Warnsignal

15 Prozent mehr Unternehmensschließungen in der Gastwelt

Dr. Marcel Klinge
DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge fordert bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die Gastwelt, um die hohen Insolvenzzahlen wieder zu senken. (Foto: © DZG)
Die Unternehmensschließungen im Gastgewerbe sind 2025 deutlich gestiegen. Für 2026 zeigen sich zwar erste positive Signale – die DZG sieht darin aber noch keine Trendwende und fordert bessere Rahmenbedingungen.
Donnerstag, 27.08.2026, 15:21 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Die Zahl der Unternehmensschließungen im Gastwelt-Sektor Hospitality ist im abgelaufenen Jahr deutlich gestiegen. Rund 15.000 Unternehmen stellten ihre Geschäftstätigkeit in 2025 ein – 15 Prozent mehr als im Vorjahresvergleich.

Das geht aus einer aktuellen Untersuchung von Creditreform und dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hervor, die nun veröffentlicht wurde. Damit verzeichnet das Gastgewerbe unter den untersuchten Wirtschaftsbereichen den stärksten Anstieg.

Die DZG sieht in der Entwicklung ein Warnsignal und fordert von der Bundespolitik neue Entlastungsmaßnahmen. Dazu hat die Denkfabrik kürzlich ein Elf-Punkte-Wachstumspapier vorgelegt.

Nicht jede Schließung ist eine Insolvenz

„Ganze 15 Prozent mehr Unternehmensschließungen innerhalb eines Jahres sind ein deutliches Warnsignal“, erklärt DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge. „Wir verlieren damit – vor allem im ländlichen Raum – wirtschaftliche Substanz, die sich nicht einfach wieder aufbauen lässt. Das trifft Arbeitsplätze, Innenstädte, Ortskerne und Tourismusregionen in allen Ecken Deutschlands.“

Besonders auffällig sei, dass über alle untersuchten Wirtschaftsbereiche hinweg 13,4 Prozent der für 2025 erfassten Unternehmensschließungen auf „klassische“ Insolvenzfälle entfielen. Jedoch stellt die Untersuchung auch fest, dass in den Jahren 2024 und 2025 vermehrt Betriebe mit mittlerer oder guter Bonität ihre Geschäftstätigkeit eingestellt haben. Als mögliche Gründe nennt die Analyse vor allem hohe Energie- und Personalkosten, Arbeits- und Fachkräftemangel sowie fehlende Nachfolgeperspektiven.

„Fakt ist also, dass nicht nur immer mehr Betriebe pleite gehen, sondern dass die Unternehmer dahinter immer öfter einfach ganz aufgeben“, betont Klinge. „Hier muss die Politik jetzt gezielt gegensteuern, bevor weitere Gastwelt-Stukturen wegbrechen.“

Amtliche Gewerbedaten zeigen seit 2020 einen negativen Dauersaldo

Auch die amtliche Gewerbeanzeigenstatistik des Statistischen Bundesamtes zeigt über einen längeren Zeitraum eine negative Entwicklung: Von 2020 bis einschließlich Juni 2026 wurden im Bereich Hospitality (Gastgewerbe) 206.301 Gewerbe neu gegründet und 223.336 vollständig aufgegeben.

Unter dem Strich ergibt sich ein negativer Saldo von 17.035. Besonders betroffen ist die Gastronomie mit einem Minus von 16.675, das sind pro Jahr im Schnitt über 2600 Betriebe, die netto vom Markt verschwinden.

Erste Erholungssignale noch keine Trendwende

Für das erste Halbjahr 2026 zeigt sich ein vorsichtig positives Bild: 19.273 Neugründungen standen 18.259 vollständigen Gewerbeaufgaben gegenüber. Damit ergibt sich ein positiver Saldo von 1.014. Ob daraus eine dauerhafte Trendwende entsteht, lässt sich nach sechs Monaten jedoch noch nicht beurteilen.

„Die ersten Gründungszahlen für 2026 machen auf jeden Fall Mut. Eine echte Trendwende haben wir aber erst, wenn neue Unternehmen dauerhaft am Markt bestehen und zugleich weniger bestehende Betriebe aufgegeben werden“, betont der ehemalige Bundestagsabgeordnete. "Dafür brauchen wir bessere Rahmenbedingungen für die Gastwelt – vom Bürokratieabbau über bezahlbare Energie bis zu besseren Bedingungen für Investitionen und Nachfolgen. Konkrete Vorschläge haben wir kürzlich in unserem 11-Punkte-Programm vorgelegt und werden dafür nach dem Ende der Sommerpause intensiv an möglichst vielen Stellen im Parlament und in der Bundesregierung werben."

(DZG/SAKL)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Dr. Marcel Klinge
Gastwelt-Pakt
Gastwelt-Pakt

Denkfabrik fordert Schulterschluss der Gastwelt zur Bundestagswahl

Der Wahlkampf zur vorgezogenen Bundestagswahl wird intensiv, aber auch kurz und von großen Krisenthemen geprägt sein – das befürchtet die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG). Sie fordert deshalb einen „Gastwelt-Pakt“, um mit einer gemeinsamen Strategie Branchenthemen erfolgreich zu platzieren. 
Dr. Marcel Klinge
Warnung
Warnung

Neue Steuerschätzung: DZG warnt vor Risiken für die Gastwelt

Die neue Steuerschätzung des Bundes könnte laut Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) den Druck auf Tourismus, Hospitality und Gastronomie erhöhen. Die DZG fordert daher eine aktive Beteiligung der Branche an der Steuerdebatte.
Dr. Marcel Klinge
Forderung
Forderung

DZG: Gastwelt soll eigenständiger Themenschwerpunkt in der neuen Tourismusstrategie werden

Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) drängt auf mehr Verbindlichkeit: Nur wenn die Gastwelt zum eigenen Themenschwerpunkt in der geplanten „Nationalen Tourismusstrategie“ wird, könnten Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Digitalisierung und KI wirksam angegangen werden.
Dr. Marcel Klinge
Warnung
Warnung

Denkfabrik fordert Inflationsausgleichsprämie zur Stabilisierung der Gastwelt

Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) schlägt Alarm: Die seit Monaten ansteigende Inflation bedroht das Fundament der gesamten Gastwelt. Um den Wirtschaftssektor Gastwelt zu stabilisieren, bringt die Denkfabrik eine neue Inflationsausgleichsprämie sowie umfassende Entlastungen für den Mittelstand ins Spiel.
Dr. Marcel Klinge
Elf-Punkte-Programm
Elf-Punkte-Programm

Raus aus der Dauer-Stagnation: DZG legt Wachstumsagenda vor

Deutschland steckt in der längsten Stagnationsphase seiner Geschichte. Vor diesem Hintergrund legt die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt ein Elf-Punkte-Programm vor, das die Branche als Wachstumstreiber stärken soll.
Torben Niemann (HKI), Carsten Bick (DZG), Lucas Krusius (VDFU), Dr. Marcel Klinge (DZG), Jürgen Gevers (VDFU), Homeira Amiri (DZG), Oliver Peters (DJH), Michael Buller (VIR), Frank Kienle (HKI) und Gunnar Borg (DJH)
Branchendialog
Branchendialog

Gastwelt macht Druck vor dem Reichstag

Bei der diesjährigen „Meet & Eat“-Aktion der DZG kamen über 300 Vertreter aus Parlament, Bundesregierung und Gastwelt zusammen. Im Mittelpunkt standen die Rentenreform, die Mehrwertsteuer sowie die Forderung nach verlässlicheren Rahmenbedingungen.
Dr. Marcel Klinge
Forderung
Forderung

DZG drängt zur schnelleren Arbeitszeitreform

Jeder Monat zählt: Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) fordert eine schnellere Reform der Arbeitszeitregelung. Aus Sicht der DZG brauchen Betriebe in Tourismus, Hospitality und Gastronomie bereits vor der Sommersaison 2026 mehr Flexibilität beim Personaleinsatz.
Olaf Philip Beck, Anja Lottmann und Rolf Westermann
Initiative
Initiative

Gastwelt bekommt „neue Gesichter“: DZG startet Botschafter-Format

Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) geht gleich zu Jahresbeginn neue Wege: Erstmals initiiert sie ein Botschafter-Format für die Gastwelt-Industrie. Ziel ist es, der Branche mehr Sichtbarkeit und eine stärkere Stimme in Politik und Öffentlichkeit zu geben.
Bundestag
Bewertung
Bewertung

7-%-Mehrwertsteuer und Bundeshaushalt 2026 – So bewertet das Gastgewerbe die neuen Beschlüsse

Der Bundeshaushalt für 2026 ist beschlossen, und auch das Steueränderungsgesetz hat im Bundestag grünes Licht bekommen. Damit rückt die Rückkehr zum reduzierten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent zum 1. Januar 2026 einen entscheidenden Schritt näher. Branchenverbände begrüßen die Beschlüsse, sehen aber auch einige Kritikpunkte am neuen Bundeshaushalt.