So verändert sich Europas Foodservice-Markt
Europas Foodservice-Markt zeigt sich auf den ersten Blick stabil. In den fünf größten Märkten Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien erreichten die jährlichen Ausgaben im Zeitraum bis Ende Juni 2026 insgesamt 361,2 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 1,4 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl der Besuche allerdings um 0,7 Prozent. Der durchschnittliche Bon pro Gast stieg um 2,1 Prozent.
Hinter diesen Zahlen vollzieht sich nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Circana ein grundlegender Wandel: Die verschiedenen Generationen nutzen Gastronomie zunehmend unterschiedlich – und ihr wirtschaftliches Gewicht entspricht dabei keineswegs immer ihrem Anteil an der Bevölkerung.
„Auf den ersten Blick wirkt der europäische Foodservice-Markt bemerkenswert stabil“, sagt Edurne Uranga, VP Foodservice Europe bei Circana. „Die Ausgaben steigen weiter, die Zahl der Besuche hat sich nur geringfügig verändert und die Verbraucher gehen nach wie vor auswärts essen. Doch diese vermeintliche Stabilität täuscht, denn das Verhalten der Generationen verändert sich.“
Junge Gäste gehen überdurchschnittlich häufig essen
Die Analyse von Circana zeigt, dass der Bevölkerungsanteil nur begrenzt Rückschlüsse auf die Bedeutung einer Generation für den Foodservice-Markt zulässt. Besonders deutlich wird das bei der Gen Z. Sie stellt in den fünf untersuchten Märkten 16 Prozent der Bevölkerung. Ihre Zahl an Foodservice-Besuchen liegt jedoch 39 Prozent über dem Wert, der allein aufgrund ihres Bevölkerungsanteils zu erwarten wäre. Auch Millennials und Gen X nutzen gastronomische Angebote überproportional häufig.
Ein völlig anderes Bild zeigt sich bei den Babyboomern. Obwohl sie 29 Prozent der Bevölkerung ausmachen, erreicht ihre Foodservice-Nutzung laut Circana lediglich einen Indexwert von 60.
Die Generation Alpha ist zwar die jüngste Kohorte, fungiert aber bereits als Einstiegspunkt in den Markt. Auffällig ist dabei, dass sich ihre Ausgaben stärker auf Einzelhandelskanäle für den Sofortverzehr konzentrieren als auf die klassische Gastronomie.
Markengastronomie punktet bei jungen Generationen
Besonders groß sind die Unterschiede in der Marken- und Systemgastronomie. Insgesamt entfallen 29 Prozent der Ausgaben in der kommerziellen Gastronomie auf Markenrestaurants. Bei der Generation Alpha sind es dagegen bereits 40 Prozent, bei Gen Z und Millennials jeweils 35 Prozent. Bei der Gen X liegt der Anteil bei 24 Prozent. Babyboomer geben lediglich rund 16 Prozent ihres Gastronomiebudgets bei Markenrestaurants aus.
Circana erklärt die Unterschiede zwischen den Generationen unter anderem mit abweichenden Erwartungen an gastronomische Angebote. Jüngere, digital geprägte Zielgruppen achten demnach stärker auf schnelle Verfügbarkeit und individuell zugeschnittene Angebote. Etablierte Markenkonzepte entsprechen diesen Nutzungsgewohnheiten besonders gut, da sie häufig über digitale Kanäle und Lieferdienste entdeckt, bestellt und genutzt werden.
Für Betreiber ergibt sich daraus eine doppelte Chance: Zum einen können sie ihre Angebote stärker auf die zunehmende Bedeutung jüngerer Verbraucher ausrichten. Zum anderen bietet sich Potenzial, ältere Zielgruppen gezielter anzusprechen, die den Foodservice-Markt bislang deutlich seltener nutzen.
Gen Z setzt bewusstes Gesundheitsverhalten in die Praxis um
Ein besonders deutliches Beispiel für verändertes Verhalten zwischen den Generationen ist das bewusste Gesundheitsverhalten. Die Untersuchung von Circana zeigt, dass zwölf Prozent der Gen-Z-Konsumenten Intervallfasten praktizieren – gegenüber sieben Prozent in der Gesamtbevölkerung. 24 Prozent achten auf eine proteinreiche Ernährung und 20 Prozent auf biologische oder natürliche Produkte. Weitere 13 Prozent geben an, Kaffee zu meiden.
Die Ergebnisse sprechen für einen bewussteren Umgang der Gen Z mit Essen und Getränken. Proteine, natürliche Zutaten und veränderte Mahlzeitenrhythmen beeinflussen zunehmend, was, wann und wo diese Generation konsumiert.
Für Betreiber bedeutet dies, nicht nur einzelne vermeintlich gesündere Speisen auf die Karte zu setzen, sondern das gesamte Angebot daraufhin zu betrachten, inwieweit es veränderte Tagesabläufe und Prioritäten widerspiegelt.
Circana geht davon aus, dass sich digitale Convenience bei der Generation Alpha noch stärker etablieren wird. Ihr Anteil an Delivery-Angeboten liegt bereits beim 1,3-Fachen des Bevölkerungsdurchschnitts und ist siebenmal so hoch wie bei den Babyboomern.
Solo-Dining entwickelt sich zum relevanten Geschäft
Auch die Art des Restaurantbesuchs verändert sich. Fast 60 Prozent der Foodservice-Anlässe entfallen laut Circana inzwischen auf Gruppen von nur einer oder zwei Personen.
Solo-Dining macht bereits rund ein Drittel der Besuche zu Hauptmahlzeiten aus. Besonders Millennials treiben diese Entwicklung. Bemerkenswert ist dabei der Umsatz: Millennials geben bei einem Solo-Besuch laut Circana rund 70 Prozent mehr aus als bei einem Restaurantbesuch in einer Gruppe.
Gleichzeitig erkennt das Marktforschungsunternehmen noch ungenutztes Potenzial. Solo-Gäste bestellen beispielsweise deutlich seltener Fisch, Meeresfrüchte, Pasta oder Nudelgerichte als bei Gruppenbesuchen. Ein möglicher Grund könnten Portionsgrößen und Menüstrukturen sein, die noch stark auf gemeinschaftliche Restaurantbesuche ausgelegt sind.
Gen X: Angebot schlägt Preis
Auch bei der Gen X lohnt ein genauerer Blick. 69 Prozent nennen die gestiegenen Lebenshaltungskosten als ein Thema, das ihnen Sorgen bereitet. Trotzdem ist der Preis bei der Wahl eines Restaurants nicht das wichtigste Kriterium. Mit 35 Prozent steht das Produkt- beziehungsweise Speisenangebot an erster Stelle, gefolgt von Convenience mit 33 Prozent und dem Preis mit 27 Prozent.
Für Gastronomen zeigt sich damit, dass Preisbewusstsein nicht automatisch bedeutet, dass Gäste ausschließlich nach dem günstigsten Angebot suchen. Entscheidend bleibt, ob das Gesamtangebot aus ihrer Sicht einen entsprechenden Gegenwert bietet.
„Die Gen X ist sich des Drucks durch die Lebenshaltungskosten sehr bewusst“, erklärt Uranga. „Dennoch haben Angebot und Convenience einen größeren Einfluss auf die Wahl eines Restaurants als der Preis. Verbraucher können finanziell vorsichtig agieren und gleichzeitig weiterhin Erlebnisse priorisieren, für die sie bereit sind zu zahlen, weil diese ihren Alltag erleichtern.“
Babyboomer – ein bislang ungenutztes Potenzial
Bei den Babyboomern sieht Circana ein Potenzial, das bislang nicht vollständig ausgeschöpft wird. Ihre geringere Foodservice-Frequenz hängt laut Circana unter anderem mit der Tageszeit zusammen. Vor allem bei Abendbesuchen sind sie deutlich unterrepräsentiert und gehen tendenziell früher nach Hause.
Wenn Babyboomer jedoch auswärts essen, bleiben sie dagegen gern länger. Besonders häufig entscheiden sie sich für ausgedehnte Mittagessen von mehr als zwei Stunden – entgegen dem allgemeinen Markttrend hin zu kürzeren Aufenthalten.
Gerade für Markenrestaurants könnte darin eine Chance liegen. Während ihr Anteil am gesamten kommerziellen Gastronomiemarkt bei 29 Prozent liegt, entfallen bei Babyboomern nur 16,1 Prozent der Ausgaben auf solche Konzepte.
Was Gastronomen daraus ableiten können
Mit Blick auf die Zukunft sieht Circana die Chance für Gastronomiebetriebe darin, zu erkennen, welche Verhaltensweisen tatsächlich generationsspezifisch sind und welche sich voraussichtlich im Laufe der Zeit in der breiteren Bevölkerung durchsetzen werden.
„Digitalisierung, Wohlbefinden und Personalisierung mögen heute bei einigen Generationen stärker ausgeprägt sein, doch viele dieser Verhaltensweisen werden sich mit der Zeit weiter verbreiten“, fasst Uranga zusammen. „Ein Markt mit einem Volumen von 361 Milliarden Euro mag stabil erscheinen. Doch hinter dieser trügerischen Ruhe verbirgt sich eine Verbraucherbasis, die sich verändert. Betreiber, die diese Verschiebungen frühzeitig erkennen, werden am besten aufgestellt sein, um relevant zu bleiben und künftiges Wachstumspotenzial zu erschließen.“
(Circana/SAKL)