Neue Studie

Auswirkung eines Geschenks auf das Trinkgeld

Kellner bezahlen
Eine Fresenius-Studie untersucht erstmals den Effekt von Gratisgetränken in der Gastronomie auf die Höhe des Trinkgelds für das Servicepersonal. (©Ariel Skelley/Blend Images LLC via Getty Images)
In einer experimentellen Studie haben Mitarbeiter der Hochschule Fresenius in Hamburg, erstmals den Effekt von Gratisgetränken in der Gastronomie auf die Höhe des Trinkgelds für das Servicepersonal untersucht. Dazu wurden zwei Experimente mit insgesamt 640 Tischgesellschaften in einem griechischen und einem deutschen Restaurant durchgeführt. 
Dienstag, 29.06.2021, 11:20 Uhr, Autor: Karoline Giokas

In Deutschland ist es üblich, die Rechnung direkt bei dem zuständigen Kellner zu bezahlen. In der Regel geben Gäste fünf bis zehn Prozent Trinkgeld. Ob und wie Kellner die Höhe ihres Trinkgeldes mit dem Ausgeben eines Gratisgetränkes beeinflussen können, haben die beiden Forscher in zwei Experimenten analysiert. Ihrer Untersuchung liegt die These der Reziprozität zugrunde, der zu Folge jeder Empfänger einer Gefälligkeit unter dem Druck steht, diese zu erwidern.

„Noch ein Ouzo aufs Haus?“

Das erste Experiment wurde in einem griechischen Restaurant durchgeführt. In der Versuchsanordnung boten die Kellner insgesamt 403 Gastgruppen bzw. Tischgesellschaften entweder während des Essens, gleichzeitig mit der Rechnung oder als Kontrollgruppe erst nach dem Bezahlen einen kostenlosen Ouzo an. Da es in vielen griechischen Restaurants üblich ist, einen Ouzo spendiert zu bekommen, führte das Forscherteam ein weiteres Experiment in einem deutschen Restaurant mit einem ähnlichen Forschungsdesign durch. Hier erhielten 121 Gäste ein Gratisgetränk während des Essens und 116 zusammen mit der Rechnung.

Gratisgetränk erhöht Trinkgeld

Die Ergebnisse zeigen, dass Kunden das Geschenk großzügig erwidern, indem sie das Trinkgeld signifikant erhöhen. „Dieser Effekt ist besonders stark, wenn das Getränk mit der Rechnung gebracht wird, da sich die Gäste mutmaßlich besonders stark verpflichtet fühlen, sich mit einem großzügigen Trinkgeld zu revanchieren“, erklärt Hilkenmeier. „Das Servicepersonal kann folglich durch einen geschickten Einsatz eines Gratisgetränks seine Trinkgelder erheblich und mühelos erhöhen, indem es die Norm der Reziprozität ausnutzt.“

„Interessant wäre es, in zukünftigen empirischen Untersuchungen auch die langfristigen ökonomischen Effekte von Geschenken auf Restaurants als Ganzes zu untersuchen, also ob die Kunden dadurch häufiger wiederkommen“, ordnet Hoffmann die Ergebnisse ein.

(ots/Hochschule Fresenius/KG)

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