„Gastro schafft Vielfalt und ist Kulturgut“
Die Gastronomie lebt davon, Menschen zusammenzubringen. Doch zwischen Restaurantkonzepten, wirtschaftlichem Druck und dem täglichen Kampf um Gäste bleibt im Betriebsalltag oft wenig Zeit für Austausch über die eigenen Unternehmensgrenzen hinaus.
Genau hier setzt die Gastronation an, die am 26. Oktober 2026 erstmals in der Hamburger Georg-Elser-Halle stattfand. Mehr als 1.500 Gäste kamen auf Einladung von Initiator Kemal Üres zusammen, um Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen zu teilen und über die Zukunft der Branche zu sprechen.
Die Veranstaltung setzte dabei auf eine Botschaft, die über die übliche Forderung nach mehr Wertschätzung hinausgeht: Die Gastronomie soll nicht nur von außen als wichtiger Teil der Gesellschaft wahrgenommen werden, sondern auch intern stärker zusammenrücken.
„Ich sehe keine Konkurrenten“
Wie das aussehen kann, beschrieb Gastronomieunternehmer Lukas Podolski bei der Veranstaltung. „Ich sehe in dieser Branche keine Konkurrenten, das sind für mich alles Freunde“, sagte der frühere Fußballnationalspieler. Jeder versuche auf seine eigene Art, etwas aufzubauen. Umso wichtiger sei es, voneinander zu lernen und Erfahrungen weiterzugeben.
Podolskis Aussage trifft einen Punkt, der für viele Gastgeber im Alltag relevant ist. Der Wettbewerb um Gäste gehört zum Geschäft. Gleichzeitig können der Austausch mit Kollegen, gemeinsame Ideen und persönliche Netzwerke helfen, Herausforderungen besser zu bewältigen. Eine Plattform wie die Gastronation will dafür Raum schaffen – unabhängig davon, ob die Teilnehmer ähnliche Konzepte verfolgen oder aus unterschiedlichen gastronomischen Bereichen kommen.
Auch Rapper Felix Blume, bekannt als Kollegah, betonte den Gedanken der Gemeinschaft. Es gehe darum, dass nicht jeder sein eigenes Süppchen koche, sondern die Branche gemeinsam stärker werde. Er überraschte die Gäste zudem mit selbstgemalten Porträts von Podolski und Schauspieler Frederick Lau.
Gastronomie verbindet – auch jenseits des eigenen Betriebs
Dass die Bedeutung der Gastronomie über das Geschäftliche hinausgeht, hob Bundespräsident a. D. Christian Wulff hervor. „Demokratie braucht Orte der Begegnung – und die stellen vor allem Gastronomen zur Verfügung“, sagte er. In Restaurants, Cafés und Kneipen träfen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen aufeinander. Diesen direkten Austausch könne die Anonymität sozialer Netzwerke nicht ersetzen.

Die Gastroszene ist riesig, die Menschen lieben gutes Essen und der Kuchen ist groß genug für alle. Genau deshalb braucht die Branche eine Plattform wie die die Gastronation, um direkt miteinander ins Gespräch zu kommen.
Damit rückt eine Leistung in den Mittelpunkt, die sich kaum in Umsätzen oder Auslastungszahlen messen lässt. Gastronomiebetriebe schaffen Orte, an denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen, gemeinsame Erlebnisse teilen und gesellschaftliches Miteinander entsteht. Gerade in Zeiten, in denen wirtschaftliche Kennzahlen und betriebliche Belastungen den Alltag prägen, ist dieser Aspekt für die öffentliche Wahrnehmung der Branche relevant.
Zwischen Wertschätzung und wirtschaftlichem Druck
Die Gastronation will der Gastronomie eine Bühne geben, auf der sie sich nicht nur mit ihren Problemen, sondern auch mit ihren Leistungen und Perspektiven zeigen kann. Denn steigende Kosten, Bürokratie, Personalengpässe und lange Arbeitszeiten gehören für viele Betriebe weiterhin zu den großen Herausforderungen.
Initiator Kemal Üres, der als „Gastroflüsterer“ in den sozialen Netzwerken einem breiten Publikum bekannt ist, sieht deshalb einen besonderen Wert im persönlichen Austausch. „Die Gastronation ist der Feiertag für die Gastronomie“, sagte er. Die Veranstaltung solle ein authentischer und familiärer Ort auf Augenhöhe sein, an dem die Branche spüre, was sie verbinde.
Die Premiere brachte neben Gastronomen auch Menschen aus Unterhaltung, Sport und Wirtschaft zusammen. Schauspieler Frederick Lau, der selbst mit einem veganen Dönerkonzept gastronomisch tätig ist, bezeichnete das Treffen als große Inspiration. Rapper Eko Fresh hob hervor, dass hier Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und aus verschiedenen Branchen zusammenkämen.
Aus einem Treffen muss mehr werden
Die Premiere der Gastronation zeigt, dass der Wunsch nach Vernetzung und Austausch auf Resonanz stößt. Ob daraus langfristig ein fester Treffpunkt für die Branche entsteht, wird sich allerdings erst zeigen. Entscheidend dürfte sein, ob die Begegnungen über die Veranstaltung hinaus Wirkung entfalten – etwa durch neue Kooperationen, geteiltes Wissen oder gegenseitige Unterstützung im Geschäftsalltag.
Denn Zusammenhalt bedeutet nicht, dass Gastronomen auf Wettbewerb verzichten müssen. Er kann vielmehr dazu beitragen, Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und die Bedeutung der eigenen Branche gemeinsam sichtbarer zu machen. Die Botschaft des Treffens ist damit größer als ein einzelner Veranstaltungstag: Wer tagtäglich Orte für Begegnung schafft, kann auch selbst davon profitieren, wenn er den Austausch untereinander stärkt.
(Gastronation/KAGI)