Gastronomie

Biergarten rettet Pflanzen

Nadine Koch und Michael Sarnhof vom Kiez Garden
Nadine Koch (l), Sprecherin «Kiez Garden», und Michael Sarnhof, Betreiber «Kiez Garden», stehen mit Blumen hinter einem Hochbeet im Biergarten «Kiez Garden». Der Biergarten am Operettenhaus an der Reeperbahn ist eine kleine grüne Oase. Dank einer sogenannten Blümchenklappe. Dort werden Pflanzen abgegeben, die ein neues Zuhause suchen – und finden. (Foto: © picture alliance/dpa/Marcus Brandt)
Mit einer sogenannten Blümchenklappe rettet ein Kiez-Biergarten vernachlässigte Grünzeug vor dem Verdursten und begrünt gleichzeitig sein eigenes Gelände. Wer sich gar zu sehr für seinen nicht vorhandenen grünen Daumen schämt, kann die Gewächse auch anonym abgeben. 
Montag, 24.06.2024, 09:49 Uhr, Autor: Christine Hintersdorf

Der Biergarten am Operettenhaus an der Reeperbahn ist eine kleine grüne Oase. Dank einer sogenannten Blümchenklappe. Dort werden Pflanzen abgegeben, die ein neues Zuhause suchen – und finden.

Blümchenklappe – auch anonyme Abgabe möglich

Mitten auf der Hamburger Reeperbahn gibt es eine Blümchenklappe – seit März können Menschen dort Pflanzen, Blumen und Sträucher abgeben, falls sie keine Zeit, keinen Platz oder keinen grünen Daumen für sie haben. Das geht – dank der Klappe – auch anonym.

Die Blümchenklappe gehört zu einem neuen Biergarten direkt auf Höhe des Operettenhauses. Der Kiez Garden hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Kultstadtteil St. Pauli ein bisschen grüner zu machen. Dabei lässt er sich von den Hamburgern kräftig helfen.

„Die Idee der Blümchenklappe ist bei einem gemeinsamen Brainstorming mit dem Team entstanden“, sagt Nadine Koch, die für den Biergarten das Marketing übernommen hat.

Selbst Friedhof gibt Pflanzen ab

Etwa 30 bis 40 Pflanzen – von Johannisbeere über Pfefferminze, Kirschlorbeer und Lavendel bis hin zu Zimmerpflanzen und Kakteen – seien bereits abgegeben worden. Und alle fanden in dem gemütlichen Biergarten unter den Bäumen einen Platz. 

Es kommen aber auch größere Spenden, vom Ohlsdorfer Friedhof beispielsweise. „Sie haben uns viele Gräser gegeben, die sonst weggeworfen worden wären.“ Wenn sich Nadine Koch etwas wünschen könnte, dürften gern auch Efeu oder Weinranken abgegeben werden. „Damit hier schön alles zurankt“, sagt sie gut gelaunt. 

Spenden kommen reichlich

Mit den Spenden der vergangenen Wochen sind nun bereits zehn Hochbeete und zahlreiche Blumenkästen bepflanzt worden. Allerdings nicht vom Biergarten-Team selbst, sondern von ehrenamtlichen, sogenannten Greenkeepern.

Davon gibt es insgesamt zehn und sie sind durch ein kleines Casting ausgewählt worden, berichtet Biergarten-Chef Michael Sarnhof lachend: „Sie sollten schon wissen, was sie hier tun.“ Und so wird mindestens einmal in der Woche gepflanzt, geharkt, Unkraut gezupft und gepflegt. „Das ist eine richtige Oase auf dem Kiez geworden.“

Auktion für Überschuss

Demnächst – wenn es mal mehr abgegebene Pflanzen als Platz im Kiez Garden gibt – soll es zudem eine Pflanzenauktion geben. „Der Erlös geht an den Verein Leuchtfeuer, der uns sehr am Herzen liegt", sagt Sarnhof. 

Nicht alle abgegebenen Pflanzen konnten auch gerettet werden, einige wenige seien schon zu vertrocknet gewesen. Besonders außergewöhnliche Exemplare hat bislang noch niemand in die Blümchenklappe gestellt.
„Noch nicht einmal Hanfpflanzen“, sagt Kiez-Garden-Chef Sarnhof mit einem Zwinkern.

Aufstiegsrasen für den Biergarten

Trotz Blümchenklappe geben die meisten ihre Pflanzen nicht anonym ab.
„Viele wollen auch gern wissen, was aus ihren Spenden wird. Auf Instagram posten wir deshalb immer wieder mal Updates“, sagt Marketing-Expertin Koch. 

Eine Besonderheit ist aber dennoch in einem der Hochbeete zu finden.
„Wir haben hier ein kleines Stück Aufstiegsrasen liegen. Den müssen wir jetzt hegen und pflegen“, sagt Koch. Auf dem etwa zehn mal zehn Zentimeter großen Rasenstück aus dem Millerntor-Stadion klebt ein kleiner St.-Pauli-Aufkleber – der Fußballclub stieg in dieser Saison wieder in die Bundesliga auf. 

(dpa/CHHI)

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