Zu billig?

Kritik an Schnitzel-Kampfpreisen

Die XXXLutz-Gruppe bietet derzeit in ihrem Restaurant auf der Mariahilfer Straße in Wien ein Riesenschnitzel samt Beilage um 2,50 Euro. Kritik an diesem Angebot ließ nicht lange auf sich warten.

Freitag, 31.07.2020, 10:30 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein
Wiener Schitzel mit Pommes Frites

Ein Riesenschnitzel samt Pommes frites (Symbolbild) um 2,50 Euro ist ein Angebot, das nicht auf ungeteilte Zustimmung stößt. (© PUSH2HIT NIKIBA GmbH/stock.adobe.com)

Die Restaurants des Möbelriesen XXXLutz sind in der Branche nicht ganz unumstritten, kann man doch aufgrund der Größe des Unternehmens Preise kalkulieren, die kleinen Gastronomen den Appetit verderben können. Im Vorjahr hat die Gruppe außerdem erstmals auf der Mariahilfer Straße in Wien ein neues Stand-alone-Restaurant eröffnet, also ein Lokal, das nicht Anhängsel an ein Möbelhaus ist, sondern ausschließlich Gastronomie anbietet. Für Promotionzwecke hat man dort eine Gutschein-Aktion ins Leben gerufen, die prompt für Kritik sorgt: Bis 14. August bekommen Gäste dort nämlich mit einem speziellen Gutschein ein Riesenschnitzel (Schwein oder Pute) samt Pommes frites um 2,50 Euro. „Wir wollen die österreichische Alternative zu Mäci und Co. sein. Unser Konzept mit lifestyliger Atmosphäre gepaart mit Austro-Soulfood und günstigen Preisen ist wirklich aufgegangen“, wird XXXLutz-Unternehmenssprecher Thomas Saliger auf der Online-Plattform OE24 zitiert.

„Verramschung von Lebensmitteln“

Weniger Freude haben bei solchen Kampfpreisen dagegen Tierschutzverbände. „Wir erleben hier eine regelrechte Verramschung von Lebensmitteln! Wenn Nahrung nichts mehr wert ist und jeder Respekt vor tierischen Produkten fehlt, dann fällt das letztendlich auf uns alle zurück. Es ist absurd, Fleisch als Lockmittel zu verwenden. Wir sollten es gerade jetzt besser wissen: Im Zuge der Corona-Krise haben wir gesehen, welche furchtbaren Auswirkungen die billige Produktion von Fleisch auch auf die Gesundheit haben kann“, sieht Veronika Weissenböck vom Verein Vier Pfoten ein völlig falsches Signal und langfristig negative Konsequenzen für alle: Tiere, Menschen und Umwelt. Solche abartigen Preise seien ein Schlag ins Gesicht für jeden Bauern. „Der Wettbewerb wird völlig verzerrt, von fairen Preisen reden wir gar nicht. Und alle, die tier- und umweltfreundlich produzieren, haben das Nachsehen“, so Weissenböck. Kein Landwirt – speziell keiner aus Österreich – könne bei solchen Preisen kostendeckend produzieren. „Damit wird die gesamte Branche aber unter Druck gebracht, billiger anzubieten. Und das führt natürlich in einen Teufelskreis. Damit werden sich die Bedingungen in der Intensivtierhaltung sicher nicht verbessern, im Gegenteil: Ein bereits krankes System wird so immer weiter geführt.“

Politik gefordert

Ähnlich hart die Kritik von Initiatoren des Tierschutzvolksbegehrens. Die Rabattschlachten hätten ein Ausmaß angenommen, bei dem die Politik dringend aufgefordert sei zu handeln. Solche Fleischpreise seien nur möglich, wenn Tiere leiden, die Natur zerstört wird und kleinbäuerliche Betriebe zusperren – denn all das sei die Folge eines Systems, das auf Masse und möglichst niedrige Preise ausgerichtet ist.

„Unfair und verantwortungslos“

Auf gut wienerisch „stinksauer“ ist auch Wiens Gastro-Obmann Peter Dobcak über diese Aktion, wie er gegenüber HOGAPAGE ausführt: „Das ist gegenüber ‚normalen‘ Gastronomen nicht fair, dass hier ein Großkonzern mit solchen Kampfpreisen agiert. Die ganze Branche hat es derzeit schwer, man versucht, das Preisniveau zumindest zu halten und dann werden alle Bemühungen in die Richtung von einem großen Anbieter unterlaufen. Das ist verantwortungslos!“

 

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