EU-Regulierung

EU-Verpackungsverordnung: IHA warnt vor zusätzlicher Bürokratie für Hotels

Europafahnen vor der EU-Kommission Brüssel
Die Auslegung der EU-Verpackungsverordnung durch die Europäische Kommission sorgt im Gastgewerbe für Kritik. Verbände warnen vor zusätzlichen Bürokratiepflichten für Hotels und Gastronomiebetriebe. (Foto: © finecki/stock.adobe.com)
Die Auslegung der EU-Verpackungsverordnung könnte Hotels und Gastronomiebetriebe künftig als Verpackungshersteller einstufen. Der Hotelverband Deutschland fordert deshalb eine Klarstellung durch die EU-Kommission.
Mittwoch, 10.06.2026, 15:37 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Der Hotelverband Deutschland (IHA) warnt vor zusätzlichen Bürokratiebelastungen für Hotels und Gastronomiebetriebe im Zuge der Umsetzung der EU-Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR). Hintergrund ist die Auslegung der Verordnung durch die Europäische Kommission.

Danach könnten Hotels, Restaurants, Bars und Cafés bereits dann als Hersteller von Verpackungen gelten, wenn sich ihr Name oder Logo auf einer Verpackung befindet. Dies würde insbesondere kleine und mittlere Unternehmen des Gastgewerbes mit umfangreichen zusätzlichen Pflichten belasten, obwohl sie weder die Verpackungen herstellen noch deren technische Gestaltung bestimmen.

Gemeinsam mit HOTREC Hospitality Europe, Independent Retail Europe und Euro Coop fordert die IHA deshalb eine Korrektur der Definition des Begriffs „Hersteller“ und den Abbau von Bürokratiebelastungen.

„Hotels und Gastronomiebetriebe sind Anwender von Verpackungen, nicht deren Hersteller. Wer lediglich sein Logo auf einer Verpackung anbringt, kann doch nicht automatisch für deren technische Konformität verantwortlich gemacht werden“, kritisiert Otto Lindner, Vorsitzender des Hotelverbands Deutschland (IHA).

IHA: Hotels sind Anwender, keine Hersteller

Die von der EU-Kommission aktuell veröffentlichten Leitlinien zur PPWR würden davon ausgehen, dass Unternehmen mit eigenem Branding auf Verpackungen maßgeblichen Einfluss auf deren Gestaltung und Zusammensetzung ausüben. Dies entspreche jedoch nicht der betrieblichen Realität, argumentieren die Verbände.

In den meisten Fällen würden Verpackungen von spezialisierten Herstellern entwickelt, produziert und in Verkehr gebracht. Hotels und Gastronomiebetriebe könnten meist lediglich über das äußere Erscheinungsbild, etwa den Aufdruck ihres Logos, entscheiden.

Zusätzliche Pflichten und Kosten befürchtet

Eine Einstufung als Hersteller hätte nach Angaben der Verbände weitreichende Folgen. Die betroffenen Betriebe müssten umfangreiche Anforderungen zu Verpackungsdesign, Dokumentation, Konformitätserklärungen, Berichterstattung sowie zur erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) erfüllen. Dies würde nach Einschätzung der Verbände erhebliche zusätzliche Kosten und Bürokratie verursachen, ohne einen erkennbaren ökologischen Mehrwert zu schaffen.

Zudem bestehe die Gefahr unterschiedlicher Auslegungen in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten. Mehrere nationale Behörden hätten bereits auf die Notwendigkeit einheitlicher Vorgaben hingewiesen, um Wettbewerbsverzerrungen und eine weitere Fragmentierung des Binnenmarkts zu vermeiden.

Verbände fordern Klarstellung

Die Verbände appellieren daher an die Europäische Kommission, in den Leitlinien und FAQ-Dokumenten eindeutig klarzustellen, dass Gastgewerbe- und Einzelhandelsunternehmen nicht als Hersteller von Verpackungen gelten, wenn sie standardisierte Verpackungen eines tatsächlichen Verpackungsherstellers verwenden und deren technische Gestaltung nicht beeinflussen. Die Verwendung eines eigenen Logos oder Markennamens allein dürfe hierfür nicht ausschlaggebend sein.

„Die Umweltziele der PPWR müssen wirksam und bürokratiearm umgesetzt werden“, erklärt IHA-Hauptgeschäftsführer Markus Luthe. „Die Wirtschaft braucht Rechtssicherheit und verhältnismäßige Regelungen. Verantwortung muss dort angesiedelt werden, wo tatsächlich über Zusammensetzung und Gestaltung von Verpackungen entschieden wird.“

(IHA/SAKL)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Kartenzahlung an der Rezeption
Payment Services Regulation
Payment Services Regulation

EU-Zahlungsdiensteverordnung: IHA warnt vor bedingungslosem Rückerstattungsrecht

EU-Rat und Kommission planen eine Neuregelung der EU-Zahlungsdiensteverordnung. Der Hotelverband Deutschland (IHA) und der Handelsverband Deutschland (HDE) befürchten hierbei gravierende Risiken für Hotellerie und Gastronomie.
Otto Lindner
Digital Markets Act
Digital Markets Act

Hotelverband Deutschland besorgt über Google-Tests

Auf seinen Suchergebnisseiten testet Google derzeit, wie sich eine Rückkehr zu einem Format der frühen 2000er Jahre auswirken würde. Der Hotelverband Deutschland (IHA) zeigt sich darüber „zutiefst besorgt“.
Christian Graf von Kanitz-Kopsch und Otto Lindner
Wettbewerb
Wettbewerb

IHA Start-up Award 2024: Innovative Produkte für die Hotellerie gesucht

Der Hotelverband Deutschland (IHA) schreibt erneut seinen Branchenaward für Start-ups aus. Ziel ist die Förderung praxisnaher und innovativer Produktentwicklungen für die Hotellerie in Deutschland.
Booking.com
Untersagung
Untersagung

Booking darf eTraveli nicht übernehmen

Die Europäische Kommission hat offiziell die Übernahme der eTraveli Group durch Booking Holdings untersagt. HOTREC und der Hotelverband Deutschland (IHA) begrüßen die Entscheidung. 
IHA-Vorsitzender Otto Lindner begrüßt den Beitritt der deutschen Häuser der Feine Privathotels. (Foto: © IHA )
Zusammenschluss
Zusammenschluss

Feine Privathotels schließen sich IHA an

Die „Feine Privathotels“ haben anlässlich ihrer Jahresversammlung ein eindeutiges Statement zur Stärkung der Interessenvertretung der Hotellerie gegeben: Seit dem 1. August 2023 sind die deutschen Häuser der Kollektion dem Hotelverband Deutschland (IHA) beigetreten. 
Mitglieder des Beirates des Hotelverbandes Deutschland (IHA), jeweils von links nach rechts: Untere Reihe: Sabine Möller, Susanne Weiß, Dr. Monika Gommolla, Julia Barth und Stephanie Göbel Oberer Reihe: Karl-Heinz Pawlizki, Friedrich W. Niemann, Denis Hüttig, Otto Lindner, Simeon Schad, Thomas Haas, Jutta Braun, Philipp Freiherr von Bodmann, Anne Wahl-Pozeg und Rolf Seelige-Steinhoff.
Veranstaltung
Veranstaltung

IHA Mitgliederversammlung 2023: Was bewegt die Branche?

Am 21. Juni 2023 tagte der Hotelverband Deutschland in Garching bei München. Obwohl die Branche sich allmählich von den Pandemie-Jahren erholt, hat sie weiterhin mit Herausforderungen zu kämpfen. 
Welche Erkenntnisse liefert der Branchenreport "Hotelmarkt Deutschland 2023"?
Hotelverband Deutschland
Hotelverband Deutschland

IHA-Branchenreport „Hotelmarkt Deutschland 2023“ vorgestellt

Der Hotelverband Deutschland präsentiert den aktuellen Branchenreport „Hotelmarkt Deutschland 2023“. Obwohl noch nicht alle Herausforderungen aus dem Jahr 2022 gemeistert sind, blickt die Branche wieder positiv in die Zukunft. 
Otto Lindner, Uwe Krohn, Stefan Dinnendahl
Solidargemeinschaft
Solidargemeinschaft

H-Hotels sind jetzt Mitglied im Hotelverband Deutschland

Starkes Statement zur Stärkung der Interessenvertretung der Hotellerie: Zum 1. März 2023 trat die Hotelgruppe H-Hotels.com dem Hotelverband Deutschland (IHA) bei.
Otto Lindner und Nina Zimmermann
Arbeitgeberbewertungen
Arbeitgeberbewertungen

Kooperation zwischen IHA und kununu

Der Hotelverband Deutschland und kununu setzen sich gemeinsam für mehr Transparenz und Aussagekraft von Arbeitgeberbewertungen in der Hotellerie ein. Mittelbares Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Wettbewerbsposition der Hotellerie im Kampf gegen den Fachkräftemangel zu stärken.