Mega-Fusion: EU-Kommission gibt grünes Licht für Arla und DMK
Die deutsche Molkereigenossenschaft DMK darf aus EU-Sicht vom dänisch-schwedischen Branchenriesen Arla Foods übernommen werden. Die Europäische Kommission hat einer Mitteilung zufolge keine Bedenken, dass dies den Wettbewerb verzerren könnte und genehmigt die Pläne ohne Auflagen. Bei großen Zusammenschlüssen prüft die Brüsseler Behörde dies standardmäßig.
Die Genossenschaften kaufen jeweils Rohmilch von ihnen angeschlossenen Landwirten und verarbeiten sie weiter. Die Frischmilch, Butter, Joghurt, Sahne, Käse oder Zutaten auf Molkebasis verkaufen sie dann in verschiedenen EU-Ländern weiter.
Die Fusion soll nach Angaben der Unternehmen voraussichtlich am 1. Juni 2026 in Kraft treten. Bis dahin agieren beide Unternehmen weiterhin eigenständig.
„Heute ist ein historischer Tag für unsere Genossenschaften, für die nächste Generation von Landwirten und für die europäische Lebensmittelproduktion“, sagt Jan Toft Nørgaard, Aufsichtsratsvorsitzender von Arla Foods. „Gemeinsam können wir die notwendige Größe, langfristige wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und Investitionskraft erreichen, um dazu beizutragen, einen Lebensmittelsektor mit geringeren Auswirkungen auf Klima und Natur zu gestalten. Seit Generationen vereinen unsere Genossenschaften Landwirte – und gerade jetzt ist die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg wichtiger denn je, um Menschen weltweit zu ernähren.“
Heinz Korte, Aufsichtsratsvorsitzender der DMK Group, ergänzt: „Wir Landwirte freuen uns darauf, unsere Kräfte zu bündeln. Die starke Unterstützung der Genossenschaftsmitglieder, die sich bei den Abstimmungen im Juni 2025 gezeigt hat, spiegelt unser Engagement wider, grenzüberschreitend zusammenzustehen – angetrieben von unseren gemeinsamen Werten und einer klaren Vision für die Zukunft der Milchwirtschaft. Wir bauen eine der größten Gemeinschaften von Landwirten in Europa auf, und ausgehend von unseren lokalen Wurzeln können wir unsere globale Reichweite stärken und den Wert unserer Milch weiter steigern.“
Konkurrenz vor allem in Norddeutschland
Die Unternehmen seien zwar bei der Rohmilchbeschaffung vor allem in Norddeutschland Konkurrenten, schreiben die Wettbewerbshüter. Arla sei aber aufgrund ihrer genossenschaftlichen Struktur verpflichtet, die gesamte Milch ihrer angeschlossenen Landwirte abzunehmen und allen denselben Preis zu zahlen, unabhängig von ihrem Standort. Arla könne deshalb den Milchpreis in Gebieten mit hohen Marktanteilen gar nicht senken – und habe auch keinen Anreiz dafür, da Landwirte dann zu anderen Genossenschaften wechseln würden.
Bei der Belieferung von Einzelhändlern mit Milchprodukten – insbesondere Eigenmarkenprodukten – und der Lieferung von Zutaten auf Molkebasis – konkret Permeatpulver und Molkenproteinkonzentrat – seien die Unternehmen ebenfalls Wettbewerber. Nach Einschätzung der Kommission wird es hier aber weiter genug Wettbewerbsdruck durch andere Unternehmen geben, sodass keine Verzerrung zu befürchten sei.
Es sei zudem üblich, dass Einzelhändler getrennt zu Eigenmarken- und Marken-Milchprodukten verhandelten, sodass das Risiko begrenzt sei, dass Einzelhändler stark dazu angehalten würde, mehrere Produkte zusammen zu kaufen, anstatt sie separat auszuwählen.
Besseres Angebot angekündigt
Arla und Deutsches Milchkontor (DMK) hatten den Zusammenschluss im Juni 2025 angekündigt. Er solle mehr als 12.000 Milchbauern zusammenbringen und „die leistungsstärkste Molkereigenossenschaft Europas“ schaffen, hieß es damals. Dem Verbraucher soll das unter anderem in Form der Förderung einer hochwertigen Milchproduktion und einer Verbesserung des Angebots zugutekommen. Auch dem Handel, der Gastronomie und der Industrie soll dadurch ein breiteres Portfolio an Milchprodukten geboten werden. Das fusionierte Unternehmen werde den Namen Arla tragen.
„Gemeinsam werden wir zu einem der zukunftsstärksten und besten Milchproduzenten Europas“, sagt Peder Tuborgh, CEO von Arla Foods. „Unser Anspruch ist es, zu den vertrauenswürdigsten Partnern bei der Sicherung der europäischen Lebensmittelproduktion zu gehören und Landwirtschaftspraktiken zu fördern, die unsere Auswirkungen auf Klima und Natur verringern. In einer wachsenden Weltbevölkerung spielt Milch eine wichtige Rolle – und indem wir unsere Milchmengen, Marken und Produktionsnetzwerke vereinen, stärken wir unser gemeinsames Versprechen: Feed Life.“
Das Deutsche Milchkontor (DMK) hat seinen Sitz im niedersächsischen Zeven und seine Verwaltung in Bremen. Arla ist im dänischen Viby zu Hause, dort soll nach früheren Angaben auch der künftige Hauptsitz des fusionierten Unternehmens sein. Zusammen kommen die beiden Genossenschaften auf knapp 19 Milliarden Euro Jahresumsatz und rund 28.700 Mitarbeiter.
Die meisten DMK-Standorte sind bisher in Niedersachsen, weitere Betriebe unter anderem in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Baden-Württemberg. Zu den DMK-Marken zählen neben Milram auch Humana, Oldenburger, Osterland und die Babynahrungsmarke Alete.
(dpa/DMK/Arla Foods/SAKL)