Kriminalität

Kreuzberger Restaurant „Vertikal“ wird von Vermummten angegriffen

Handschuh und Pflasterstein
Linksradikale Gewalttäter griffen das Restaurant „Vertikal“ im Berliner Stadtteil Kreuzberg an. (© VRD / fotolia)
Maskierte Vandalen haben einen Anschlag auf das Restaurant „Vertikal“ im Berliner Multi-Kulti-Stadtteil Kreuzberg verübt. Flugblätter am Tatort geben Hinweis auf die Motivation der Täter.
Freitag, 03.03.2017, 10:08 Uhr, Autor: Felix Lauther

Die Aufklärung zu diesem Angriff auf das Kreuzberger Restaurant „Vertikal“ übernimmt der Staatsschutz. Am 2. März gegen 22:30 Uhr wurde der Betrieb von Gastronomin Claire D’Orsay von „etwa 15 dunkel gekleideten Maskierten“ attackiert. Die Randalierer zerschlugen insgesamt elf Scheiben des Lokals in der Reichenberger Straße, wie es im Polizeibericht heißt. Drei Angestellte, die sich noch im Laden befanden, wurden glücklicherweise nicht verletzt. Brisant: Am Tatort hinterließen die vermummten Angreifer „gentrifizierungskritische“ Flugblätter. Das heißt, dass die Schriften den sozioökonomischen Wandel im Stadtviertel anprangern. Bereits einige Tage zuvor wurde das „Vertikal“ mit Schmierereien beschmutzt, wie Claire D’Orsay berichtet. Die Gastronomin stammt aus den USA. „Ausländer Bonzen raus“ soll dort geschrieben worden sein, wie sie dem Berliner Tagesspiegel sagt. Die Bäckerei „Filou“ befindet sich neben dem „Vertikal“. Gegen die Schließung des Ladens gab es nach Angaben des Tagesspiegels im Kiez viele Proteste. Dass hinter dem Angriff auf ihr Lokal eine linksautonome Gesinnung steckt, scheint sich abzuzeichnen. D’Orsay betont aber: „Wir sind kein Schicki-Micki-Lokal.“

Auch in Hamburg wurde ein Betrieb aus dem Gastgewerbe zur Zielscheibe von Vandalen: In Hamburg griffen Linksradikale letzte Woche das Hotel „Pyjama Park“ an (HOGAPAGE berichtete).

Schreiben im Internet aufgetaucht

Auf einer linksextremistischen Seite im Internet veröffentlichten die Täter nun eine Stellungnahme zu ihrem Vandalismus, der vom Staatsschutz verfolgt wird: „Wir haben uns dazu entschlossen gemeinsam aktiv zu werden und haben am Abend des 01.03.17 das Restaurant ‚Vertikal‘ in der Reichenberger Str. im offenen Betrieb entglast. Das Restaurant ist derzeit ein Faktor, an dem sich die Verdrängung in Kreuzberg aufzeigen lässt und ist durch ihre Expansionspläne direkt für das Ende des ‚Cafe Filou‘ mitverantwortlich.“

Gastronomin Claire D´Orsay antwortet auf Facebook

Auf ihrer Facebookseite erklärt Gastronomin Claire D’Orsay: „Gestern Abend wurde auf unsere Fenster gespuckt (wie jeden Tag) und ich wurde auf der Straße angegriffen und musste die Polizei rufen. Ich werde jeden Tag von Fremden auf meiner privaten Facebook Seite attackiert, ebenso wie meine Mitarbeiter. Heute Morgen dann das Graffiti unten. Das geht jetzt zu weit. Ist das Multi-Kulti Berlin?! Hier wird keinem Investor geschadet, sondern einem Team von jungen Leuten aus ganzer Welt. Wir sind hier- aus Frankreich, El Salvador, Italien, England, Syrien, Venezuela, Holland, Belgien und Deutschland. Uns wollt Ihr raus haben?“

Am 1. März gab das Restaurant übrigens kostenlos Suppe an die Anwohner und Passanten aus. (Tagesspiegel / FL)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Zwei Mitarbeiter stehen lächelnd hinter der Theke eines Cafés und tragen Schürzen; im Hintergrund sind Kaffeemaschine und Gläserregal zu sehen.
Nachwuchs
Nachwuchs

Generation Alpha: Die Zukunft im Gastgewerbe

Die jüngste Generation wächst als echte Digital Natives auf und wird die Arbeitswelt in Hotellerie und Gastronomie umkrempeln. Unternehmen steht ein Wertewandel mit neuen Erwartungen bevor.
Kellner beim Abkassieren
Stabilisierung
Stabilisierung

7-%-Mehrwertsteuer: Warum der Dehoga nicht mit Preissenkungen rechnet

Der Bundesrat hat den Weg frei gemacht für eine Mehrwertsteuersenkung auf Speisen in Gaststätten. Doch Gäste werden wohl nur bedingt von der Steuersenkung profitieren. Der Dehoga Mecklenburg-Vorpommern erklärt, warum. 
Jahreswechsel 2025 auf 2026
Reformen
Reformen

Mehrwertsteuer, Mindestlohn, Minijobs – das ändert sich 2026

Das Jahr 2026 bringt einige neue gesetzliche Regelungen und Änderungen mit sich, die auch das Gastgewerbe betreffen. Ein Überblick, was auf die Branche zukommt.
Franziska Giffey
Entbürokratisierung
Entbürokratisierung

Berlin plant für 2026 ein eigenes Gaststättengesetz

Mehr Tempo, weniger Bürokratie: Berlin will die Gründung von Gaststätten erleichtern. Der Senat setzt dabei auf Digitalisierung und neue Regeln für Außengastronomie.
„7 statt 19!“-Petition
Kommentar
Kommentar

7 Prozent – ein überfälliger Schritt. Und ein mühsamer Weg dorthin.

Die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen ist beschlossen. Für die Gastronomie ist das ein wichtiger Schritt – und das Ende eines langen, mühsamen Weges. Denn die Forderung nach sieben Prozent ist nicht neu. Auch HOGAPAGE hat sie bereits vor über zehn Jahren erhoben.
Markus Suchert
Statement
Statement

7-%-Mehrwertsteuer: „Ein starkes Signal für Beschäftigung, Vielfalt und Wachstum“

Die 7 % kommt! Der Bundesrat hat die dauerhafte Umsatzsteuersenkung auf Speisen in der Gastronomie beschlossen. Der Bundesverband der Systemgastronomie e.V. (BdS) begrüßt die Zustimmung. 
Bundesrat
Beschluss
Beschluss

7-%-Mehrwertsteuer für die Gastronomie beschlossen!

Erleichterung für die Branche: Der Bundesrat hat heute für die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie gestimmt. Ab dem 1. Januar 2026 gilt damit wieder der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent.
Kentucky Fried Chicken (KFC)
Eröffnung
Eröffnung

KFC eröffnet ersten Standort in Emden

Kentucky Fried Chicken (KFC) setzt seine Expansion in Deutschland fort. In exponierter Lage auf der Route zu den Ostfriesischen Inseln eröffnet die amerikanische Kultmarke ihr erstes Restaurant in Emden.
Kellner kassiert Gäste ab
Umfrage
Umfrage

7 statt 19 %: Warum die Steuersenkung in der Gastro nicht zu günstigeren Restaurantpreisen führt

Die geplante Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie sorgt in der Branche für Erleichterung – schafft aber kaum Spielraum für Preissenkungen. Warum Gastronomen vor allem auf Preisstabilität setzen.