Studie

Report „Handelsgastronomie in Deutschland 2020“

Gäste im IKEA-Restaurant
Gehört für viele IKEA-Kunden schon fest zum Einkaufsprogramm: ein Besuch im Möbelhauseigenen Restaurant. (Foto: ©Inter IKEA Systems B.V.)
Das EHI Retail Institut hat seinen jährlichen Bericht zur Handelsgastronomie in Deutschland veröffentlicht. Es zeigt sich: Diese schließt zunehmend die Lücke zu klassischen Gastronomie.  
Dienstag, 08.09.2020, 15:08 Uhr, Autor: Kristina Presser

Das Forschungs- und Beratungsinstitut für den Handel und seine Partner EHI Retail Institute hat seine Studie „Handelsgastronomie in Deutschland 2020“ veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass sich die Handelsgastronomie zunehmend professionalisiert. Insgesamt erwirtschaftet der deutsche Einzelhandel 2019 einen Jahresumsatz von rund 10 Mrd. Euro an über 35.000 Verkaufsstellen mit seinen Versorgungskonzepten in den Vorkassenzonen, mit To-go-Convenience und mit gastronomischen Angeboten auf der Fläche. Das entspricht einer Steigerung von rund vier Prozent jährlich gegenüber 2017. Jeder zweite Kunde der Handelsgastronomie kauft bei der Gelegenheit auch andere Artikel im Handel vor Ort ein.

Handelsforscher Olaf Hohmann erklärt dazu: „Wir beobachten einen deutlichen Trend zur Qualitätssteigerung im Hinblick auf die Speisen und Getränke sowie die Ausstattung und das Ambiente.“ Inzwischen würden die Händler nicht mehr den Vergleich mit der klassischen Gastronomie scheuen und zunehmend relevante Umsätze erzielen.

Was die Handelsgastronomie so erfolgreich macht

EHI-Studie – Grafik zu Erfolgsfaktoren der Handelsgastronomie
EHI-Studie – Grafik zu Erfolgsfaktoren der Handelsgastronomie.

Ihre Kernkompetenzen und Erfolgsfaktoren sieht die Handelsgastronomie, laut Studienergebnis, in der Kundennähe, der schnellen Verfügbarkeit des Speisenangebots, der schnellen Bezahlung und einem angemessenen Preis-Leistungsverhältnis. Für den Erfolg wichtig seien ihrer Ansicht nach auch Authentizität, Atmosphäre, freundliches Personal, guter Service, frische und qualitativ hochwertige Zutaten. Zunehmend wünschen sich die Kunden nach Angaben der Händler beim Speisenangebot auch einen Fokus auf die Themen Nachhaltigkeit, Regionalität und Herkunft der Zutaten.

Mit Blick auf die Corona-Krise lässt sich resümieren, dass die Handelsgastronomie davon weniger stark betroffen war als die klassische Gastronomie. Im ersten Halbjahr 2020 hatte die Handelsgastronomie mit einem Minus zwischen 20 und 30 Prozent vergleichsweise geringe Umsatzeinbußen. Die gastronomischen Angebote im Nonfood-Handel waren dabei stärker betroffen als die des Lebensmitteleinzelhandels. In der aktuellen Pandemie-Situation kommt für die Handelsgastronomie positiv hinzu, dass die Kunden das One-Stop-Shopping schätzen. Beim Einkauf ermöglichen es die handelsgastronomischen Angebote schnell und preiswert zu speisen oder gleich auf To-go-Angebote zurückzugreifen und so den Unbequemlichkeiten der Kontaktbeschränkungen zu entgehen.

EHI-Studie – Grafik zum Umsatz der Handelsgastronomie
EHI-Studie – Grafik zum Umsatz der Handelsgastronomie.

Zur Datenerhebung

Die EHI-Studie „Handelsgastronomie in Deutschland 2020“ basiert auf Interviews mit Verantwortlichen der Handelsgastronomie der deutschen Handelsfilialisten sowie mit mittelständischen Unternehmern. Die befragten deutschen Handelsunternehmen erwirtschafteten 2019 einen Nettoumsatz von ca. 110 Mrd. Euro. Insgesamt beteiligten sich an der Studie 18 filialisierte deutsche Handels- und Tankstellenkonzerne und zwei Unternehmen aus der Schweiz und Österreich. Die deutschen Teilnehmer repräsentieren etwa 15.100 Filialen mit gastronomischem Angebot und ca. 15 Mio. Quadratmeter Handelsfläche und über 640.000 Mitarbeitende.
(EHI/KP)

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