Kulinarischer Wechsel

Anton Schmaus stellt das Storstad in Regensburg neu auf

Hella Eggers, Anton Schmaus und Simone Kubitzek
Hella Eggers (l.) und Simone Kubitzek (r.) übernehmen die kulinarische Leitung im Storstad von Anton Schmaus (M.). (Foto: © Sina Meindl)
Nach dem Abschied von Küchenchef Josef Weig übernehmen Simone Kubitzek und Hella Eggers die kulinarische Gesamtverantwortung des Regensburger Sternerestaurants. Patron Anton Schmaus verbindet den Wechsel mit einer konzeptionellen Neuausrichtung des Gourmetrestaurants.
Dienstag, 30.06.2026, 09:50 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Regensburger Gourmetrestaurant Storstad leitet eine neue Ära ein. Nach über einem Jahrzehnt der Zusammenarbeit verlässt Küchenchef Josef Weig das Haus, um den elterlichen Betrieb zu übernehmen.

Den Abschied nutzt Patron Anton Schmaus für einen Neustart: Ab dem 1. Juli 2026 übernehmen Simone Kubitzek und Hella Eggers die kulinarische Gesamtverantwortung für das Restaurant. Das erste gemeinsame Menü der neuen Doppelspitze soll ab dem 4. August serviert werden.

„Wir müssen uns neu erfinden“

Für Anton Schmaus ist der Schritt ein bewusster Schnitt. „Nach elf großartigen Jahren mit Josef Weig war klar: Wir müssen uns neu erfinden“, sagt Schmaus. „Ich wollte eine spürbare Veränderung – im Führungsstil, in der Bildsprache der Gerichte und in der Energie des Restaurants.“

Mit Kubitzek und Eggers holt Schmaus zwei Köchinnen nach Regensburg, die bereits seit mehreren Jahren gemeinsam an Spitzenadressen gearbeitet haben. Beide waren im Drei-Sterne-Restaurant Aqua bei Sven Elverfeld tätig und wechselten anschließend zusammen ins Marcobrunn by Tristan Brandt. Nach eineinhalb Jahren gehen sie nun erneut als Team den nächsten Schritt – diesmal ins Storstad nach Regensburg.

„Simone und Hella bringen handwerkliche Präzision mit, aber auch eine große Lust auf Veränderung. Ihre Küche ist klar, kraftvoll, aromatisch und nah am Gast“, sagt Anton Schmaus.

Eine konzeptionelle Neuausrichtung

Mit der personellen Veränderung geht ab dem 1. Juli auch eine konzeptionelle Neuausrichtung einher. Anton Schmaus möchte im Storstad künftig wieder stärker als Gastgeber präsent sein – gemeinsam mit seiner Frau Anna, die seit Jahren eine zentrale Rolle im Service und in der Teamführung einnimmt. Beide wollen für ihre Gäste sichtbarer und konstanter da sein.

Als Patron gibt Schmaus den übergeordneten konzeptionellen Rahmen vor und widmet sich verstärkt der Weiterentwicklung seiner Restaurants. Die kulinarische Ausgestaltung des Storstad liegt bei Simone Kubitzek und Hella Eggers. Sie tragen gemeinsam die Verantwortung für Menü, Gerichte, Abläufe und die weitere Entwicklung der Küche. Unter ihrer Leitung soll das Storstad wieder stärker an die ursprüngliche Idee einer weltoffenen Küche mit einer geschmacklich eigenen Handschrift anknüpfen.

Mehr Freiheit durch à la carte 

Zugleich öffnet das Storstad seine Struktur und verabschiedet sich vom klassischen Menüzwang. Unter der Woche – von Dienstag bis Donnerstag – bietet das Restaurant künftig seinen Gästen die Möglichkeit, flexibel à la carte zu essen. Auch alkoholfreie Begleitungen sollen dabei stärker in den Fokus rücken.

Am Wochenende soll das Menü der Mittelpunkt bleiben. Es wird jedoch als Fünf-Gang-Variante gestaltet.

Engere Verbindung zur Sushi Bar Aska

Neu ist außerdem die engere Verbindung zur ebenfalls mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Sushi Bar Aska. Gäste des Storstad können künftig einzelne Gerichte von Meister Atsushi Sugimoto aus der benachbarten Sushi-Bar in ihr Storstad-Erlebnis integrieren. Damit rücken die beiden besternten kulinarischen Welten im Haus enger zusammen, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren.

„Das Storstad soll wieder stärker zu seiner ursprünglichen Idee zurückfinden“, sagt Schmaus. „Wir wollten immer die große, weite Welt nach Regensburg holen. Genau daran knüpfen wir jetzt wieder an.“

Die neuen Macherinnen: Wer sind Simone Kubitzek und Hella Eggers?

Simone Kubitzek absolvierte zunächst eine Ausbildung im Hotelfach, entdeckte dabei jedoch schnell die Küche für sich. Nach ihrer Koch-Ausbildung im Hotel Leicht in Biebelried führte ihr Weg in die Spitzengastronomie.

Fünf Jahre arbeitete Kubitzek im Hotel Schloss Elmau, zuletzt als Demichef und Chef de Partie im Gourmetrestaurant Luce d’Oro, heute Ikigai. Anschließend wechselte die heute 32-Jährige ins Aqua zu Sven Elverfeld, wo sie zuletzt als Junior Sous Chefin arbeitete.

Ihre Küche ist geprägt von asiatischen Aromen, bewusst eingesetzten Würzungen, Fermentationen und einer klaren Produktlogik. Dabei geht es ihr nach eigener Aussage nicht um plakative Effekte, sondern um Tiefe. „Mich fasziniert, wie vielfältig asiatische Küche sein kann“, sagt Kubitzek. „Ein Gewürz, eine Sauce oder ein Sud dürfen nicht einfach nur interessant klingen. Sie müssen einem Gericht Richtung geben.“

Im Storstad will Kubitzek diese Aromatik mit einem ausgeprägten Serviceverständnis verbinden. Durch ihre Ausbildung im Hotelfach denkt sie Küche und Service zusammen. „Wir wollen die Gäste mit offenen Armen empfangen, mit ihnen sprechen, ihnen unsere Küche erklären und dabei eine Atmosphäre schaffen, in der sich niemand verstellen muss.“

Hella Eggers startete ihre Karriere mit einer Kochausbildung im Jacob Restaurant bei Thomas Martin in Hamburg. Weitere Stationen folgten, darunter das Se7en Oceans, das Courtier und das Vendôme unter Joachim Wissler.

Im Vendôme stieg sie zur Chef-Patissière auf. Später wechselte die heute 33-Jährige als Patissière ins Aqua, wo sie mehrere Jahre Seite an Seite mit Simone Kubitzek arbeitete.

Als gelernte Köchin hebt Eggers die Grenzen zwischen den Posten bewusst auf. „Ich sehe keine Trennung zwischen Dessert und Küche“, sagt sie. „Es geht bei jedem Gang um Balance, Textur und pure Emotion.“

Vier starke Frauen an der Spitze

Für Anton Schmaus ist der Neustart auch ein Bekenntnis zur Förderung junger Talente und zu einer modernen, vielfältigen Führungskultur. Mit Simone Kubitzek und Hella Eggers in der Küche, Sommelière Simone Eberhard im Service und seiner Frau Anna Schmaus als Gastgeberin stehen künftig vier Frauen an der Spitze des Hauses.

Für Schmaus ist das kein Statement, sondern eine logische Entwicklung: „Gute Gastronomie entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen dürfen – unabhängig von Alter, Herkunft oder Geschlecht.“

(Storstad/SAKL)

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