Brandbrief

DZG warnt nach Revo-Insolvenz

Dirk Iserlohe und Homeira Amiri
Die DZG-Spitzen Dirk Iserlohe und Homeira Amiri fordern nach der Revo-Insolvenz politische Stabilisierungsmaßnahmen für die Gastwelt. (Foto: © DZG)
Nach der Insolvenz der Revo Hospitality Group fordert die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) ein politisches Umdenken. In einem Brandbrief an die Spitzenpolitik warnt sie vor weiteren Belastungen für Tourismus und Gastronomie und drängt darauf, die wirtschaftliche Stabilisierung der Branche 2026 zur politischen Priorität zu machen.
Freitag, 06.02.2026, 10:08 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Nach der Insolvenz der Revo-Hotelgruppe hat sich die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) in einem Schreiben an Spitzenpolitiker aus Bund und Ländern gewandt. Die Organisation fordert, die wirtschaftliche Stabilisierung der Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeit) im Jahr 2026 zur politischen Priorität zu machen. 

Die Insolvenz von über 140 Gesellschaften mit mehr als 10.000 bedrohten Arbeitsplätzen (direkt/indirekt) wertet die DZG als schmerzhaften Weckruf – nicht nur für die Gastwelt selbst, sondern für die Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Finanzpolitik insgesamt. 

„Der Fall Revo steht exemplarisch für die strukturelle Überlastung eines personal- und kostenintensiven Sektors, dessen wirtschaftliche Puffer vielfach aufgebraucht sind“, erklärt Dirk Iserlohe, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses der Denkfabrik. „In einer solchen Situation wirken zusätzliche Kosten und neue Abgaben schnell existenzbedrohend. Ein Belastungsmoratorium ist deshalb kein politischer Stillstand, sondern ein notwendiges Instrument zur Stabilisierung und Resilienzstärkung.“

Homeira Amiri, DZG-Aufsichtsratsvorsitzende, ergänzt: „Die Gastwelt ist weit mehr als ein Wirtschaftszweig. Sie ist sozialer Raum, Arbeitgeber und Standortanker. Wer gesellschaftliche und regionale Stabilität sichern will, muss der Gastwelt jetzt Verlässlichkeit geben.“

Warnung vor Insolvenzen mit Kettenwirkung

In ihrem Schreiben macht die Denkfabrik deutlich, dass Insolvenzen wie im Fall Revo weitreichende Folgewirkungen entfalten. Betroffen seien nicht nur Unternehmen und Beschäftigte, sondern auch Zulieferer, Immobilieneigentümer, Finanzierungsstrukturen und öffentliche Haushalte – etwa durch Steuerausfälle und steigende Ausgaben für Insolvenzgeld. 

Zwar würdigt die DZG ausdrücklich die beschlossene Absenkung der Mehrwertsteuer auf Speisen ab 2026 als wichtigen politischen Entlastungsschritt. Zugleich warnt sie jedoch davor, diesen Effekt durch neue Belastungen, steigende Sozialabgaben oder zusätzliche Regulierung zu neutralisieren.

Denkfabrik macht der Politik konkrete Vorschläge zur Kostenreduzierung

Aus Sicht der Denkfabrik braucht es daher ein breit angelegtes Belastungsmoratorium, das gezielt auf Kostenreduzierung und Liquiditätssicherung abzielt. Dazu zählen unter anderem das Vorziehen bereits beschlossener steuerlicher Entlastungen, wie die Senkung der Körperschaftsteuer auf 2026/2027, ein Stopp zusätzlicher kommunaler Abgaben wie City- oder Verpackungssteuern, eine Deckelung bei den Sozialabgaben sowie das Einfrieren weiterer Kostensteigerungen, etwa beim CO₂-Preis oder den Stromkosten. Auch Maßnahmen zur Umsatzsteigerung, Mitarbeiterunterstützung und -gewinnung finden sich im Brandbrief der Branchenvertreter.

„Stabilisierung bedeutet nicht Reformverzicht“, betont Dirk Iserlohe. „Sie schafft den notwendigen zeitlichen Spielraum, um Beschäftigung zu sichern, Investitionen wieder zu ermöglichen und wirtschaftliche Substanz zu erhalten.“

(DZG/SAKL)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Dr. Marcel Klinge
Warnung
Warnung

DZG zu neuer Insolvenz-Analyse: „Steuerentlastung ist jetzt entscheidend“

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen erreicht 2025 den höchsten Stand seit über zehn Jahren. Das zeigt eine Analyse von Creditreform. Besonders betroffen ist der Dienstleistungssektor – und damit ein großer Teil der Gastwelt. Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) mahnt daher, dass das Steueränderungsgesetz im Bundesrat unverändert beschlossen werden muss. 
Auf dem Bild zu sehen sind: Anke Budde, Dr. Marcel Klinge, Homeira Amiri, Kemal Üres und Jürgen Gevers
Bewegung
Bewegung

Kampagne für die Hospitality gestartet

Über 40 Verbände haben sich zusammengeschlossen, um den gesellschaftlichen und ökonomischen Stellenwert von Tourismus, Hospitality und Foodservice ins Bewusstsein der Politik zu rücken. Unter dem Namen „#HerzUnsererGesellschaft“ haben sie in Berlin eine politische Aktion begonnen.
Vorstandssprecher der Denkfabrik Zukunft in Berlin: Dr. Marcel Klinge
Steuererhöhung
Steuererhöhung

Denkfabrik startet Awareness-Kampagne

Die DZG ruft zum gemeinsamen Handeln auf. Grund ist ein drohender Steuerschock, der auf die Hospitality-Branche möglicherweise zurollt. Unter anderem das Handelsblatt spricht von einem möglichen Steuersatz von 19 Prozent für die Hotellerie.
Vorstandssprecher der Denkfabrik Zukunft in Berlin: Dr. Marcel Klinge (Foto: © DZG)
Gastronomie
Gastronomie

Gastwelt-Lobby in Berlin nur bedingt konkurrenzfähig

Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt hat ihre Daten aus dem letzten Jahr nochmals aktualisiert und ist zu eher unerfreulichen Ergebnissen gelangt. Die Lobby-Arbeit der Branche benötigt dringend Handlungsmaßnahmen. 
Hilton Garden Inn Innsbruck
Sanierungsverfahren
Sanierungsverfahren

Revo Hospitality Group stabilisiert Hotels nach Insolvenz

Vor rund zwei Wochen hat die Revo Hospitality Group Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Nun äußert sich der Hotelbetreiber zur aktuellen Lage – und spricht von stabilisierten Betrieben und ersten positiven Signalen.
Dr. Marcel Klinge
Kritik
Kritik

DZG begrüßt neue Tourismusstrategie – sieht aber Ergänzungsbedarf

Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) begrüßt die neue Nationale Tourismusstrategie der Bundesregierung als wichtigen Schritt für den Tourismusstandort Deutschland. Dennoch sieht sie noch Nachbesserungsbedarf.
Gerhard Bruder, Homeira Amiri, Dr. Marcel Klinge und Christa Stienen
Statement
Statement

DZG begrüßt Mehrwertsteuersenkung und fordert verlässliche Standortpolitik

„Yes, we did it“: Der Bundesrat hat die Steuersenkung auf Speisen in der Gastronomie beschlossen. Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) begrüßt die Entscheidung. Gleichzeitig fordert sie für die Zukunft eine verlässliche Standortpolitik.
Dr. Marcel Klinge
Warnsignal
Warnsignal

Stagnation der Wirtschaft – „Gastwelt braucht klare Perspektive“

Das Statistische Bundesamt hat neue Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung vorgelegt. Sie zeigen eine anhaltende Schwäche des Standorts Deutschland – mit Folgen für Restaurants und Hotels. Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) ist besorgt.
Dr. Marcel Klinge
Impulse für Stadtentwicklung
Impulse für Stadtentwicklung

Stadtbild-Debatte: DZG schlägt Gastwelt-Gipfel im Kanzleramt vor

Lebendige Städte brauchen starke Begegnungsorte: Mit dem Vorschlag für einen „Gastwelt-Gipfel“ im Kanzleramt fordert die DZG einen bundesweiten Schulterschluss – und rückt die Bedeutung der gesamten Gastwelt für vitale Innenstädte ins Zentrum der politischen Debatte.