Corona-Krise

„Verzweifelter Hilfeschrei nach Staatshilfen keine Bittstellerei“

Angela Inselkammer
Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststaettenverbandes Dehoga Bayern, am 5. März 2020 zu Gast in der ARD-Talkshow „Anne Will“. (Foto: ©picture alliance/Eventpress)
Dehoga-Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer drängt vor der nächsten Bund-Länder-Konferenz auf einen staatlichen Hilfsfonds für das Gastgewerbe – und verweist auf die erschreckenden Arbeitslosenzahlen.
Montag, 04.05.2020, 08:55 Uhr, Autor: Kristina Presser

Kurz vor dem 6. Mai, an dem Bund und Länder über weitere Corona-Lockerungen auch in der Gastronomie und Hotellerie beraten wollen, appelliert der Dehoga Bayern noch einmal eindringlich an die Politiker: Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, fordert dabei ein stufenweises Wiederhochfahren des Gastgewerbes. Betriebe sollten öffnen dürfen, soweit sie definierte Standards zum Infektionsschutz einhalten könnten, und zwar unabhängig von willkürlich gewählten Abgrenzungen wie Betriebsgrößen oder Öffnungszeiten.

Inselkammer: „Ohne Hotellerie und Gastronomie wird unser Leben ärmer, wir sind nicht nur systemrelevant, sondern lebensrelevant.“ Die Lage der gesamten Branche bezeichnete sie dabei erneut als „dramatisch“. Das zeigt auch ein Blick auf die nackten Zahlen: So meldete die Bundesagentur für Arbeit in ihrem Monatsbericht zum Arbeits-  und Ausbildungsmarkt April 2020, dass sich allein im Gastgewerbe rund 24.000 mehr Angestellte als im Vergleich zum Vorjahresmonat arbeitslos gemeldet haben – ein Plus von 208 Prozent. Mit knapp 92 Prozent ist das Gastgewerbe außerdem die Branche, die relativ am häufigsten Kurzarbeit für Ihre Beschäftigten angemeldet hat. „Waren im Februar deutschlandweit 173 Mitarbeiter in Kurzarbeit, so wurde im März und April für über eine Million Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt“, machte Inselkammer deutlich.

Entscheidungen zu Eröffnungstermin und Rettungsfonds müssen her

Die beschlossene Reduzierung der Mehrwertsteuer, mit der die Politik jüngst auf die langjährige Forderung der Gastronomen und Hoteliers eingegangen ist, betrachtet die Dehoga-Bayern-Präsidentin als akute Finanzhilfe kritisch: Die Senkung auf sieben Prozent sein ein enorm wichtiger Schritt gewesen, für die die Branche dankbar sei, heißt es seitens Inselkammer. Diese Maßnahme werde aber erst zum Tragen kommen, wenn die Betriebe überhaupt wieder Umsätze machen dürften. Bis dahin brauche es dringend einen Fonds mit direkten Finanzhilfen für alle Betriebstypen.

Die Branche erleide nicht aufgrund individueller Fehler Umsatzeinbrüche, sondern die Betriebe seien geschlossen worden, um die Gesundheit der Menschen zu gewährleisten. „Da ist ein verzweifelter Hilfeschrei nach staatlichen Mitteln keine Bittstellerei, sondern die einzige Möglichkeit, eine ganze Branche zu retten“, sagte Inselkammer. Bei der Bund-Länderkonferenz am Mittwoch müssten Entscheidungen zu Eröffnungstermin und Rettungsfonds getroffen werden.
(dpa/lby/KP)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

V.l.n.r.: Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes (DTV), Mirko Silz, CEO von L’Osteria und Mitinitiator des Gastgeberkreises, und Dirk Inger, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Reiseverbandes (DRV)
Branchenstimmen
Branchenstimmen

„Durch dieses unprofessionelle Verhalten werden Existenzen aufs Spiel gesetzt“

Die erneute Lockdown-Verlängerung ist beschlossen. Die Verzweiflung der Branche wächst. Wir haben Stimmen der Branchen nach der jüngsten Bund-Länder-Schalte gesammelt.
Junges Paar wird in einem bayerisches Wirtshaus bedient
Corona-Krise
Corona-Krise

Die Lage der Wirte bleibt prekär

Auch Bayern hat jetzt die Innengastronomien wieder geöffnet. Trotz gutem Start, bangen die Gastwirte jedoch weiter um ihre wirtschaftliche Existenz und rechnen mit enormen Umsatzverlusten, wie eine Blitz-Umfrage zeigt.
Bügelverschlussflaschen mit Apfelsaft
Kreatives Konzept
Kreatives Konzept

Gastro-Initiative Bayern 2020 geht an den Start

Um durch die Corona-Krise belasteten Gastronomen langfristig zu helfen, hat der Food-Startup-Inkubator Weihenstephan der Hochschule Weihenstephan eine Aktion ins Leben gerufen: Es geht um den Aufbau eines zweiten Standbeins.
Dr. Thomas Geppert
Kritik
Kritik

Dehoga Bayern widerspricht NGG: „7 Prozent kommen bei den Mitarbeitern an“

Seit dem 1. Januar 2026 gilt wieder der reduzierte Steuersatz von 7 % auf Speisen in der Gastronomie. Die Entlastung komme aber nicht bei den Mitarbeitern an, behauptet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Der Dehoga Bayern widerspricht dieser Kritik.
Touristin in Bayern
Statistik
Statistik

Tourismusrekord in Bayern trotz Wirtschaftsflaute

Am Urlaub wird zuletzt gespart: Obwohl die europäische Wirtschaft seit Jahren in der Flaute steckt, kommen mehr Gäste nach Bayern als je zuvor. Sie bleiben im Schnitt jedoch nur kurz.
Die oneDehoga-App
Unterstützung
Unterstützung

Dehoga startet KI-gestützte App für seine Mitglieder

Eine schnelle Hilfe rund um die Uhr für das Gastgewerbe: Mit einer neuen KI-gestützten App will der Dehoga seine Mitglieder entlasten. Die neue digitale Lösung soll Betrieben schnell, verlässlich und praxisnah Zugang zu allen relevanten Informationen und Services des Verbandes bieten.
Guido Zöllick, Angela Inselkammer und Dr. Thomas Geppert
Bewertung
Bewertung

Dehoga zur Tourismusstrategie: „Die Richtung stimmt – jetzt zählt das Tempo“

Am Mittwoch hat das Bundeskabinett die neue Nationale Tourismusstrategie der Bundesregierung beschlossen. Der Dehoga bewertet diesen Beschluss als starkes Signal für den Tourismusstandort Deutschland. 
Zwei Gastronomen bei der Abrechnung
Ratgeber
Ratgeber

7-%-Mehrwertsteuer in der Gastronomie: Was ist jetzt zu tun?

Die dauerhafte Rückkehr zur 7-Prozent-Mehrwertsteuer auf Speisen ist beschlossen – und bringt der Gastronomie ab 2026 endlich Planungssicherheit. Doch was müssen Betriebe jetzt konkret tun?
Azubiveranstaltung im Wildbad Rothenburg
Nachwuchsförderung
Nachwuchsförderung

Dehoga Bayern stärkt Nachwuchs mit inspirierendem Azubi-Tag

Ein Tag voller Impulse und Perspektiven: Azubis aus der Region erhielten im Wildbad Rothenburg ob der Tauber vielfältige Einblicke in Knigge, Gesundheit, Berufswege und Finanzwissen.