Umsatzchance

Fußball-WM 2026: Public Viewing verlagert sich in die Gastronomie

Public-Viewing in einer Kneipe
Während viele Städte zur WM 2026 auf große Fanmeilen verzichten, könnten Kneipen, Bars und Biergärten stärker in den Fokus rücken. (Foto: © gpointstudio/stock.adobe.com)
Späte Anstoßzeiten, gelockerte Lärmschutzregeln und weniger Fanmeilen: Zur Fußball-WM 2026 dürfte das Public Viewing stärker in Bars, Kneipen und Biergärten stattfinden. Für Gastronomen ergeben sich dadurch zusätzliche Umsatzchancen – auch, weil es noch eine gute Nachricht für die Branche gibt. 
Mittwoch, 06.05.2026, 11:25 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Die Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird für Fans in Deutschland zum Turnier extremer Uhrzeiten. Viele Spiele laufen wegen der Zeitverschiebung erst am Abend oder tief in der Nacht.

Die positive Nachricht für die Fans: Wenn die deutsche Nationalmannschaft ab dem 11. Juni in Nordamerika um ihren fünften WM-Titel kämpft, darf auch hierzulande beim Public Viewing bis spät in die Nacht mitgefiebert und gejubelt werden – zumindest theoretisch.

Denn das Bundeskabinett hatte zwar Ausnahmen von den Lärmschutzregeln beschlossen und so den Weg für Fanfeste auch nach 22.00 Uhr freigemacht. Die Umsetzung liegt aber bei den Behörden vor Ort – und die verzichten vielerorts auf Partymeilen. Die Hoffnung der Fans ruht damit auf der Gastronomie. 

Ausnahmen bei der Nachtruhe

Normalerweise gilt in Deutschland die Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr. Für die WM hat das Bundeskabinett jedoch die Ausnahmen beschlossen, dass diese Grenze verschoben werden kann.

Dadurch können Public-Viewing-Veranstaltungen grundsätzlich auch nach 22 Uhr stattfinden, denn ein großer Teil der Spiele fällt in die Nachtstunden. Allerdings entscheiden die Kommunen selbst über die konkrete Umsetzung. 

Keine Fanmeilen in deutschen Großstädten

Während es bei der Heim-EM vor zwei Jahren viele Fanmeilen gab, halten sich die Großstädte diesmal zurück. So soll es in Bayerns Metropolen München und Nürnberg keine offiziellen Feste geben. Grund sei auch das schwindende Interesse.

„Public Viewings gibt es heute ja im Prinzip in jedem Biergarten“, erklärte ein Sprecher der Olympiapark München GmbH. In Nordrhein-Westfalen verzichten Köln oder Dortmund ebenfalls auf ein eigenes Public Viewing. Auch in Hamburg, Leipzig, Mainz oder Stuttgart wird keine Großleinwand aufgebaut. 

Zumindest in der Hauptstadt ist laut dem Portal berlin.de wieder eine Fanmeile rund um das Brandenburger Tor geplant. Details liegen noch nicht vor. 

Damit dürfte sich der Großteil des Public Viewings direkt in die Gastronomie verlagern. Denn Ausnahmen gibt es vielerorts für Kneipen und Restaurants. Etwa in Berlin für Spiele, die bis 22.00 Uhr angepfiffen werden.

Auch in Köln sind TV-Übertragungen auf Außenplätzen bei Spielen, die bis 22.00 Uhr beginnen, möglich. Aber: Trommeln oder Tröten sind verboten. Mainz oder Frankfurt wollen zu einem späteren Zeitpunkt über konkrete Genehmigungen für die Gastronomie entscheiden. 

Auch in England und Wales sollen die Pubs zur WM länger öffnen dürfen - für Spiele von England oder Schottland in den K.o.-Runden bis 1.00 Uhr, wenn der Anstoß zwischen 17.00 und 21.00 Uhr erfolgt. Sogar bis 2.00 Uhr bei Spielbeginn zwischen 21.00 und 22.00 Uhr. 

Telekom macht Weg für Public Viewing und Kneipen-TV frei

Viele Wirte dürften angesichts der späten Anstoßzeiten mächtig geschimpft haben. Schließlich wäre ein Biergarten am Nachmittag definitiv voller gewesen als in der Nacht.

Eine gute Nachricht gibt es jetzt trotzdem: Die Betriebe können alle 104 Spiele ohne Zusatzkosten auf bestehenden Sky-Receivern zeigen. Auch Übertragungen auf öffentlichen Plätzen werden durch eine Kooperation möglich.

Der TV-Rechte-Inhaber Telekom schloss eine entsprechende Kooperation mit Sky. Für Gastronomiebetriebe ist das Angebot laut Telekom „ohne zusätzliche Kosten auf bestehenden Sky Receivern verfügbar“. Sky stellt demnach bei dieser Kooperation die technische Infrastruktur für die Gastronomie und für kommerzielle Public-Viewing-Veranstaltungen bereit.

Veranstalter können über Sky die erforderlichen FIFA-Lizenzen beantragen und erhalten im Anschluss die passende Hardware. Betriebe ohne bestehendes Sky-Abonnement können über spezielle Angebote wie den zeitlich begrenzten „Sky-Gastro-Pass“-Zugang zu den MagentaTV-Kanälen erhalten. Die Telekom hat die Medienrechte für alle WM-Partien erworben und zeigt 44 Spiele exklusiv für ihre Kunden.

Durch eine Vereinbarung mit ARD und ZDF laufen 60 Begegnungen zusätzlich im frei zu empfangenden Fernsehen.

Für Bars, Kneipen, Restaurants und Hotels könnte die WM trotz der ungewöhnlichen Anstoßzeiten zusätzliche Umsätze bringen. Gerade weil große Fanmeilen vielerorts fehlen, dürften sich Fans häufiger in gastronomischen Betrieben treffen – sofern diese Public Viewing anbieten.

Gleichzeitig steigen jedoch auch die Anforderungen an Personalplanung, Sicherheitskonzepte und mögliche Nachtzuschläge. Ob sich lange Öffnungszeiten wirtschaftlich rechnen, dürfte damit letztlich stark von Spielzeiten, Standort und Gästeaufkommen abhängen. Gastronomen sollten deshalb frühzeitig prüfen, bei welchen Spielen sich verlängerte Öffnungszeiten rechnen, wie hoch der erwartete Gästeandrang ist und ob ausreichend Personal verfügbar ist.

Turnier der Extreme: 17 verschiedene Anstoßzeiten

Insgesamt gibt es 17 verschiedene Anstoßzeiten. Am häufigsten wird um 21.00 Uhr angepfiffen (19 Spiele), gefolgt von 3.00 Uhr (11 Spiele), 22.00 Uhr (10 Spiele) und Mitternacht (9 Spiele).

Besonders hart trifft es Spiele an der US-Westküste. Partien in Los Angeles oder San Francisco beginnen häufig um 3.00 Uhr oder 4.00 Uhr deutscher Zeit. 

Wann spielt Deutschland?

Das erste Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Curaçao findet um 19.00 Uhr statt. Die beiden Spiele gegen die Elfenbeinküste und Ecuador starten um 22.00 Uhr.

Gewinnt Deutschland die Gruppe, wäre das Sechzehntelfinale um 22.30 Uhr. Ein mögliches Achtelfinale gegen Frankreich könnte um 23.00 Uhr angepfiffen werden. Das Finale und die Halbfinals starten um 21.00 Uhr, das Spiel um Platz 3 um 23.00 Uhr.

(dpa/SAKL)

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