegenwart. Zugleich rückt es den besonderen Stellenwert gewachsener Bräuche in den Fokus.
Dienstag, 14.07.2026, 09:07 Uhr, Autor: Sarah Hoffmann

Mitten im Sommer haben die Wiesn-Wirte ihren diesjährigen Oktoberfestkrug vorgestellt. Das Motiv blickt weit in die Vergangenheit zurück und zeigt das Volksfest, wie es noch nach dem Zweiten Weltkrieg gefeiert wurde. Die historischen Szenen treffen auf eine Zeit, in der Wirte und Stammgäste um den Erhalt des traditionellen Charakters der Veranstaltung fürchten.

Historische Szenen auf dem Wirtekrug

Auf dem Krug strömt das Bier, während die Besucher in eleganter Kleidung feiern. Damen tragen Stola, Herren Anzug und Krawatte. Ausgeschenkt wird das Bier nicht in Glaskrügen, sondern in Steinkrügen.

Diese wurden im Jahr 1955 abgeschafft. Seither wird das Bier auf dem Oktoberfest in Glaskrügen ausgeschenkt. Auch Dirndl und Lederhose haben sich erst in jüngerer Vergangenheit als typische Wiesn-Kleidung durchgesetzt.

„Mir gefällt das diesjährige Motiv des Wirtekrugs, das daran erinnert, wie lange es das Oktoberfest schon gibt und wie manche Traditionen bewahrt und gleichzeitig Raum für Veränderungen gelassen wurde“, sagte Wiesnchef Christian Scharpf. „Ein Krug wie dieser ist ein Stück gelebte Wiesn-Erinnerung, das Vergangenheit und Gegenwart zusammenführt.“

Sorge vor einem Ausverkauf der Tradition

Das historische Motiv erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem über die künftige Vergabe der Wiesn-Zelte diskutiert wird. Ein Wirt fordert eine Vergabe nach europäischem Vergaberecht und hat deshalb geklagt. Über die Klage soll im September, kurz vor dem Anstich, verhandelt werden.

Die Wirte-Sprecher Peter Inselkammer und Christian Schottenhamel hatten bereits mehrfach vor einem Ausverkauf der Tradition und einer grenzenlosen Kommerzialisierung durch eine europaweite Ausschreibung gewarnt. Die Wiesn dürfe nicht internationalen Unternehmen geopfert werden, denen es ausschließlich um Gewinnmaximierung gehe.

Online-Petition „Rettet die Wiesn“

Auch unter den Stammgästen wächst die Sorge. Armin Jumel hat deshalb die Online-Petition „Rettet die Wiesn“ gestartet. Nach seinen Angaben haben bereits gut 5.000 Menschen unterschrieben.

Der 55-Jährige sitzt seit 36 Jahren an jedem Wiesn-Tag an seinem angestammten Tisch im Festzelt Schottenhamel. Seine Familie hat den Tisch seit der Wiedereröffnung des Oktoberfestes nach dem Krieg im Jahr 1949. „Wir müssen aufpassen, dass die Wiesn die Wiesn bleibt. Wir wollen das Oktoberfest so traditionell erhalten, wie es geht“, mahnt Jumel.

Neuerungen müssten zwar möglich sein. Das Fest dürfe jedoch nicht vollständig auf Gewinn ausgerichtet werden. Es könne nicht sein, „dass ein CEO irgendwo in der Welt im 23. Stock entscheidet, wie viele Minuten ich an meinem Tisch sitzen darf – um alles noch mehr zu optimieren“. Nach fünf Monaten will Jumel die gesammelten Unterschriften an die Regierung von Oberbayern übergeben.

Symbole der großen Festzelte

Neben der historischen Szene zeigt der Krug auch die üblichen Insignien der Wiesn-Wirte. Dazu gehören die Symbole der 15 großen Festzelte.

Eine Hopfendolde mit Krone steht für das Hofbräuhaus, eine Armbrust für das Armbrustschützenzelt und ein weißer Hammel für den Schottenhamel – auch wenn dessen Name nur mit einem „m“ geschrieben wird.

Limitiertes Sammlerstück

Den Wirtekrug gibt es seit fast einem Vierteljahrhundert. Er erscheint in limitierter Auflage und gilt als begehrtes Sammlerobjekt.

Wer ihn auf dem Oktoberfest mit Bier füllen möchte, muss in diesem Jahr erneut tiefer in die Tasche greifen. Die Maß kostet zwischen 14,80 € und 15,90 €. Im Jahr 2025 lag die Preisspanne noch zwischen 14,50 € und 15,80 €.

Damit steigen die Bierpreise im Durchschnitt um 2,38 % gegenüber dem Vorjahr. Während der gut zwei Festwochen werden jährlich rund sieben Millionen Maß Bier getrunken.

(dpa/ SAHO)

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