Lunch in my city: Wie KI Gastronomen sichtbarer macht
Wo gibt es heute Mittag etwas Gutes zu essen? Auf TikTok überlassen Nutzer die Antwort derzeit einem einfachen Prinzip: Sie geben „Lunch in my city“ zusammen mit dem Namen ihrer Stadt in die Suchleiste ein und besuchen das Restaurant, Café oder den Imbiss aus dem ersten angezeigten Video.
Anschließend wird häufig selbst gefilmt: vom Besuch über die Bestellung bis zum ersten Bissen. Das eigene Video wird wiederum auf TikTok veröffentlicht und kann so weitere Nutzer auf das Lokal aufmerksam machen. Aus einer spontanen Entscheidung wird damit neuer Content, der den Trend weiterträgt.
Anders als bei klassischen Restaurantempfehlungen steht dabei nicht unbedingt das bestbewertete oder bekannteste Lokal im Mittelpunkt. Die Idee lebt vielmehr davon, sich auf einen unbekannten Vorschlag einzulassen und neue Adressen zu entdecken.
„Gäste suchen nicht mehr nach einem Namen, sie suchen nach einer Situation“, sagt Claudia Mönnig, die seit 2020 eine Social-Media-Agentur in Berlin führt. Der Trend zeige, wie schnell aus einer Suche eine konkrete Restaurantentscheidung werde. Neben den Empfehlungen auf Plattformen wie TikTok und Instagram könnten zunehmend auch KI-Assistenten eine Rolle spielen, die Informationen aus Bewertungen, Beiträgen und Videos zusammenführen.
Chance für kleine und inhabergeführte Restaurants
Für Gastronomen ist der Trend vor allem deshalb interessant, weil er Aufmerksamkeit für Betriebe schaffen kann, die in der lokalen Gastronomieszene bislang weniger präsent sind. Ein authentisches Video über ein Gericht, ein besonderes Angebot oder einen Restaurantbesuch kann potenzielle Gäste erreichen, ohne dass der Betrieb selbst eine große Kampagne aufsetzen muss.
Wie stark solche Inhalte die Restaurantwahl beeinflussen können, deutet auch eine von Food & Wine zitierte US-Umfrage der Marketingagentur MGH an: Demnach haben 58 Prozent der befragten TikTok-Nutzer bereits ein Restaurant besucht, nachdem sie es auf der Plattform gesehen hatten. Die Hälfte der Befragten bezeichnete TikTok als einen wichtigen Einfluss auf ihre Restaurantentscheidungen. Die Angaben beziehen sich auf den US-Markt und lassen sich nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragen.
Niemand muss „Lunch in my city" nachdrehen. Man muss nur gefunden werden, wenn jemand anders es tut.
Allerdings ist der erste Treffer bei TikTok kein verlässliches Gütesiegel. Welche Videos Nutzern angezeigt werden, kann variieren. Zudem können ältere Beiträge Restaurants empfehlen, deren Angebote sich inzwischen geändert haben oder die nicht mehr geöffnet sind. Auch ein reichweitenstarkes Video garantiert deshalb weder dauerhaft neue Gäste noch zusätzliche Umsätze.
Mit KI die digitale Sichtbarkeit verbessern
Gastronomen müssen laut Mönnig den Trend nicht selbst nachspielen, um davon zu profitieren. Entscheidend ist vielmehr, bei der digitalen Suche nach einem passenden Restaurant auffindbar zu sein. Dazu gehören aktuelle Inhalte mit Ortsangaben, Informationen zu Gerichten und Preisen sowie ein gepflegtes Unternehmensprofil bei Google.
Mönnig sieht hier konkrete Einsatzmöglichkeiten für Künstliche Intelligenz. „Genau diese Arbeit kann KI heute übernehmen: aus einem Handyvideo vom Pass ein geschnittenes Reel, aus einer Sprachnachricht des Kochs die Texte für die Woche.“ So könnten Betriebe ihre Social-Media-Kanäle regelmäßig bespielen, ohne dafür ständig neue Inhalte aufwendig produzieren zu müssen.
Auch das Beantworten von Bewertungen und die Aktualisierung digitaler Informationen gehören zu den Aufgaben, bei denen digitale Werkzeuge unterstützen können. Voraussetzung ist, dass die Ergebnisse geprüft werden und die Kommunikation zum jeweiligen Betrieb passt.
Authentizität bleibt entscheidend
Trotz aller technischen Möglichkeiten sollte die eigene Handschrift nicht verloren gehen. „Was man nicht abgibt: das Gesicht hinter dem Tresen und den Satz, den nur der Wirt so sagen würde“, betont Mönnig. KI-generierte Texte und Videos müssten zur Persönlichkeit des Betriebs passen, statt austauschbare Inhalte zu produzieren.
Für Gastronomen bedeutet das: Nicht jeder Trend muss mitgemacht werden. Sinnvoller ist es, die eigenen digitalen Kanäle konsequent zu pflegen, authentische Einblicke in Küche und Service zu geben und KI dort einzusetzen, wo sie tatsächlich Zeit spart.
Der Trend „Lunch in my city“ verdeutlicht damit, wie Social Media die Suche nach gastronomischen Angeboten verändert. Wer online mit aktuellen und glaubwürdigen Informationen präsent ist, kann die Chance erhöhen, von potenziellen Gästen entdeckt zu werden. Garantieren lässt sich ein Platz im ersten Suchtreffer jedoch nicht.
(Food & Wine/KAGI)