Analyse

So setzen Aramark, Sodexo und Klüh Catering ESG-Maßstäbe mit nachhaltiger Millionenwirkung

Salatbüfett
Caterer wie Aramark, Sodexo und Klüh setzen verstärkt auf nachhaltige Speisekonzepte, um Scope-3-Emissionen in der Lieferkette zu senken. (Foto: © Robert Poorten/stock.adobe.com)
Von Operationalisierung über Sortimentserweiterung bis zu aufklärender Kommunikation – die Caterer Aramark, Sodexo und Klüh Catering machen vor, wie sich Strategien für pflanzenbetonte Ernährung vielfältig verankern lassen. Die Ernährungsorganisation ProVeg International hat die verschiedenen Vorgehensweisen untersucht.
Donnerstag, 22.01.2026, 13:59 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Mit pflanzenbetonten Strategien können Unternehmen mit Bezug zum Ernährungssektor Emissionen aus ihrer Lieferkette am wirksamsten senken. Die Catering-Branche verfügt dabei häufiger als andere Branchen über konkrete, messbare Ziele, beobachtet die Ernährungsorganisation ProVeg. Sie kann pflanzliche Optionen für Millionen Menschen als Standard etablieren und macht sich so für eine steigende Nachfrage bereit.1

„Viele Wege der ESG-Implementierung können Unternehmen zu greifbaren Erfolgen führen. Einige pflanzenbetonte Strategien haben sich zur Senkung der Scope-3-Emissionen besonders bewährt. Davon lohnt es sich zu lernen“, erklärt Katleen Haefele, Direktorin Corporate and Institutional Engagement bei ProVeg.

Die Aramark-Strategie: Konkrete Ziele und greifbare Fortschritte

Ulrike Mössner leitet bei Aramark den Bereich Kulinarische Kreationen und Ernährung. „Die Erfahrungen mit unserer Menülinie ‚V like‘ zeigen, dass eine pflanzenbetonte Ernährung dann erfolgreich ist, wenn sie strategisch verankert und kontinuierlich ausgewertet wird“, erläutert sie. Das Unternehmen geht deshalb SMART vor, das heißt, der Caterer verfolgt klare, konkrete und erreichbare Ziele.

Das Vorgehen dient der Umsetzbarkeit, führt Mössner aus: „Dieser Ansatz ermöglicht es uns, Entwicklungen transparent nachzuvollziehen und praxisnah weiterzuentwickeln.“ Bis 2030 strebt Aramark eine Reduktion des Fleischanteils um 30 Prozent an.2

Für die Definition seiner pflanzenbetonten Ziele hat sich der Dienstleister an der Initiative Cool Food Pledge orientiert, die Lebensmittelanbietern einen klaren und wissenschaftlich fundierten Fahrplan zur Reduzierung ernährungsbedingter Emissionen gibt.3

Die Sodexo-Strategie: Sortimentsausbau nach dem Baukastenprinzip

Sodexo hat die Basis seiner Speisen vollständig auf pflanzliche Komponenten umgestellt: „Alle tierischen Produkte, wie Fette, haben wir aus den Standardrezepturen gestrichen und durch pflanzliche Alternativen ersetzt. Ohne Abstriche bei Qualität und Geschmack“, erläutert Franziska Hamma, Head of CSR bei Sodexo.

Nach Absprache zwischen den Betriebsleitern und den Kunden-Ansprechpartnern können Gäste auf Wunsch Fleisch, Fisch oder vegetarische Alternativen ergänzen. „Das Baukastenprinzip trägt wesentlich zur Akzeptanz bei. Die Wahlfreiheit bleibt erhalten, gleichzeitig profitieren alle Gäste automatisch von der pflanzlichen Basis“, führt Hamma aus.

Seit 2025 ist jedes dritte Gericht im zentralen Speiseplan von Sodexo pflanzlich, berichtet das Unternehmen.4 Ein Teil der Betriebsrestaurants setzt diesen Speiseplan konsequent um, erläutert die Nachhaltigkeitsmanagerin. Ein Anreiz dafür sind wissenschaftlich fundierte Schwellenwerte für die Emissionen, die den Restaurants als einfacher und messbarer Rahmen dienen. Außerdem ermöglichen sie eine gut verständliche Kommunikation: Auf dem Speiseplan erfahren die Gäste die individuellen CO2-Werte je Gericht.

„Durch die pflanzliche Basis sämtlicher Gerichte senken wir den CO2-Ausstoß im Vergleich zu traditionellen Speiseplänen im Durchschnitt um rund 600 Gramm pro Gericht“, so Hamma.

Die Klüh-Strategie: Branchenallianz und Aufklärung über Mehrwerte

„Die Transformation der Gemeinschaftsverpflegung kann nur gelingen, wenn viele Akteure gemeinsam Standards, Ziele und Erfahrungen teilen“, betont Thorsten Greth, Geschäftsführer bei Klüh Catering. Die Tochtergesellschaft der Klüh-Gruppe ist Gründungsmitglied der Allianz für verantwortungsvolle Esskultur, die Praxiswissen bündelt.5 Aufklärung zähle dabei als ein strategisches Schlüsselelement, da sie verdeutliche, „dass pflanzenbetonte Gerichte Genuss, Gesundheit, Ressourcenschonung und CO2-Einsparung vereinigen“, so Greth weiter. 

Nudging in App und Speiseplan mit klar verständlichen Informationen über CO2-Einsparungen, relevante Gesundheitsaspekte oder die Planetary Health Diet präsentieren pflanzenbetonte Gerichte als „attraktives Mehrwertangebot“.

„Besonders überrascht hat intern wie extern, dass bereits vergleichsweise einfache Substitutionen von klassischen Komponenten in einem Gericht den Anteil an CO2-Äquivalenten um bis zu rund zwei Drittel senken können und zugleich eine hohe Gästeakzeptanz erzielen.“ Klüh Catering führt seine CO2-Einsparungen 2024 maßgeblich auf die Menülinie „We love Green“ und pflanzenbetonte Jahresaktionen zurück.

Eine Branche mit Einfluss

„Im Vergleich zu anderen Branchen wie Lebensmitteleinzelhandel, Systemgastronomie und Herstellern verfügen Contract Caterer am häufigsten über konkrete, messbare Ziele, die ihre Berichtsfähigkeit massiv steigern“, erläutert Katleen Haefele von ProVeg. Mit regelmäßigen Fortschrittsberichten setzen sie sehr konsequent auf Transparenz. Dabei können sie ein Konzept an vielen Standorten gleichzeitig wirksam implementieren.

„Indem die Caterer den Markt aktiv gestalten, kann ihr Beitrag dazu, nachhaltige Ernährung zur Gewohnheit zu machen, gar nicht hoch genug eingeschätzt werden“, betont Haefele. „So unterschiedlich die Nachhaltigkeitsstrategien der Caterer auch sind: Ihre Gäste können ganz einfach ein nachhaltiges Essen genießen.“

Die EU-Richtlinie CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) verpflichtet große kapitalorientierte Unternehmen, ESG-Berichte (Environmental, Social, Governance) zu erstellen, die ihre Nachhaltigkeitserfolge darlegen.6 Auch viele Mittelstandsunternehmen berichten freiwillig über ihre Nachhaltigkeitserfolge.

Scope-3-Emissionen sind indirekte Emissionen aus der Lieferkette und machen für viele Unternehmen den größten Anteil der Klimabilanz aus.7 Unternehmen mit Ernährungsbezug können Scope-3-Emissionen besonders effektiv senken, indem sie eine pflanzenbetonte Ernährung fördern, etwa nach den Empfehlungen der wissenschaftlich fundierten Planetary Health Diet.

  • Aramark hat sein Zwischenziel für 2025 bereits übertroffen und den Fleischanteil um 22 Prozent gegenüber 2019 gesenkt.8
  • Sodexo spart dank eines Baukastenprinzips rund 600 Gramm CO2-Äqivalente pro Gericht ein.9
  • Klüh Catering hat 2024 insgesamt 243 Tonnen CO2 eingespart, maßgeblich mit pflanzenbetonten Maßnahmen.10

Quellen

1 Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat die Zahl der in der Gemeinschaftsverpflegung täglich versorgten Menschen für 2024 auf mindestens 14,73 Millionen geschätzt. Vgl. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2024): Wie viele Menschen essen in Deutschland täglich in der Gemeinschaftsverpflegung? Online unter: https://www.dge.de/blog/2024/wie-viele-menschen-essen-in-deutschland-taeglich-in-der-gemeinschaftsverpflegung/
2 Aramark (2025): Fortschrittsbericht Masthuhn-Initiative 2025, veröffentlicht am 28.05.2025. Online unter: https://www.aramark.de/content/dam/aramark/de/nachhaltigkeit/ethisch-einkaufen/Fortschrittsbericht%20Masthuhninitiative_28.05.2025_final.pdf
3 Aramark: Be Well Do Well – 2024 Progress Report. Online unter: https://www.aramark.cl/content/dam/aramark/cl/cards-sostenibilidad/reportes/2024%20Aramark%20BWDW%20Progress%20Report.pdf
4 Vgl. Sodexo (2023): Wie Sodexo mit pflanzenbasiertem Essen seine Nachhaltigkeitsziele vorantreibt, Pressemitteilung vom 16.11.2023. Online unter: https://www.sodexo.de/presse/sodexo-treibt-mit-pflanzenbasiertem-essen-nachhaltigkeitsziele-voran
5 Klüh (2025): Klüh Catering tritt Allianz für verantwortungsvolle Esskultur bei, Pressemitteilung vom 04.02.2025. Online unter: https://www.klueh.de/aktuelles/presse-und-medien/presse-detail/klueh-catering-tritt-allianz-fuer-verantwortungsvolle-esskultur-bei
6 Europäische Kommission (2025): Corporate sustainability reporting, veröffentlicht am 09.12.2025. Online unter: https://finance.ec.europa.eu/capital-markets-union-and-financial-markets/company-reporting-and-auditing/company-reporting/corporate-sustainability-reporting_en 
7 CDP (2024): Corporates’ supply chain scope 3 emissions are 26 times higher than their operational emissions, Pressemitteilung vom 25. Juni 2024. Online unter: https://www.cdp.net/en/press-releases/corporates-supply-chain-scope-3-emissions-are-26-times-higher-than-their-operational-emissions
8 Aramark (2025): Fortschrittsbericht Masthuhn-Initiative 2025, veröffentlicht am 28.05.2025. Online unter: https://www.aramark.de/content/dam/aramark/de/nachhaltigkeit/ethisch-einkaufen/Fortschrittsbericht%20Masthuhninitiative_28.05.2025_final.pdf
9 Sodexo (2025): Better Tomorrow Bilanz: Die Nachhaltigkeits-Roadmap von Sodexo Deutschland – Trends, Zahlen und Analysen, veröffentlicht im Dezember 2025. Online unter: https://edge.sitecorecloud.io/sodexofrance1-sodexocorpsites-prod-e74c/media/Project/Sodexo-Corp/Europe/DE/Media/PDFs/whitepapers-etc/2025/sodexo-deutschland-nachhaltigkeits-bilanz-2025.pdf
10 Klüh Multiservices: Innovating service – Preserving value: Sustainability Report 2024. Online unter: https://www.klueh.de/fileadmin/user_upload/klueh_de/documents/Familienunternehmen/Nachhaltigkeit/NHB_2024_diverse/klueh_NHB_2024_EN_web.pdf 

(ProVeg/SAKL)

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