Arbeitszeit und Mindeslohn

NGG unzufrieden mit Sondierungsergebnissen

Ein Wecker steckt in einer Mausefalle fest
Die NGG sieht Verbesserungsbedarf bei den Sondierungsergebnissen. (Foto: Schlierner/fotolia)
Die Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Michaela Rosenberger, erkennt zwar zahlreiche Ergebnisse der Sondierungsgespräche als positiv an, insbesondere beim Thema Arbeitsmarkt müsse jedoch noch nachgebessert werden.
Mittwoch, 17.01.2018, 08:49 Uhr, Autor: Markus Jergler

„Aus Sicht von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gibt es begrüßenswerte Punkte in den Sondierungsergebnissen wie die Wiederherstellung der Parität in der gesetzlichen Krankenversicherung, das Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit oder das Initiativrecht der Betriebsräte für Weiterbildung“, so Rosenberger. Doch bei einigen anderen Punkten, vor allem beim Arbeitsmarkt, gibt es noch Verbesserungspotenzial.

Arbeitszeitgesetz ist bereits flexibel genug
Es fehle ein klares Bekenntnis zum Arbeitszeitgesetz und zum Mindestlohngesetz. Einen „Rahmen schaffen zu wollen, in dem Unternehmen, Beschäftigte und die Tarifpartner den vielfältigen Wünschen und Anforderungen der Arbeitszeitgestaltung gerecht werden können“ , würde der Ausweitung der täglichen Höchstarbeitszeit, wie sie der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband fordert, Tür und Tor öffnen, befürchtet die NGG-Vorsitzende.

„Das Arbeitszeitgesetz bietet ausreichend Flexibilität. Es sei heute schon möglich, vom Achtstundentag abzuweichen und die Arbeitszeit sehr flexibel zu gestalten.“ Gleichermaßen müssten die Dokumentationspflichten im Mindestlohngesetz und die Sanktionen, wenn Arbeitszeiten nicht korrekt erfasst werden, beibehalten werden und dürften nicht dem „Bürokratieabbau“ oder der „Verringerung der Statistikpflichten“ zum Opfer fallen. Die Erfolgsgeschichte des Mindestlohns dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden.

Mehr für Frauen und Ältere tun
Zu begrüßen seien ein „wirksamer Schutz vor Altersarmut“, eine „bessere Beschäftigung von Frauen“ und dass strukturelle Ungleichgewichte von Frauen am Arbeitsmarkt, die zur Entgeltlücke beitragen, abgebaut werden sollen. Dem stehe allerdings diametral gegenüber, dass Midi-Jobs ausgeweitet und Geringverdiener von Sozialbeiträgen entlastet werden sollen. „Gerade für Frauen, die überwiegend in Mini- und in Midi-Jobs arbeiten, wäre damit der weitere Weg in die Altersarmut vorgezeichnet“, warnt Rosenberger. Unzureichend sei es auch, dass Vorstellungen zur Eindämmung des Niedriglohnsektors und zur Stärkung der Tarifbindung fehlten. (MJ)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Servicekraft im Gastgewerbe mit Klemmbrett bei der Einsatz- und Schichtplanung in einem Hotel oder Restaurant.
Arbeitsmarktpolitik
Arbeitsmarktpolitik

Teilzeit im Gastgewerbe: CDU-Vorstoß entfacht Debatte

Arbeitszeitmodelle stehen bundesweit auf dem Prüfstand. Was die Entwicklung für Recruiting, Einsatzplanung und rechtliche Rahmenbedingungen in Hotellerie und Gastronomie bedeutet.
EIn Koch neben einem fahrrad
„Belohnung für Bewegung“
„Belohnung für Bewegung“

Bundestagspolitiker fordert zusätzlichen Urlaubstag für Radfahrer

Der Bundestagsabgeordnete Stefan Gelbhaar will Fahrradfahrer für ihren Beitrag zur eigenen Gesundheit belohnen – mit einem zusätzlichen Urlaubstag, für den der Arbeitgeber aufkommen muss.
Mann im Anzug, der auf Uhr deutet und anderer Mann im Hintergrund, der fast vom Wind weggeweht wird
Rechtslage
Rechtslage

Bahnstreik und Schneechaos: Darf ich mich im Job verspäten?

Streikende Bahnmitarbeiter, tosendes Schneechaos – oder am besten gleich beides zusammen. Bekommen Arbeitnehmer bei Verspätungen in solchen Fällen dennoch ihren Lohn ausbezahlt? Oder vielmehr eine Abmahnung? 
Ein Kellner im Bierzelt, der mit einigen Maß Bier in der Hand durch die Besucherschar läuft
Arbeitszeitgesetz
Arbeitszeitgesetz

Gastwirte genervt: GroKo will „Arbeit auf Abruf“ einschränken

Viel wurde vor der Bundestagswahl debattiert, gestritten und gefordert – auch von Seiten der Gastronomie. Im Hinblick auf den um sich greifenden Fachkräftemangel stand die Forderung nach einer Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes im Zentrum der Forderungen. Die große Koalition will sich nun jedoch scheinbar für das genaue Gegenteil stark machen.
Ein Restaurantmitarbeiter und ein Schichtleiter besprechen einen Dienstplan auf einem Klemmbrett.
Arbeitsrecht
Arbeitsrecht

Diese Rechte haben Arbeitnehmer bei kurzfristigen Dienstplan-Änderungen

Ein freier Abend fällt weg, der Frühdienst beginnt früher oder die nächste Schicht wird gestrichen. In Hotel und Gastro bringen solche Eingriffe schnell die private Planung durcheinander. Welche Vorgaben sind dabei zu beachten und wie gelingt eine faire Abstimmung?
Ein Mitarbeiter im Restaurant sitzt erschöpft an der Theke und informiert den Arbeitgeber per Smartphone über seinen Ausfall.
Meldepflicht
Meldepflicht

Krankmeldung im Gastro-Job: Fristen, Attest und eAU einfach erklärt

Wer vor oder während einer Schicht erkrankt, muss schnell handeln. Entscheidend sind der korrekte Meldeweg, die ärztliche Feststellung und klare Absprachen mit dem Betrieb.
BTW-Präsident Sören Hartmann
Verbandsposition
Verbandsposition

Tourismuswirtschaft warnt vor Folgen zentraler AfD-Positionen für den Tourismus

Das AfD-Bundestagswahlprogramm fordert unter anderem stärkere Grenzkontrollen sowie einen Austritt Deutschlands aus dem Euro-System. Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft sieht hierin Risiken für zentrale Geschäftsgrundlagen der Branche.
Zwei Köche prüfen frische Lebensmittel in einer Restaurantküche.
Wertschätzung
Wertschätzung

CDU-Ministerin hält Lebensmittel für zu günstig – Dehoga sieht wenig Spielraum

Landesagrarministerin Christine Schneider findet, dass Lebensmittel in Deutschland zu günstig sind und fordert mehr Wertschätzung für regionale Produkte. Diese Forderung trifft auf eine angespannte Realität im Gastgewerbe.
Politischer Cocktail-Afterwork in Berlin
Steuerdebatte
Steuerdebatte

Politisches Afterwork mit 140 Gästen in Berlin: Verbände warnen vor höheren Alkoholsteuern

Kurz vor den Haushaltsberatungen 2027 warnen DZG, BWSI und DBU beim politischen Cocktail-Afterwork vor der geplanten Erhöhung der Verbrauchsteuern auf Spirituosen und Sekt. Die Verbände sehen vor allem Bars, Kneipen, Clubs, Handel und Hersteller zusätzlich unter Druck.