EU plant Maßnahmen gegen Energiekrise: Was das für das Gastgewerbe bedeutet
Die Energiekrise bleibt eine zentrale Herausforderung für Europas Wirtschaft – und damit auch für das Gastgewerbe. Hohe Preise für Strom, Gas und Kraftstoffe belasten Betriebe weiterhin massiv.
Die EU-Kommission hat nun mehrere Maßnahmen und Vorhaben für die kommenden Wochen und Monate vorgestellt. Sie sollen helfen, die Energiekosten für Europas Verbraucher und Unternehmen zu senken. Dabei geht es auch um private Investitionen, die Förderung der Elektrifizierung und die Energiebesteuerung.
Weltmarktpreise angespannt
Energiekommissar Dan Jørgensen warnte in Brüssel: „Uns stehen sehr schwierige Monate, vielleicht sogar Jahre bevor.“ Selbst im Falle eines schnellen Friedens im Nahen Osten werde es dauern, die dortige Gasförder- und Transportinfrastruktur wiederaufzubauen.
Die Weltmarktpreise für Flüssigerdgas (LNG) würden sich auf Jahre hinweg nicht stabilisieren. Die Produktionskapazitäten für Öl könnten dagegen nach seiner Einschätzung innerhalb weniger Wochen erhöht werden. Für das Gastgewerbe heißt das: Energiekosten bleiben ein strukturelles Problem und müssen weiterhin aktiv gemanagt werden.
Seit Beginn der Eskalation habe die EU wegen der gestiegenen Preise zusätzliche 24 Milliarden Euro für Energieimporte ausgegeben, sagte Jørgensen. Europäische Maßnahmen sollten helfen, die aktuelle Preiskrise zu bewältigen, aber auch sicherstellen, dass die Versorgung dauerhaft gesichert ist.
Die europäischen Spitzenpolitiker sprechen am Donnerstag bei einem informellen Treffen in Zypern über die Maßnahmen.
Koordination soll Versorgung sichern
Um Flugausfälle zu verhindern, will die EU-Kommission die Versorgung mit Kraftstoff stärker mit den Mitgliedstaaten koordinieren. Die Brüsseler Behörde will unter anderem koordinieren, wie Kraftstoff zwischen den EU-Ländern optimal verteilt wird. Das soll eine mögliche Verknappung wegen des Iran-Kriegs vermeiden, vor der die Luftfahrtbranche warnt.
Für das Gastgewerbe ist das vor allem indirekt relevant: Bleiben Flugverbindungen stabil, könnten insbesondere Hotels, Ferienregionen und die Stadthotellerie von verlässlichen Gästezahlen profitieren. Denn ein stabiler Flugverkehr sorgt dafür, dass internationale Gäste weiterhin reisen können und Buchungen nicht einbrechen. Gleichzeitig sichert eine funktionierende Logistik auch Lieferketten – etwa für Lebensmittel oder Getränke.
EU will Kraftstoffmärkte stärker überwachen
Die EU-Kommission schlägt zudem eine neue Kraftstoffbeobachtungsstelle zur Überwachung von EU-Produktion, Importen, Exporten und Lagerbeständen vor. So sollen potenzielle Engpässe schnell erkannt werden und „gezielte Maßnahmen zur Aufrechterhaltung einer ausgewogenen Kraftstoffverteilung“ möglich sein, falls Notfallvorräte freigegeben werden.
Für Betriebe im Gastgewerbe ist das ein wichtiger Punkt: Zwar sinken die Preise dadurch nicht automatisch, doch die Gefahr kurzfristiger Versorgungsprobleme oder extremer Preissprünge könnte reduziert werden. Das schafft zumindest mehr Planungssicherheit.
Die Kommission will außerdem die Verwendung in der EU produzierter nachhaltiger Flug- und Schiffskraftstoffe weiter vorantreiben. Die Kapazitäten der europäischen Raffinerien sollen zudem voll ausgenutzt werden, um die Nachfrage zu decken, heißt es in einem Schreiben der Kommission an die Mitgliedstaaten. Denn etwa 40 Prozent des Flugkraftstoffs würden importiert und etwa die Hälfte davon werde durch die Straße von Hormus transportiert, durch die derzeit Schiffe wegen des Iran-Kriegs nicht fahren können. Die Konzentration der Raffineriekapazitäten auf einige europäische Regionen mache Koordination nötig.
Hilfen für Haushalte und Industrie
Als kurzfristige Hilfen für Verbraucher schlägt die Kommission unter anderem Energiegutscheine für Haushalte mit niedrigem Einkommen, finanzielle Förderungen für Energiesparprodukte und nationale Kampagnen zur Förderung der Energieeffizienz vor.
Die Kommission wolle Maßnahmen unterstützen und koordinieren und legte den Mitgliedstaaten eine Liste an Vorschlägen vor. Als Positivbeispiel aus Deutschland nannte Jørgensen die Förderung für den Einbau von Wärmepumpen.
Gerade Förderprogramme könnten insbesondere bei steigenden Energiepreisen für Gastronomen und Hoteliers an Bedeutung gewinnen – etwa bei Investitionen in energieeffiziente Küchentechnik, Heizsysteme oder Gebäudetechnik. Solche Maßnahmen senken langfristig Betriebskosten und erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit.
Zudem stärken entlastete Verbraucher indirekt die Nachfrage: Wenn Haushalte weniger für Energie ausgeben müssen, bleibt mehr Budget für Restaurantbesuche oder Reisen.
Befüllung der Erdgasspeicher
Damit Preise stabil bleiben und genug Energie vorhanden ist, plant die Brüsseler Behörde, die Befüllung von Gasspeichern zu koordinieren. Die Mitgliedstaaten sollen sich beim Einkauf besser abstimmen, um den Preis nicht selbst durch gleichzeitige Nachfrage in die Höhe zu treiben.
Die EU-Länder sollen außerdem beim Füllen der Gasspeicher flexibler sein dürfen. Wenn sie weniger Vorräte vorhalten müssen, sind sie etwas weniger hohen Preisen ausgesetzt. Auch die koordinierte Freigabe von Notfallreserven wird als Option genannt.
Für das Gastgewerbe bedeutet das potenziell stabilere Gaspreise – ein entscheidender Faktor etwa für Küchen, Warmwasser und Heizkosten in Restaurants und Hotels.
Weitere Maßnahmen
Mitgliedstaaten, die dies wollen, könnten außerdem eine Übergewinnsteuer auf überhöhte Krisengewinne von Energiekonzernen einführen. Dafür hatte sich unter anderem Deutschlands Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) ausgesprochen.
Jørgensen sagte vor Journalisten, für eine Entscheidung auf EU-Ebene müssten sich alle Mitgliedstaaten einig sein. Dies sehe die Kommission derzeit nicht.
Die Kommission unterstütze auch Länder, die kurzfristig niedrigere Energiesteuersätze anwenden müssten, „ohne dabei die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen zu erhöhen und Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage zu verschärfen“, heißt es in dem Schreiben an die Mitgliedstaaten.
Bis Juli will die Kommission wie bereits angekündigt einen Vorschlag zur Anpassung des Treibhausgashandelssystems der EU (ETS) vorlegen. Dabei geht es unter anderem um eine Festlegung, wie viel CO2 eine Industrieanlage maximal ausstoßen darf, um kostenlose Treibhausgaszertifikate zu bekommen. Langfristig setzt die Kommission weiter auf den schnelleren Ausbau erneuerbarer Energie.
Bedeutung für das Gastgewerbe
Für Gastronomen und Hoteliers bleibt die Energiefrage ein entscheidender Kostenfaktor, denn gerade für energieintensive Branchen wie das Gastgewerbe sind insbesondere stabile Preise und Versorgungssicherheit entscheidend.
Während die Kosten voraussichtlich zwar hoch bleiben und die Nachfrage unter Druck steht, könnten eine gesicherte Energieversorgung, weniger Preisschwankungen und ein stabiler Flugverkehr dazu beitragen, die Rahmenbedingungen für Gastronomie und Hotellerie zumindest planbarer zu machen.
Die von der EU-Kommission geplanten Maßnahmen könnten damit mittelfristig für mehr Stabilität sorgen und dazu beitragen, Kosten besser kalkulierbar zu machen. Kurzfristig müssen sich Betriebe jedoch weiterhin auf volatile Preise und unsichere Rahmenbedingungen einstellen.
(dpa/SAKL)