Was steht 2040 auf der Speisekarte?
Was heute noch nach Zukunftsmusik klingt, könnte für Gastronomie und Hotellerie irgendwann zur ganz praktischen Frage werden: Was kommt auf die Speisekarte, wenn bestimmte Rohstoffe knapper, teurer oder nicht mehr zuverlässig verfügbar sind? Laut der neuen Nestlé Zukunftsstudie „Wie is(s)t Deutschland 2040?“ erwarten 65 Prozent der Befragten, dass der Klimawandel Lebensmittel künftig knapper, teurer und anfälliger für Lieferengpässe machen wird. 55 Prozent rechnen damit, dass sich Menschen deshalb an neue Verfügbarkeiten anpassen müssen.
Gleichzeitig zeigt die Untersuchung: Die Gäste von morgen sind durchaus offen für Veränderungen. 43 Prozent könnten sich vorstellen, alternative Produkte zu nutzen, wenn klassische Rohstoffe wie Kaffee, Kakao oder Getreide knapp werden. Ebenso viele sind offen für Lebensmittel aus neuen Rohstoffen wie fermentierten Proteinen oder Algen.
Das könnte auch die Gastronomie vor neue Herausforderungen stellen: Wie verändern sich Speisekarten, wenn vertraute Zutaten nicht mehr selbstverständlich verfügbar sind? Welche Alternativen akzeptieren Gäste – und wo endet die Bereitschaft zur Veränderung? Die Studie liefert darauf zwar keine konkreten Gastro-Prognosen, zeigt aber deutlich, in welche Richtung sich die Erwartungen der Verbraucher entwickeln.
Vom Rohstoff zur Resilienz
Der Klimawandel wird laut Studie zunehmend von einem abstrakten Zukunftsthema zu einer konkreten Frage der Lebensmittelversorgung. Extreme Wetterereignisse, Ernteausfälle und knapper werdende Ressourcen könnten Verfügbarkeiten, Lieferketten und Preise stärker beeinflussen. Entsprechend verändert sich auch das Verständnis von nachhaltiger Ernährung: 68 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass sich nachhaltige Angebote nur durchsetzen werden, wenn sie bezahlbar, verfügbar und attraktiv sind.
Für Gastgeber bedeutet das perspektivisch: Nachhaltigkeit allein könnte als Verkaufsargument nicht ausreichen. Entscheidend dürfte vielmehr sein, ob alternative Produkte und Zutaten geschmacklich überzeugen, zuverlässig verfügbar sind und wirtschaftlich eingesetzt werden können.
Genau diese Verbindung von Nachhaltigkeit, Alltagstauglichkeit und Bezahlbarkeit rückt die Studie in den Mittelpunkt.
Gäste wollen gesund essen – aber ohne Verzicht
Auch beim Thema Gesundheit verändern sich die Erwartungen. Ernährung wird laut Studie zunehmend als Teil der persönlichen Vorsorge verstanden. 67 Prozent sagen bereits heute: „Ich sollte mich gesünder ernähren.“ Gleichzeitig fehlt 40 Prozent häufig die Zeit, sich so zu ernähren, wie sie es eigentlich möchten.
Für die Gastronomie könnte daraus ein Spannungsfeld entstehen: Gesundheit und Genuss müssen zusammen gedacht werden. Denn trotz des wachsenden Interesses an Prävention bleibt Essen für die Befragten vor allem eine Frage der Lebensqualität. 92 Prozent bezeichnen Essen als wichtige Quelle von Genuss, 81 Prozent essen am liebsten gemeinsam mit anderen.
KI könnte auch am Tisch mitentscheiden
Eine weitere Entwicklung dürfte Hoteliers und Gastronomen ebenfalls beschäftigen: die zunehmende Rolle Künstlicher Intelligenz. 46 Prozent der Befragten können sich vorstellen, KI künftig als persönlichen Ernährungsberater einzusetzen. 34 Prozent nutzen sie bereits heute bei Kaufentscheidungen. Digitale Systeme könnten künftig Gesundheitsdaten auswerten, Empfehlungen geben und Einkäufe vorbereiten oder übernehmen.
„Im digitalen Zeitalter sind allgemeine Ernährungstipps, die für alle gleich sind, oft zu ungenau oder unpassend. Deshalb wird personalisierte Ernährung immer wichtiger, weil sie auf die individuellen Bedürfnisse jedes Einzelnen eingeht und so viel besser hilft.“
Das könnte langfristig auch verändern, wie Gäste Restaurants, Hotels und gastronomische Angebote auswählen. Gleichzeitig zeigt die Studie Grenzen der Technologie auf: 40 Prozent befürchten Kontrollverlust und Fremdbestimmung durch KI. Transparenz, Datensicherheit und Wahlfreiheit bleiben damit wichtige Voraussetzungen.
Die Speisekarte der Zukunft bleibt eine Genussfrage
Bei allen Veränderungen bleibt eine Konstante: Essen soll Freude machen. 78 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass es auch 2040 gut schmecken muss. Die fünf von Nestlé entwickelten Zukunftsbilder reichen deshalb von „Genuss & Gemeinschaft“ über „Preventive Health“ und „Klimarealismus“ bis zu „Seamless Convenience“ und „Bio-Hacking“.
Für die Gastronomie lässt sich daraus vor allem eines mitnehmen: Die Gäste der Zukunft werden ihre Erwartungen an Essen nicht auf einen einzigen Trend reduzieren. Sie wollen Gesundheit, Nachhaltigkeit und Bequemlichkeit – aber eben auch Geschmack und das Erlebnis, gemeinsam zu essen.