Studienergebnisse

Wie lässt sich die Ernährung beeinflussen?

Einzelne Studien und Experimente zeigen, wie einfach, effektiv und kostengünstig sich Menschen zu einem gewünschten Verhalten „anstupsen“ lassen.

Donnerstag, 28.10.2021, 10:39 Uhr, Autor: Karoline Giokas
Essen

Experimente zeigen: Nudging kann uns bewusst zu nachhaltiger Ernährung anhalten. (Foto: © Zbigniew Lewczak/stock.adobe.com)

Experimente in Kopenhagen untersuchten beispielsweise, wie sich in Konferenzeinladungen die Umkehrung der Standardeinstellung „Buffet mit Fleisch“ in „vegetarisches Buffet“ auswirkte. Bei der ersten Variante beließen es in Summe 94 Prozent der Teilnehmenden bei diesem Vorschlag und nur 6 Prozent bestellten eine vegetarische Verpflegung. Bei der zweiten Variante verhielt es sich genau anders herum: 87 Prozent akzeptierten das vegetarische Buffet und 13 Prozent bestellten explizit Fleisch.

Welche „Stupser“ sind wirksam?

Dieses Beispiel zeigt, wie einfach, effektiv und kostengünstig sich Menschen zu einem gewünschten Verhalten „anstupsen“ lassen – und zwar bei völliger Transparenz und Erhalt ihrer Wahlfreiheit. Es brauche jedoch noch mehr empirische Forschung, um die wirksamsten Nudges herauszufinden und ihre Effekte zu beziffern, betonte Dr. Jan Michael Bauer von der Copenhagen Business School auf dem 5. BZfE-Forum.

Denn es mache einen großen Unterschied, ob jemand beispielsweise nur für sich zwischen zwei Speisenoptionen zu wählen hat oder selbst Zugriff auf eine riesiger Auswahl an Lebensmitteln hat. Kurz: Je komplexer der Entscheidungsprozess, umso schwieriger ist es, Verhalten vorherzusagen und die Entscheidungsarchitektur gezielt in Richtung Nachhaltigkeit zu gestalten.

An gezielter Stelle ansetzen

Insgesamt sieht Bauer jedoch großes Potenzial im Nudging und einer nachhaltigkeitsorientierten Ausrichtung des Ernährungsumfelds. Es kann dabei helfen, die höheren Ziele Nachhaltigkeit und Gesundheit mit unserem weitgehend impulsgesteuerten und gewohnheitsmäßigen Verhalten in Einklang zu bringen. Natürlich ist Nudging nicht als alleinige Lösung gedacht. Es kann klassische Instrumente wie Verbote, Steuern, Preisanreize, Information und Bildung jedoch ergänzen.

Dabei zeichnet sich im Bereich der gesunden Ernährung ab: Am besten funktionieren Nudges, die ganz konkret am Verhalten ansetzen. So sank nach Berechnungen einer Meta-Analyse von 90 Studien der Kalorienverbrauch durch kleinere Portionen um 18,4 Prozent und durch eine bessere Erreichbarkeit der kalorienärmeren Alternativen um 11,6 Prozent. Danach folgten das Hervorheben hedonistischer Aspekte wie guter Geschmack mit einer Reduktion um 10 Prozent und Gesundheitsaspekte mit 7,5 Prozent.

Befragte befürworten Beeinflussung

Die oft geäußerte Kritik der Bevormundung oder gar Manipulation von Verbraucherinnen und Verbrauchern sehen diese selber übrigens nicht zwangsläufig. In einer repräsentativen Umfrage in Deutschland befürworteten über die Hälfte der Befragten einzelne Nudges und Eingriffe in die Entscheidungsarchitektur als Maßnahme der Gesundheitsintervention. Dazu gehörten unter anderem verpflichtende Kalorienlabel in Schnellrestaurants. Sogar den in den Medien stark kritisierten Veggie-Day in öffentlichen Kantinen fanden knapp über 50 Prozent in dieser Befragung gut.

(BzfE/KG)

 

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