Politisches Afterwork mit 140 Gästen in Berlin: Verbände warnen vor höheren Alkoholsteuern
Nur wenige Tage vor Beginn der parlamentarischen Beratungen zum Bundeshaushalt 2027 und dem dazugehörigen Haushaltsgesetz beziehen die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG), der Bundesverband Wein und Spirituosen International (BWSI) und die Deutsche Barkeeper-Union (DBU) Stellung gegen die geplante Erhöhung der Verbrauchsteuern auf Spirituosen und Sekt. Beim vierten politischen Cocktail-Afterwork auf der Dachterrasse des Palais am Pariser Platz diskutierten mehr als 140 angemeldete Gäste aus Politik, Verbänden und Wirtschaft über die im Haushaltsgesetz vorgesehene Erhöhung.
Die Botschaft des Abends: Die geplante Steuererhöhung gefährdet die Existenz der getränkegeprägten Gastronomie, des Handels und der Produktion – und verfehlt ihre gesundheitspolitische Wirkung.
Der Abend bot zudem die Gelegenheit, das im Sommer 2026 veröffentlichte Zahlenmaterial zur wirtschaftlichen Lage der Branche zu vertiefen. Die gemeinsam mit EY erarbeitete Studie zum gesellschaftlichen Wert der Barkultur lieferte dafür die fundierten Argumente.
„Wir brauchen Entlastung statt neuer Hürden“
„Die getränkegeprägte Gastronomie wurde bei der Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie schlicht vergessen – und wird nun durch die geplante Alkoholsteuererhöhung zusätzlich belastet", erklärte Dr. Marcel Klinge, Vorstandssprecher der DZG. „Das trifft Bars, Kneipen und Clubs ausgerechnet in einer Phase, in der sie durch steigende Kosten ohnehin massiv unter Druck stehen. Wir brauchen Entlastung statt neuer Hürden."
Diese Sorge teilt Maren Meyer, Vorsitzende der Deutschen Barkeeper-Union: „Die Steuererhöhung frisst genau die Marge, die wir brauchen, um unsere Barkeeper anständig zu bezahlen.“
Auch Dr. Alexander Tacer, Geschäftsführer des BWSI, warnte eindringlich vor den Folgen: „Eine Erhöhung der Steuern auf Spirituosen und Sekt ist weder ein verlässliches Instrument zur Haushaltskonsolidierung noch ein zielgerichtetes Instrument der Gesundheitspolitik. Wer mit zusätzlichen Steuereinnahmen rechnet, muss berücksichtigen, dass Verbraucher auf steigende Preise reagieren und ihr Konsumverhalten anpassen. Damit sind die erwarteten Mehreinnahmen mit erheblichen Unsicherheiten verbunden, während die wirtschaftlichen Belastungen für Hersteller, Handel und Gastronomie unmittelbar eintreten. Wer verantwortungsvollen Konsum fördern und Alkoholmissbrauch wirksam begegnen will, sollte deshalb auf gezielte Prävention und Aufklärung setzen statt auf pauschale Steuererhöhungen.“
Alkoholreduzierte Alternativen im Fokus
Dass verantwortungsvoller Genuss und der wirtschaftliche Erhalt der Branche Hand in Hand gehen können, zeigte ein praxisnaher Programmpunkt: Vorgestellt von Jörg-Michael Rösner (Pernod Ricard Deutschland) und Bar-Expertin Chloé Merz, konnten die Gäste vor Ort einen neuen Signature Drink der Initiative Split Drinks probieren. Das Konzept integriert bewussten und moderaten Konsum direkt und intuitiv in das Bar-Erlebnis.
Der Abend setzte neben Fakten auch auf das gemeinsame Erleben: Gäste aus Politik, Verbänden und Verwaltung mixten unter Anleitung der Barprofis der DBU außergewöhnliche Cocktails – auch in alkoholfreien und alkoholreduzierten Varianten – und nutzten die Plattform für den direkten, überparteilichen Dialog.
Branche sucht Dialog mit der Politik
Mit Blick auf die anstehende Bundestagsdebatte machten die Initiatoren deutlich: Die Branche steht für konstruktive Gespräche bereit – erwartet aber, dass ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Argumente in den parlamentarischen Beratungen substanziell Gehör finden.
(DZG/SAKL)