Steigende Lebensmittelpreise belasten das Gastgewerbe – Politik prüft Entlastungen
Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Esra Limbacher bringt Entlastungen bei steigenden Lebensmittelpreisen infolge des Iran-Kriegs ins Gespräch. Limbacher sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Die aktuellen Preissteigerungen treffen vor allem diejenigen, bei denen das Geld ohnehin knapp ist.“ Hier dürfe es zu keiner Verschärfung der Situation kommen, indem die Preise in den Supermärkten ähnlich nach oben springen wie an den Tankstellen.
„Es ist wichtig, dass möglichst viele Handlungsoptionen auf den Tisch kommen, um die Preise und die Versorgung stabil zu halten sowie bei Bedarf schnell reagieren zu können. Die Grundversorgung der Menschen in unserem Land muss bezahlbar bleiben.“
Steigende Lebensmittelpreise treffen nicht nur Verbraucher, sondern auch Gastronomie und Hotellerie. Für viele Betriebe gehört der Wareneinsatz zu den größten Kostenblöcken – entsprechend groß ist der Druck bei steigenden Einkaufspreisen. Eine Entlastung bei steigenden Lebensmittelpreisen könnte sich somit auch positiv auf das Gastgewerbe auswirken.
Taskforce tagt wieder
Am Freitag tagt erneut die von den Koalitionsfraktionen CDU/CSU sowie SPD eingesetzte Taskforce zu Folgen des Iran-Kriegs. Am Donnerstag beschloss der Bundestag wegen gestiegener Spritpreise ein Maßnahmenpaket.
So dürfen Tankstellen künftig nur noch einmal am Tag, um 12.00 Uhr, die Preise erhöhen. Preissenkungen sollen immer möglich sein. Allerdings zeichnen sich weitere Schritte der Koalition ab – auch weil fraglich ist, ob das beschlossene Paket wirklich zu Entlastungen für Autofahrer führt.
„Eine schnelle Beendigung des Iran-Konflikts ist gerade nicht absehbar“, so Limbacher. „Aus diesem Grund ist es richtig, dass die Taskforce der Koalitionsfraktionen in ihrer dritten Sitzung ihren Blick um die Auswirkungen auf die Landwirtschaft und insbesondere auf die Lebensmittelversorgung und die Preisentwicklung an der Supermarktkasse erweitert.“ Dazu werde man mit Vertretern des Deutschen Bauernverbandes, des Deutschen Raiffeisenverbandes, des Lebensmitteleinzelhandels sowie des Bundesverbandes Verbraucherzentrale sprechen.
Foodwatch fordert Eingreifen des Staates
Die Verbraucherorganisation Foodwatch forderte Entlastungen mittels staatlicher Maßnahmen. „Eine Nullsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte macht gesunde Ernährung erschwinglicher“, sagte Foodwatch-Geschäftsführer Chris Methmann. Der Staat müsse zudem sicherstellen, dass die Lebensmittelindustrie eine Steuersenkung auch an die Verbraucher weitergebe. Nötig sei eine staatliche Preisbeobachtungsstelle, die die Preispolitik von Handel und Industrie transparent mache und Preistreiberei eindämme.
„In den letzten Jahren sind die Lebensmittelpreise schon um 30 Prozent gestiegen, jetzt kann es noch teurer werden“, so Methmann. Die Verbraucher müssten endlich entlastet werden. „Die Bundesregierung muss jetzt genau hinschauen, dass die Konzerne nicht die Gunst der Stunde nutzen, um sich die Taschen vollzumachen.“
Steigende Lebensmittelpreise wirken sich auf das Gastgewerbe aus
Auch auf Gastronomie und Hotellerie haben steigende Lebensmittelpreise unmittelbare Auswirkungen. Anders als Spritpreise stellen Lebensmittel als direkter Wareneinsatz einen der zentralen Kostenblöcke der Branche dar.
Steigende Einkaufspreise bei Lebensmitteln erhöhen somit die Kosten für die Betriebe unmittelbar. Gleichzeitig lassen sich diese Preissteigerungen nicht immer vollständig an Gäste weitergeben.
Für viele Betriebe bedeutet das: Die Margen geraten unter Druck, während die Kalkulation schwieriger wird.
Mögliche Entlastung auch für Gastro-Betriebe
Sollte die Politik tatsächlich Entlastungsmaßnahmen bei Lebensmittelpreisen umsetzen, könnte dies auch für das Gastgewerbe eine Entlastung bedeuten. Sinkende oder stabilisierte Einkaufspreise würden den Druck auf den Wareneinsatz verringern und könnten Gastro-Betrieben mehr Spielraum bei der Kalkulation geben.
Gleichzeitig würde eine Entlastung der Verbraucher die Kaufkraft stärken. Das könnte sich positiv auf die Nachfrage in Gastronomie und Hotellerie auswirken, da steigende Preise aktuell vielerorts zu Zurückhaltung bei Ausgaben und somit zu weniger Hotel- und Restaurantbesuchen führen.
Allerdings bleibt offen, in welchem Umfang mögliche Maßnahmen tatsächlich bei den Betrieben ankommen. Entscheidend wird sein, ob Entlastungen entlang der gesamten Lieferkette weitergegeben werden – von der Produktion über den Handel bis hin zur Gastronomie.
Was Gastro-Betriebe jetzt beachten sollten
Für das Gastgewerbe wird es entscheidend sein, die Entwicklung der Lebensmittelpreise genau zu beobachten. Eine vorausschauende Planung wird immer wichtiger. Das bedeutet:
- Einkaufspreise regelmäßig prüfen
- Lieferantenkonditionen im Blick behalten
- Kalkulation flexibel anpassen
- Preisentwicklungen frühzeitig einplanen
(dpa/SAKL)