Das Geschäft mit der Tasse
Kaffee ist ein Selbstläufer – und genau darin liegt die Gefahr. Weil Espresso, Cappuccino und Co. in Hotels, Restaurants und Cafés zum Standard gehören, wird das Getränk im Tagesgeschäft schnell zur Nebensache. Dabei sprechen die Zahlen eine andere Sprache: 2025 wurden in Deutschland 125.500 Tonnen Kaffee außer Haus konsumiert – so viel wie nie zuvor. Damit erreichte der Außer-Haus-Konsum laut Deutschem Kaffeeverband einen neuen Höchststand.
Wie groß die wirtschaftliche Bedeutung des Kaffees darüber hinaus ist, zeigt eine neue Studie von Europe Economics im Auftrag der European Coffee Federation: Die deutsche Kaffeewirtschaft steht demnach für 70,2 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung und rund 517.000 Arbeitsplätze. Allein 36,6 Milliarden Euro entfallen auf die direkte Kaffeewirtschaft; weitere 33,6 Milliarden Euro entstehen bei Ausstattern und Dienstleistern – von Kaffeemaschinen und Rösttechnik bis hin zu Logistik, Wartung und weiteren Services.
Deutschland ist dabei nicht nur ein wichtiger Absatzmarkt. 34,4 Prozent der Kaffeeimporte aus Ländern außerhalb der EU gelangen über Deutschland in das EU-Zollgebiet. 2025 waren das rund 1,01 Millionen Tonnen. Auch bei der Verarbeitung spielt Deutschland eine bedeutende Rolle: Mit rund 517.000 Tonnen entfielen 27,3 Prozent der europäischen Röstkaffeeproduktion auf den deutschen Markt.
Für die Gastronomie lässt sich daraus eine einfache Frage ableiten: Wie lässt sich aus der alltäglichen Tasse ein wirtschaftlich interessantes Angebot machen?
Qualität ist kein Zufall
Eine gute Tasse Kaffee beginnt nicht erst beim Servieren. Bohnenqualität, Mahlgrad, Dosierung, Wasserqualität und Maschineneinstellung müssen zusammenspielen. Gerade im professionellen Umfeld kommt dabei ein weiterer Faktor hinzu: die Konstanz.
„In der Tasse zeigt sich, wie gut alle Faktoren zusammenspielen“, erklärt Tim Sellmann, Product Marketing & Communications Manager bei Franke Coffee Systems. Entscheidend sei daher, die verschiedenen Parameter präzise aufeinander abzustimmen und möglichst reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen.
Für Hotels und Restaurants bedeutet das: Der Kaffee sollte nicht nur dann gut schmecken, wenn ein besonders erfahrener Mitarbeiter an der Maschine steht. Standardisierte und präzise Prozesse können dazu beitragen, die Qualität über verschiedene Schichten und Auslastungssituationen hinweg konstant zu halten.
Am 1. Oktober ist „Tag des Kaffees“. Im Jahr 2026 findet dieser bereits zum 21. Mal statt. Der Deutsche Kaffeeverband hatte den Aktionstag 2006 ins Leben gerufen; inzwischen wird er gemeinsam mit dem International Coffee Day gefeiert.
Nicht nur die Bohne kalkulieren
Wer das Kaffeegeschäft wirtschaftlich betrachtet, sollte zudem nicht beim Einkaufspreis der Bohnen stehen bleiben. Personal, Energie, Reinigung und Wartung gehören ebenfalls auf die Rechnung.
„Für die Wirtschaftlichkeit zählt mehr als der reine Wareneinsatz“, sagt Sellmann. Automatisierung, präzise Dosierung und ein effizienter Umgang mit Ressourcen könnten dabei helfen, Abläufe zu vereinfachen und Kosten zu reduzieren.
Gerade für Betriebe mit hohem Getränkeaufkommen kann sich deshalb ein Blick auf den gesamten Prozess lohnen: Wie viele Handgriffe sind für ein Getränk notwendig? Wie viel Zeit bindet die Zubereitung? Wie aufwendig sind Reinigung und Wartung? Und wie stark hängt das Ergebnis von einzelnen Mitarbeitern ab?
Was kommt auf die Karte?
Auch das Kaffeeangebot selbst verändert sich. Neben Espresso, Filterkaffee und klassischen Milchkaffees gewinnen Varianten wie Iced Coffee und entkoffeinierte Spezialitäten an Bedeutung. Pflanzliche Milchalternativen erweitern die Auswahl. Auch Getränke wie Matcha oder Chai können das Sortiment ergänzen.
Dabei geht es nicht darum, jeden Trend mitzumachen. Entscheidend ist vielmehr, welche Getränke zur eigenen Zielgruppe und zum Betriebskonzept passen – und ob sie sich effizient in den bestehenden Ablauf integrieren lassen.
„Die Wünsche der Gäste werden vielfältiger“, beobachtet Sellmann. Flexible Kaffeemaschinenlösungen könnten es Gastronomen ermöglichen, ihr Angebot auf unterschiedliche Zielgruppen auszurichten und damit neue Umsatzpotenziale zu erschließen.
Wenn die Schlange länger wird
Besonders anspruchsvoll wird das Kaffeegeschäft, wenn viele Bestellungen gleichzeitig eingehen. Im Hotel-Frühstück, während einer Tagung oder im Café zur Stoßzeit müssen Getränke schnell zubereitet werden – ohne dass die Qualität darunter leidet.
KAFFEE IN ZAHLEN
70,2 Mrd. €
Wirtschaftsleistung der Kaffeewirtschaft in Deutschland
517.000
Arbeitsplätze hängen direkt und indirekt mit der Kaffeewirtschaft zusammen
1,01 Mio. t
Kaffee kamen 2025 aus Nicht-EU-Ländern über Deutschland in das EU-Zollgebiet
34,4 %
der entsprechenden EU-Kaffeeimporte laufen über Deutschland
517.000 t
Röstkaffee wurden in Deutschland produziert
27,3 %
der europäischen Röstkaffeeproduktion entfallen damit auf Deutschland
Quelle: „Economic Impact of Coffee in Europe“, Europe Economics im Auftrag der European Coffee Federation, 2026.
„Gerade zu Spitzenzeiten kommt es auf einfache und zuverlässige Abläufe an“, sagt Sellmann. Intelligente Automatisierung und effiziente Reinigungsprozesse könnten dabei helfen, die Getränkequalität auch unter Zeitdruck konstant zu halten und gleichzeitig den Bedien- und Schulungsaufwand zu reduzieren.
Damit wird die Kaffeemaschine Teil des gesamten Betriebsprozesses. Denn für die Gastronomie zählt nicht allein, was in der Tasse steckt, sondern auch, wie effizient sie beim Gast ankommt.
Kaffee als Wirtschaftsfaktor
Die neue Studie zeigt, dass hinter dem scheinbar kleinen Produkt eine große Wertschöpfungskette steht. Vom Import über Handel und Röstung bis zu Technik, Logistik und Ausschank reicht die wirtschaftliche Bedeutung des Kaffees. Allein der Außer-Haus-Markt erreichte 2025 einen neuen Rekord.
Für Hotellerie und Gastronomie bedeutet das: Kaffee muss nicht zum komplizierten Zusatzgeschäft werden. Wer Qualität, Sortiment und Prozesse aufeinander abstimmt, kann aus einem ohnehin stark nachgefragten Produkt ein systematisches Geschäftsfeld machen.
(Deutscher Kafeeverband/Franke Coffee/KAGI)