Lastspitzen als Kostenfaktor für Hotels
Ob Küche, Kühlung oder Wellnessbereich: In Hotels laufen regelmäßig mehrere stromintensive Anlagen gleichzeitig. Kurze Lastspitzen können dadurch die Stromrechnung über den reinen Energieverbrauch hinaus erhöhen.
Michael Koudelka ist im Energiebereich tätig und beschäftigt sich unter anderem mit Fragestellungen für Hotellerie und Gastronomie. Im HOGAPAGE-Interview erklärt er, wie Betriebe ihr Lastprofil auswerten, auffällige Spitzen erkennen und gegensteuern können, ohne den Gästekomfort zu beeinträchtigen.
Herr Koudelka, warum sind Lastspitzen für Hotels oft kostspieliger als ein hoher Gesamtverbrauch?
Ein hoher Gesamtverbrauch bedeutet zunächst, dass über einen bestimmten Zeitraum viel Energie bezogen wurde. Abgerechnet wird diese Energiemenge in Kilowattstunden. Lastspitzen beziehen sich dagegen auf die maximale elektrische Leistung, die innerhalb eines bestimmten Messintervalls benötigt wird. Sie wird in Kilowatt oder Megawatt angegeben.
Vereinfacht gesagt: Der Verbrauch zeigt, wie viel Energie insgesamt genutzt wurde. Die Last zeigt, wie viel Leistung zu einem bestimmten Zeitpunkt erforderlich war. Die Lastspitze ist der höchste gemessene Leistungswert innerhalb eines Abrechnungszeitraums.
Bei größeren Hotels oder Gewerbebetrieben kann neben dem Arbeitspreis für die verbrauchte Kilowattstunde ein leistungsabhängiges Entgelt berechnet werden. Maßgeblich ist dann häufig der höchste registrierte Leistungswert im jeweiligen Zeitraum. Eine kurze Verbrauchsspitze kann dadurch die Leistungskosten für einen ganzen Abrechnungszeitraum beeinflussen.
Ein Beispiel: Wenn mehrere leistungsstarke Anlagen nahezu gleichzeitig eingeschaltet werden, kann die elektrische Leistung kurzfristig stark ansteigen. Das betrifft etwa die Wiederaufheizung von Warmwasserspeichern, den gleichzeitigen Betrieb mehrerer Kältemaschinen, den Küchenbetrieb und das Laden von Elektrofahrzeugen. Selbst wenn diese Anlagen jeweils nur kurze Zeit laufen, können sie gemeinsam eine hohe registrierte Spitzenleistung verursachen.
Die entscheidende Größe ist daher nicht nur die Frage, wie viel Strom ein Hotel verbraucht, sondern auch, wann und in welcher Kombination die Anlagen Strom benötigen. Zwei Hotels mit einem ähnlichen Jahresverbrauch können deutlich unterschiedliche Leistungskosten haben, wenn ihre Lastprofile unterschiedlich verlaufen.
Welche Anlagen verursachen erfahrungsgemäß die größten Lastspitzen?
Die größten Lastspitzen entstehen meist nicht durch ein einzelnes kleines Gerät, sondern durch das zeitliche Zusammentreffen mehrerer leistungsintensiver Verbraucher. Besonders relevant sind folgende Anlagen:

Besonders kritisch sind Anlagen mit hohen Anlaufströmen. Motoren, Verdichter und Pumpen können beim Start kurzfristig deutlich mehr Leistung aufnehmen als im normalen Betrieb. Auch das gleichzeitige Wiederanlaufen vieler Anlagen nach einer Netzunterbrechung oder einer zentralen Abschaltung kann eine ungewöhnlich hohe Spitze auslösen.
In Hotels treten Lastspitzen außerdem häufig zu bestimmten Tageszeiten auf. Typische Zeitfenster sind:
- am frühen Morgen, wenn Warmwasserbereitung, Frühstücksküche, Lüftung und Wäscherei gleichzeitig anlaufen,
- am frühen Abend, wenn Küche, Beleuchtung, Klimatisierung und Wellnessanlagen parallel betrieben werden,
- an besonders heißen oder kalten Tagen, wenn die Gebäudetechnik mit hoher Leistung arbeitet,
- bei Veranstaltungen, wenn zusätzliche Räume, Küchentechnik und Klimaanlagen gleichzeitig genutzt werden,
- beim parallelen Laden mehrerer Elektrofahrzeuge.
Die tatsächlichen Ursachen unterscheiden sich jedoch von Hotel zu Hotel. Eine verlässliche Bewertung ist deshalb nur möglich, wenn das individuelle Lastprofil gemeinsam mit den Betriebszeiten der jeweiligen Anlagen betrachtet wird.
Wie können Hotelbetreiber ihr Lastprofil einsehen und richtig interpretieren?
Der erste Ansprechpartner ist in der Regel der Netzbetreiber, der Messstellenbetreiber oder der Energiedienstleister. Bei größeren gewerblichen Anschlüssen werden die Verbrauchs- und Leistungsdaten häufig über ein registrierendes Lastgangmessgerät erfasst. Die Daten können über ein Kundenportal, einen Energiedatenservice oder eine Energiemanagementsoftware bereitgestellt werden. Ein Lastprofil zeigt in zeitlicher Auflösung, wie sich die bezogene Leistung verändert. Je nach Messsystem werden beispielsweise Viertelstundenwerte dargestellt. Für die Analyse sollte man nicht nur den höchsten Einzelwert betrachten, sondern das gesamte Profil.
Besonders hilfreich sind folgende Fragen:
- Wie hoch ist die maximale Leistung im betrachteten Zeitraum?
- Zu welcher Uhrzeit und an welchem Wochentag tritt sie auf?
- Kommt die Spitze regelmäßig oder nur einmalig vor?
- Welche Anlagen waren zu diesem Zeitpunkt in Betrieb?
- Gibt es saisonale Unterschiede?
- Treten die höchsten Werte an Tagen mit hoher Auslastung auf?
- Gibt es auffällige Spitzen außerhalb der üblichen Betriebszeiten?
- Wie schnell steigt die Leistung an und wie lange bleibt sie auf hohem Niveau?
- Welche Grundlast besteht auch dann, wenn das Hotel wenig ausgelastet ist?
Für die Interpretation empfiehlt sich eine Kombination aus Messdaten und Betriebsinformationen. Das Lastprofil allein zeigt, dass eine Spitze entstanden ist. Es erklärt jedoch nicht automatisch, warum sie entstanden ist. Deshalb sollten die Daten mit Belegungszahlen, Veranstaltungsplänen, Wetterdaten, Küchenzeiten, Wartungsprotokollen und den Betriebszeiten der technischen Anlagen abgeglichen werden.
Ein einfacher Abgleich kann bereits viel aufdecken. Wenn eine Lastspitze jeden Morgen kurz nach sechs Uhr auftritt, kommen beispielsweise Warmwasserbereitung, Lüftung, Wäscherei und Küchenvorbereitung als mögliche Ursachen infrage. Tritt eine Spitze dagegen nur an einzelnen Veranstaltungstagen auf, sollte geprüft werden, welche zusätzlichen Räume und Anlagen an diesen Tagen genutzt wurden.
Hilfreich ist es, das Lastprofil in verschiedene Zeiträume aufzuteilen:
- Werktage und Wochenenden,
- Haupt- und Nebensaison,
- Tage mit hoher und niedriger Auslastung,
- Veranstaltungstage und reguläre Betriebstage,
- warme und kalte Außentemperaturen,
- Zeiten mit und ohne Elektrofahrzeugladung.
So lässt sich erkennen, ob die Spitzen betriebsbedingt, wetterbedingt, saisonal oder technisch verursacht sind.
Woran erkennt man vermeidbare oder ungewöhnliche Verbrauchsspitzen?
Eine Lastspitze ist nicht automatisch vermeidbar. Wenn ein Hotel bei voller Auslastung zu einer stark frequentierten Zeit mehrere unverzichtbare Anlagen benötigt, kann eine erhöhte Leistung technisch und betrieblich nachvollziehbar sein. Auffällig sind dagegen Spitzen, die ohne erkennbaren Anlass auftreten oder sich durch eine bessere Steuerung vermeiden lassen.
Typische Hinweise auf vermeidbare Spitzen sind:
- Mehrere Großverbraucher starten regelmäßig zur gleichen Uhrzeit.
- Warmwasserspeicher werden genau dann aufgeheizt, wenn Küche und Wäscherei bereits hohe Leistung benötigen.
- Elektrofahrzeuge laden gleichzeitig mit voller Ladeleistung.
- Kälteanlagen schalten nach einer zentralen Freigabe gleichzeitig ein.
- Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen laufen gegenläufig oder unnötig parallel.
- Anlagen bleiben auch bei geringer Auslastung in einem hohen Betriebszustand.
- Eine hohe Grundlast besteht nachts oder in ungenutzten Gebäudeteilen.
- Nach einer Netzunterbrechung starten viele Anlagen gleichzeitig wieder.
- Eine Spitze tritt nur an einem einzelnen Tag auf und lässt sich keinem normalen Betriebsablauf zuordnen.
- Die Leistung steigt stark an, obwohl sich Belegung, Wetter und Nutzung nicht verändert haben.
Ungewöhnlich können auch Lastspitzen sein, die deutlich vom bisherigen Muster abweichen. Wenn die höchste Leistung normalerweise am frühen Abend auftritt, plötzlich aber nachts registriert wird, sollte die Ursache geprüft werden. Denkbar sind beispielsweise eine Fehlsteuerung, ein defekter Temperaturfühler, ein falsch eingestelltes Zeitprogramm oder ein technischer Defekt.
Auch eine dauerhaft erhöhte Grundlast ist ein wichtiger Hinweis. Sie kann auf Anlagen hindeuten, die außerhalb der Betriebszeiten nicht vollständig abgeschaltet werden. Dazu zählen etwa Lüftungsanlagen, elektrische Heizungen, Kühlmöbel, Warmwasserzirkulation, Pumpen, Server- und Netzwerktechnik oder Beleuchtung in Nebenbereichen.
Für eine belastbare Bewertung sollten Betreiber ein einfaches Ereignisprotokoll führen. Darin können beispielsweise folgende Informationen festgehalten werden:
- Datum und Uhrzeit der auffälligen Spitze,
- Höhe der gemessenen Leistung,
- Hotelbelegung,
- Veranstaltungen,
- Außentemperatur,
- Betriebszustand von Küche, Wäscherei und Wellnessbereich,
- Ladezeiten von Elektrofahrzeugen,
- besondere technische Ereignisse,
- Wartungs- oder Reparaturarbeiten.
Nach einigen Wochen lassen sich häufig klare Zusammenhänge erkennen. Bei größeren Hotels kann zusätzlich eine Unterzählerstruktur sinnvoll sein, um einzelne Bereiche wie Küche, Kälte, Wäscherei, Wellness oder Elektromobilität getrennt zu erfassen.
Welche kurzfristigen Maßnahmen senken Spitzen, ohne den Gästekomfort zu beeinträchtigen?
Viele Maßnahmen lassen sich kurzfristig umsetzen, ohne Räume kälter, wärmer oder weniger komfortabel zu machen. Entscheidend ist, die Betriebszeiten leistungsintensiver Anlagen besser aufeinander abzustimmen.
Betriebszeiten verschieben
Nicht alle Anlagen müssen gleichzeitig laufen. Die Warmwasserbereitung, das Laden von Elektrofahrzeugen oder bestimmte Prozesse in der Wäscherei können in Zeiträume mit niedrigerer Grundlast verschoben werden. Dabei sollte die verfügbare Speicherkapazität berücksichtigt werden.
Anlagen zeitversetzt starten
Große Verbraucher sollten nicht gleichzeitig anlaufen. Ein zeitversetzter Start von Kälteanlagen, Lüftungsgeräten, Pumpen oder Warmwasserbereitern kann die maximale Leistung deutlich reduzieren, ohne die Gesamtbetriebszeit wesentlich zu verändern.
Ladeleistung von Elektrofahrzeugen steuern
Eine dynamische Ladeplanung verhindert, dass mehrere Fahrzeuge gleichzeitig mit voller Leistung laden. Die Fahrzeuge können weiterhin vollständig geladen werden, wenn die Ladezeiten über die Nacht oder andere lastarme Zeiträume verteilt werden.
Sollwerte und Zeitprogramme überprüfen
Falsch eingestellte Zeitprogramme führen häufig dazu, dass Heizungs-, Lüftungs- oder Klimaanlagen zu früh und gleichzeitig starten. Eine Anpassung an tatsächliche Belegungs- und Nutzungszeiten kann Spitzen reduzieren, ohne den Komfort zu beeinträchtigen.
Warmwasserbereitung koordinieren
Die Wiederaufheizung von Warmwasserspeichern sollte nicht zwingend in die Zeit hoher Küchen- oder Wäschereilast fallen. Durch eine abgestimmte Regelung kann die Erwärmung vorgezogen, verzögert oder in mehrere Ladezyklen aufgeteilt werden.
Kälteanlagen besser steuern
Kälteanlagen können häufig so geregelt werden, dass sie nicht alle gleichzeitig starten. Auch die Nutzung vorhandener thermischer Speicherfähigkeit, etwa in Kühlräumen oder Gebäudemassen, kann helfen, kurze Leistungsspitzen zu vermeiden. Dabei müssen die zulässigen Temperaturbereiche selbstverständlich eingehalten werden.
Leistungsbegrenzungen und Prioritäten einrichten
Ein Energiemanagementsystem kann definieren, welche Verbraucher bei drohenden Spitzen vorübergehend reduziert oder zeitlich verschoben werden. Typischerweise werden zuerst flexible Verbraucher angepasst, während sicherheitsrelevante und komfortrelevante Anlagen weiterlaufen.
Nicht benötigte Bereiche abschalten
In wenig belegten Bereichen können Beleuchtung, Lüftung und Klimatisierung bedarfsgerecht geregelt werden. Eine Einzelraum- oder Zonensteuerung ist dabei komfortabler und effizienter als eine pauschale Abschaltung des gesamten Gebäudes.
Mitarbeiter sensibilisieren
Klare Betriebsanweisungen können verhindern, dass mehrere Hochleistungsgeräte ohne Abstimmung eingeschaltet werden. Das betrifft insbesondere Küche, Wäscherei, Haustechnik und Veranstaltungsmanagement.
Anlaufvorgänge prüfen
Wenn auffällige Spitzen beim Start von Motoren oder Verdichtern entstehen, können technische Lösungen wie Frequenzumrichter, gestaffelte Startsequenzen oder eine optimierte Regelung sinnvoll sein. Diese Maßnahmen erfordern häufig eine technische Prüfung, können aber langfristig eine deutliche Wirkung haben.
Der Gästekomfort bleibt erhalten, wenn nicht die notwendige Leistung insgesamt reduziert wird, sondern vor allem die zeitliche Überlagerung verschiedener Verbraucher. Das Ziel lautet daher nicht, Anlagen unnötig abzuschalten, sondern ihren Betrieb intelligenter zu koordinieren.
Was sollten Hoteliers als ersten Schritt tun, wenn sie ihr Lastprofil optimieren möchten?
Als ersten Schritt sollten Hotelbetreiber eine belastbare Datengrundlage schaffen. Dazu gehört, die Lastgangdaten für mindestens mehrere Monate, möglichst für ein vollständiges Jahr, auszuwerten. Nur so lassen sich saisonale Unterschiede und wiederkehrende Muster zuverlässig erkennen.
Die Analyse sollte mindestens folgende Punkte umfassen:
- höchste gemessene Leistung,
- Zeitpunkt und Dauer der Leistungsspitzen,
- durchschnittliche Grundlast,
- Unterschiede zwischen Werktagen und Wochenenden,
- Unterschiede zwischen Haupt- und Nebensaison,
- Zusammenhang mit Auslastung und Veranstaltungen,
- Betriebszeiten der größten Verbraucher,
- mögliche technische oder organisatorische Ursachen.
Anschließend sollten die drei bis fünf höchsten Spitzen einzeln untersucht werden. Für jede Spitze sollte geklärt werden:
- Welche Anlagen liefen zu diesem Zeitpunkt?
- Welche Verbraucher wurden kurz zuvor eingeschaltet?
- War die Spitze vorhersehbar?
- Hätte ein zeitversetzter Betrieb ausgereicht?
- Welche Komfort- oder Sicherheitsanforderungen mussten berücksichtigt werden?
- Welche Maßnahme würde die Spitze künftig verhindern?
In vielen Fällen ist kein sofortiger kostenintensiver Umbau erforderlich. Bereits eine bessere Koordination von Zeitprogrammen, Ladezeiten und Anlagenstarts kann einen messbaren Effekt erzielen.
Für den Einstieg empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen:
- Lastgangdaten beschaffen und grafisch darstellen.
- Die höchsten Leistungsspitzen markieren.
- Betriebs- und Veranstaltungsdaten danebenlegen.
- Die größten elektrischen Verbraucher identifizieren.
- Betriebszeiten und Startsequenzen überprüfen.
- Flexible Verbraucher priorisieren und zeitlich steuern.
- Die Wirkung der Maßnahmen über mehrere Abrechnungszeiträume kontrollieren.
Bei komplexen Anlagen oder größeren Hotels kann eine professionelle Lastganganalyse durch einen Energieberater oder Energiedienstleister sinnvoll sein. Besonders aussagekräftig wird die Untersuchung, wenn Hauptverbraucher über Unterzähler oder ein Energiemanagementsystem getrennt erfasst werden.
Vielen Dank für das spannende Interview, Herr Koudelka!
(SAHO)