Handlungsempfehlungen

Bürokratieabbau im Gastgewerbe

Gruppenfoto vom Zusammentreffen beim Workshop mit Branchenvertretern und der Bayerischen Staatsregierung unter dem Namen Praxischeck im Herbst 2024
Zusammentreffen beim Workshop mit Branchenvertretern und der Bayerischen Staatsregierung unter dem Namen Praxischeck im Herbst 2024. Unter ihnen unter anderem Walter Nussel, Beauftragter für Bürokratieabbau der Bayerischen Staatsregierung, Dehoga Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer, die Vorsitzende des Fachbereichs Gastronomie des Dehoga Bayern Michael Schmitz-Guggenbichler sowie Dehoga Bayern-Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert. (Foto: © Dehoga Bayern)
Bürokratie kostet vor allem im Mittelstand Zeit, Geld und Nerven. Aus diesem Grund hat das Bundeswirtschaftsministerium nun konkrete Handlungsempfehlungen zum Bürokratieabbau im Gastgewerbe veröffentlicht – als Ergebnis eines Workshops mit Branchenvertreten.
Donnerstag, 24.07.2025, 12:50 Uhr, Autor: Sarah Hoffmann

Die Bundesregierung will bereits bestehende Spielräume besser nutzen und Kontrollen bundesweit vereinheitlichen, um Bürokratie im Gastgewerbe abzubauen. Künftig sollen manche Dokumentationen erst bei konkreten Mängeln notwendig sein und EU-Vorgaben nicht übererfüllt werden.

Ergebnispapier des Bundeswirtschaftsministeriums

Das Bundeswirtschaftsministerium veröffentlichte acht konkrete Ergebnisse und Handlungsempfehlungen. Der Fokus liegt dabei unter anderem auf den Bereichen Lebensmittelhygiene und Allergenkennzeichnung sowie Arbeits-, Gesundheits- und Brandschutz.

Konkret schlägt das Wirtschaftsministerium unter anderem vor, dass Behörden bei der Lebensmittelhygiene von Betrieben keine Dokumentation der Kühltemperatur fordern, wenn keine oder nur geringfügige Mängel festgestellt wurden. Der Kontrolleur könne nach geltender Rechtslage schon jetzt vor Ort entscheiden, in welchen Fällen das vertretbar sei. 

Überblick über Handlungsempfehlungen

  1. Verzicht auf schriftliches HACCP-Konzept
  2. Verzicht auf fortlaufende Dokumentation (z. B. Wareneingangsprüfung)
  3. Allergenkennzeichnung: Berücksichtigung der besonderen Belastungen für kleine Betriebe mit täglich wechselnder oder saisonaler/regionaler Küche
  4. Handyfoto vom Lieferschein für die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln
  5. Kostenfreie Unterstützung bei der Gefährdungsbeurteilung für Kleinbetriebe
  6. Arbeitsmedizinische Vorsorgekatei: Erleichterung durch praxisbezogene Übersicht für Gastgewerbe
  7. Elektrische Anlagen und Betriebsmittel: Unternehmerische Eigenverantwortung bei der Verlängerung der Prüffristen
  8. Brandschutzanlagen: Vereinfachung der landesrechtlichen Prüfvorschriften

Das vollständige Papier findet sich auf der Homepage des Bundeswirtschaftsministeriums.

Praxischeck

Die Handlungsempfehlungen wurden im Rahmen eines Workshops mit Branchenvertretern und der Bayerischen Staatsregierung, unter anderem Walter Nussel als Beauftragter für Bürokratieabbau, unter dem Namen Praxischeck, der im Herbst 2024 stattfand, identifiziert.

Gitta Connemann, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie und die Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand dazu: „Bürokratie kostet Zeit, Geld und Nerven – besonders im Mittelstand. Der Praxischeck zum Gastgewerbe hat offengelegt, was schiefläuft: ein überbordendes Berichtswesen, Dokumentationspflichten ohne Mehrwert, ungenutzte Handlungsräume aus Sorge vor Verstößen. Kleinere Betriebe sind überproportional belastet. Der Praxischeck zeigt, wie Bürokratierückbau im Gastgewerbe konkret gelingen kann – direkt vor Ort, gemeinsam mit den Betrieben. Die Ergebnisse sind eine Blaupause für andere mittelständische Branchen und die Länder.“ 

„Dieser Spielraum sollte flächendeckend einheitlich genutzt werden“, fordert auch Dr. Christoph Ploß, Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft und Tourismus. „Restaurants, Gasthäuser, Bars und Kneipen sind Orte der Begegnung, der Lebensqualität und Gastfreundschaft. Damit das so bleibt, müssen sie sich wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Überflüssige Bürokratie muss weg“, so Ploß.

Sinkender Umsatz im Gastgewerbe

Das Gastgewerbe hat im Mai 2025 nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes kalender- und saisonbereinigt real (preisbereinigt) 4,6 Prozent weniger umgesetzt als im April 2025. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Mai 2024 sank der Umsatz real um 4,0 Prozent und stieg nominal um 0,8 Prozent. Konkret bedeutet das: Die Branche erlebt trotz vieler Feier- und Brückentagen den größten Umsatzeinbruch seit dreieinhalb Jahren.

Angela Inselkammer, Präsidentin des Dehoga Bayern, weist vor dem Hintergrund dieser Zahlen auf die Bedeutung der Branche hin, die auch durch den Abbau von Bürokratie erst langfristig Bestand haben kann: „Das Gastgewerbe ist Drehscheibe regionaler Wirtschaftsnetze, überall in Deutschland. Die Branche ist das Herzstück, das mit jedem Euro Umsatz frische Aufträge durch die Adern der regionalen Wirtschaft pumpt und somit Handwerk, Landwirtschaft und Dienstleistung mit lebenswichtigen Aufträgen versorgt. Schließt der Wirt oder auch Hotelier, brechen nicht nur hier Arbeitsplätze und Steuereinnahmen weg – es entsteht ein Dominoeffekt, der auch Lieferanten, Handwerker und andere Dienstleister trifft. Umgekehrt stärkt jeder florierende gastgewerbliche Betrieb die gesamte Region, schafft Kaufkraft und erhält lebendige Orte. Wir stellen damit weit mehr als nur einen Konsumraum dar – wir sind unverzichtbarer Wirtschaftsmotor mit echter Hebelwirkung.“ 

Und die Belastungen in der Branche steigen neben hohen Bürokratieauflagen auch durch Mindestlohnerhöhung, Energie- und Warenkosten immer weiter. Die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen in der Gastronomie ab Januar 2026 sei daher zwingend notwendig, um die Existenz der Betriebe und regionalen Wirtschaftskreisläufe zu sichern, sagt auch Dr. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Dehoga Bayern: „Die 7 Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen sind der entscheidende Booster: Sie geben Spielräume bei der Preispolitik und für Investitionen in Mitarbeiter, Modernisierung sowie Erhalt und Wachstum. Damit wir weiter regionale Wirtschaftskreisläufe beleben, ist die Mehrwertsteuerreduzierung auf Speisen entscheidend. Denn wo das Gastgewerbe stirbt, stirbt eine ganze Region.“

(Bundeswirtschaftsministerium/Dehoga Bayern/SAHO)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

John K. Tuwei, Director International Projects State Department TVET, Sebastian Groth, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Kenia, Samuel Waititu, Chief Principal, The Kiambu National Polytechnic (KINAP), Horst Bauernfeind, Projekt Manager, GIZ Kenia, Reem Alabali Radovan, Bundesministerin für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, Catherine Karanja, Geschäftsführerin Berufsbildung und Fachkräftesicherung, Horst Bauernfeind, Projekt Manager, GIZ Kenia, künftige Auszubildende.
Kenia-Projekt
Kenia-Projekt

Talent Gateway stärkt Ausbildung im Gastgewerbe

Reem Alabali Radovan, die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, hat sich in Kenia über das Projekt Talent Gateway informiert. Die Initiative verknüpft Nachwuchskräfte mit Ausbildungsplätzen in Deutschland und soll perspektivisch ausgeweitet werden.
Ulrike Scharf, Angela Inselkammer neben Frau Staatsministerin und Oliver Baumbach
Veranstaltung
Veranstaltung

15. Bayerischer Ausbildungsbotschafter-Tag der Hotellerie und Gastronomie

Am 18. März 2026 fand in Nürnberg der diesjährige Ausbildungsbotschafter-Tag des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Bayern statt. Unter dem Motto „Ausbildung für ein erfolgreiches Leben – Verantwortung, die wirkt!“ ging es um Ideen, wie man Talente gewinnen, begleiten und langfristig binden kann – und das über kulturelle und generationelle Grenzen hinweg.
Angela Inselkammer
Aufruf
Aufruf

Bayerisches Gastgewerbe unterstützt Münchens Olympiabewerbung

Soll München Austragungsort der Olympischen Spiele werden? Bald stimmen Münchens Bürger darüber ab, ob die Spiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044 in der Landeshauptstadt stattfinden sollen. Der Dehoga Bayern plädiert für ein „Ja“ – und sieht in den Spielen große Chancen für Stadt, Wirtschaft und Tourismus.
Dr. Thomas Geppert
Widerspruch
Widerspruch

Dehoga Bayern widerspricht NGG: „Gastgewerbe verzeichnet branchenübergreifend die wenigsten Überstunden“

Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern weist die Kritik der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hinsichtlich der Anhäufung von Überstunden im Landkreise Roth entschieden zurück.
Musikantenfreundliches Wirtshaus
Wirtshauskultur
Wirtshauskultur

Dehoga Bayern stärkt musikantenfreundliche Wirtshäuser

Volksmusik, Tanz und bayerische Wirtshauskultur sollen wieder stärker in den Fokus rücken: Mit der Aktion „Musikantenfreundliches Wirtshaus“ zeichnet der Dehoga Bayern Gaststätten aus, die Raum für lebendige Traditionen schaffen. 
2. Vizepräsident DEHOGA Bayern Andreas Brunner, Geschäftsführerin DEHOGA Bundesverband Jana Schimke, Luca Paolo Scimia (Fachmann für Restaurants- und Veranstaltungsgastronomie), Annabell König (Köchin), Monja Sayer (Hotelfachfrau), DEHOGA Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer, DEHOGA Bayern-Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert, Wettkampfleiter und Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses Hans Schneider
Auszeichnung
Auszeichnung

Bayerische Jugendmeister 2026 stehen fest

49 Nachwuchskräfte aus dem Gastgewerbe traten bei den Bayerischen Jugendmeisterschaften 2026 in der Münchner Allianz Arena gegeneinander an. Der Wettbewerb zeigte einmal mehr das hohe Ausbildungsniveau der Branche im Freistaat.
Arbeitsministerin Ulrike Scharf, Tourismusministerin Michaela Kaniber, Ministerpräsident Dr. Markus Söder, „Dehoga Bayern“-Präsidentin Angela Inselkammer, Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert, Präsidiumsmitglied Ralf Barthelmes, Vizepräsident Thomas Förster, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sowie Michaela Schmitz-Guggenbichler, Vorsitzende des Fachbereichs Gastronomie
Verbandstreffen
Verbandstreffen

GastroFrühling 2026: Dehoga Bayern fordert Entlastungen für die Branche

Etwa 2.500 Gäste des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Bayern kamen beim GastroFrühling 2026 zusammen. Im Hippodrom-Festzelt auf der Münchner Theresienwiese standen vor allem Forderungen nach Entlastungen, weniger Bürokratie und besseren Rahmenbedingungen für die Branche im Mittelpunkt.
Vorsitzender Klaus Lebbeck, Adalbert Lutz, Landrat Andreas Danzer, Rudi Rechl, Petra Danner und Franz Pöschl
Jahreshauptversammlung
Jahreshauptversammlung

Große Wertschätzung für die Tourismusbranche

Ausbildung, politische Rahmenbedingungen und Wertschätzung für die Tourismusbranche standen im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung der „Dehoga Bayern“-Kreisstelle Traunstein. Vertreter aus Politik und Tourismus hoben die zentrale Rolle der Branche für die Region hervor.
Vertreter der Fachgruppe Gastronomie
Gemeinsam Lösungen entwickeln
Gemeinsam Lösungen entwickeln

Dehoga Bayern setzt auf Austausch bei der Fachbereichsversammlung Gastronomie

Austausch auf Augenhöhe, praxisnahe Lösungen und neue Impulse: Bei der Fachbereichsversammlung Gastronomie des Dehoga Bayern entwickelten Praktiker gemeinsam Lösungen für zentrale Branchenthemen – von Personalgewinnung bis Nachhaltigkeit.