Frühjahrsgutachten

50 % Sozialabgaben? DZG fordert jetzt den Reform-Turbo

Dr. Marcel Klinge
DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge fordert nach dem Frühjahrsgutachten mehr Tempo bei Reformen für Mittelstand und Gastwelt. (Foto: © DZG)
Die Sozialabgaben könnten bis 2040 auf nahezu 50 Prozent steigen. Nach dem Frühjahrsgutachten der Wirtschaftsweisen fordert die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) deshalb schnellere Reformen und warnt vor wachsenden Belastungen für Unternehmen und Beschäftigte.
Freitag, 29.05.2026, 11:15 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Nach der Veröffentlichung des Frühjahrsgutachtens 2026 des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung fordert die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) von der schwarz-roten Bundesregierung eine deutlich ambitioniertere und schnellere Reformagenda für den Standort Deutschland. Die Wirtschaftsweisen warnen in ihrem jüngsten Gutachten vor dauerhaft hohen Energiepreisen, schwachem Wachstum, steigenden Sozialabgaben und einer zunehmenden Belastung von Unternehmen und Beschäftigten.

Als besonders alarmierend bewertet die DZG die Prognose zur Entwicklung der Sozialversicherungsbeiträge. Der Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz soll laut Gutachten von heute 42,3 Prozent bis 2030 auf 45,4 Prozent und bis 2040 auf nahezu 50 Prozent steigen. Gleichzeitig rechnen die Wirtschaftsweisen für Deutschland lediglich mit einem Wachstum von 0,5 Prozent im Jahr 2026 und 0,8 Prozent im Jahr 2027.

„Das Gutachten ist ein Weckruf für die Bundesregierung“, sagt DZG-Vorstandsvorsitzender Dr. Marcel Klinge. "Deutschland steuert auf eine massive strukturelle Kostenkrise zu, und die Gastwelt, bestehend aus Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeit, steht dabei besonders unter Druck. Unser Dienstleistungssektor ist personalintensiv, mittelständisch geprägt und direkt von Kaufkraft, Mobilität und Konsum abhängig."

Weiter steigende Arbeitskosten werden zum Standortproblem

Die Denkfabrik fordert deshalb eine umfassende Reformbeschleunigung. Neben einer dauerhaften Entlastung bei Energie- und Arbeitskosten brauche Deutschland vor allem mehr wirtschaftliche Flexibilität, schnellere Verfahren und bessere Investitionsbedingungen.

Besonders dringlich sei aus Sicht der DZG die Reform des Arbeitszeitrechts. Die Denkfabrik fordert erneut, dass die geplante Arbeitszeitflexibilisierung noch vor der Sommerpause durch den Bundestag beschlossen wird. Starre tägliche Höchstarbeitszeiten passten nicht mehr zu den Realitäten einer modernen Dienstleistungsökonomie mit saisonalen und tagesabhängigen Nachfrageschwankungen.

„Die Gastwelt braucht endlich ein modernes Arbeitszeitrecht auf Basis der europäischen Wochenarbeitszeit-Richtlinie. Wer diese Reform weiter verschleppt, verschärft den Personalmangel und schwächt die Wettbewerbsfähigkeit eines ganzen Sektors“, so der ehemalige Bundestagsabgeordnete.

Fachkräfteverfahren müssen schneller werden

Darüber hinaus fordert die DZG eine deutlich schnellere Fachkräftezuwanderung. Visa- und Anerkennungsverfahren dauerten weiterhin zu lange und entwickelten sich zunehmend zu einem Wachstumshemmnis für Hotellerie, Gastronomie und Tourismus. Die Denkfabrik spricht sich deshalb unter anderem für ein konsequentes Work-Contract-Visum sowie vollständig digitalisierte Verfahren aus.

Auch bei Energie- und Logistikkosten sieht die DZG akuten politischen Handlungsbedarf. Der Sachverständigenrat weist ausdrücklich auf die Folgen hoher Energiepreise für Kaufkraft, Investitionen und Konsum hin. Gleichzeitig stiegen Transport- und Lieferkosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette weiter an.

„Deutschland braucht jetzt keine Klein-Klein-Debatten mehr, sondern eine ambitionierte Wachstumsagenda für Beschäftigung, Mittelstand und Dienstleistungswirtschaft“, erklärt Klinge. "Wer Wohlstand, regionale Entwicklung und gesellschaftlichen Zusammenhalt sichern will, muss jetzt entschlossen handeln."

(DZG/SAKL)

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