Crumble statt Eis
Warme Früchte, knusprige Streusel und cremige Soße – Crumble ist ein traditionelles britisches Dessert, das derzeit neue Aufmerksamkeit erhält. In sozialen Netzwerken verbreiten sich kreative Varianten, bei denen klassische Rezepte modern interpretiert und optisch ansprechend in Szene gesetzt werden.
Auch in der Gastronomie entstanden daraus bereits neue Konzepte: In London etwa serviert Humble Crumble als vermeintlich weltweit erste „Crumble-Bäckerei“ überhaupt bereits seit 2020 frisch zubereitete warme Frucht-Crumble-Becher mit Extras. Auf Social Media wurde der Desserttrends millionenfach geklickt.
Das Prinzip ist einfach: Fruchtige und knusprige Komponenten treffen auf cremige Toppings. Serviert im Becher wird aus dem klassischen Ofendessert ein unkompliziertes Streetfood-Angebot, das sich auch für den Verzehr unterwegs eignet.
Für Gastronomen liegt darin eine Chance. Denn ein Dessert muss nicht komplett neu erfunden werden, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Oft reicht es, bekannte Zutaten neu zu kombinieren, das Produkt individuell gestaltbar zu machen und es visuell ansprechend zu präsentieren.
Ein Beispiel: Im Savoy Grill by Gordon Ramsay serviert der Starkoch seinen „Sticky Toffee Pudding“ mit Honig-Eiscreme, inspiriert von dem Dessert seiner Mutter aus Kindheitstagen. Als Nächstes kommen ein Apfel-Brombeer-Cobbler sowie eine „Mont Blanc“-Pavlova auf seine Speisekarte.
Vom Wintergeschäft zum Pop-up-Konzept
Wie sich der Trend in ein Geschäftskonzept übersetzen lässt, zeigt der österreichische Eis-Greissler. Das Unternehmen von Andrea und Georg Blochberger verzichtet in diesem Winter auf die übliche Winterpause und bringt unter der Marke „Krumble by Eis-Greissler“ ein warmes Dessertangebot auf den Markt.
Ab dem 24. Oktober 2026 werden dafür drei Pop-up-Stores in Wien eröffnet. Weitere Standorte befinden sich in Linz, Salzburg, Graz und Klagenfurt. Die temporären Geschäfte sollen bis Ende Februar 2027 geöffnet bleiben.
Damit nutzt das Unternehmen die Wintersaison für ein Produkt, das unabhängig von sommerlichen Temperaturen funktionieren soll. Statt ausschließlich auf Eis zu setzen, rückt ein warmes Dessert in den Mittelpunkt. Das kann insbesondere für Betriebe interessant sein, deren Angebot stark von einer Jahreszeit oder bestimmten Wetterbedingungen abhängt.
Baukastenprinzip bringt Abwechslung
Das Konzept setzt auf individuelle Kombinationen. Als Grundlage dienen Fruchtsoßen in den Sorten Apfel, Zwetschkenröster, Marille oder Waldbeere. Hinzu kommen helle oder dunkle Streusel sowie Vanillesauce. Verschiedene Toppings – darunter Crème brûlée, flambiertes Baiser, Haselnusskrokant und bunte Streusel – ergänzen das Angebot.
Der Vorteil eines solch modularen Aufbaus für Gastros: Eine überschaubare Zahl an Grundkomponenten ermöglicht unterschiedliche Kombinationen. Gleichzeitig lässt sich das Angebot über saisonale Zutaten, wechselnde Toppings oder besondere Aktionsvarianten regelmäßig erneuern.
Entscheidend ist allerdings, dass die Auswahl zum Betrieb passt und die zusätzlichen Komponenten wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden. Ein viraler Foodtrend allein garantiert noch keine rentable Nachfrage.
Was Gastronomen vom Crumble-Hype lernen können
Der Crumble-Trend zeigt, wie sich ein vertrautes Dessert durch eine neue Präsentation und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten vermarkten lässt. Gerade für Cafés, Bäckereien, Restaurants und Hotels können solche Ideen Impulse für die Dessertkarte, das To-go-Geschäft oder saisonale Aktionen liefern.
Dabei müssen Gastgeber nicht unbedingt ein eigenes Pop-up eröffnen. Der entscheidende Punkt ist die Verbindung aus Produkt und Inszenierung: Ein Dessert, das beim Zubereiten, Schichten oder Verfeinern visuell überzeugt, bietet zugleich Ansatzpunkte für die digitale Kommunikation. Dass Social Media die Verbreitung neuer Dessertideen beschleunigen kann, zeigen auch andere virale Back- und Süßwarentrends.
Ob sich der Hype langfristig hält, bleibt offen. Für Gastronomen kann es sich dennoch lohnen, solche Entwicklungen zu beobachten und zu prüfen, welche Ideen sich mit überschaubarem Aufwand in das eigene Konzept integrieren lassen.
(Clementine Com/Humble Crumble/The Times/KAGI)