Insolvenz

Wienerwald steht wohl vor dem Aus

Außenansicht Restaurant Wienerwald
Zu Hochzeiten verkaufte Wienerwald 700.000 Brathähnchen täglich, nun steht die Restaurantkette vor dem Aus. (Foto: © Michael/stock.adobe.com)
Wie die Gläubigergemeinschaft KSV1870 bestätigte, wurde am 05. August ein Insolvenzverfahren gegen Wienerwald angemeldet. Der Antrag stamme von einem Gläubiger und nicht von der österreichischen Systemgastronomiekette selbst.
Mittwoch, 06.08.2025, 15:53 Uhr, Autor: Sarah Hoffmann

Das erste Wienerwald Restaurant wurde 1955 durch Friedrich Jahn eröffnet. In den 1970er löste die Kette einen regelrechten Hype aus. Mit der Speisekarte mit bayerischer und österreichisches Hausmannskost konnte Jahn sein Unternehmen zu einer der erfolgreichsten Restaurantketten in Europa entwickeln.

Zu den Höchstzeiten zählten weltweit rund 1.600 Restaurant zum Portfolio, etwa 700 davon allein in Deutschland und Österreich. Laut eigenen Angaben gingen in dieser Zeit täglich etwa 700.000 Brathähnchen über die Ladentheke.

Nach Fehlinvestitionen und Verlusten übernehmen Töchter des Gründers

Doch ab den 1980er Jahren begann der schleichende Absturz der Kette: Nach Fehlinvestitionen in Amerika, gescheiterten Gründungen einer Reiseagentur und eines eigenen Mastbetriebs erlebte Wienerwald in der Schweiz, Österreich und Deutschland jeweils Insolvenzen, im Zuge derer es verschiedene Eigentümer-Wechsel gab.

2007 kauften schließlich die Töchter von Gründer Jahn, Margo Steinberg und Evelyn Peitzner die Markenrechte zurück. Das modernere Konzept mit einem neuen Markenauftritt und flexibleren Vertriebswegen scheiterte jedoch und der Gesamtumsatz ging weiter zurück.

Nur noch wenige Restaurants in Deutschland und Österreich – nun droht die Insolvenz

Nachdem 2022 die verbliebenden zwölf Filialen fast alle nacheinander schlossen und auch weitere Wiedereröffnungen 2023 scheiterten, verkauften die Jahn-Nachkommen den Wienerwald an die Family Brands Operations Company aus Hildesheim.

Das Unternehmen setzt fortan neben den klassischen Grillhähnchen auch auf vegetarische und vegane Speisen. Allerdings umfasste das Portfolio im Mai 2025 nur noch ein Restaurant. Pläne für neue Standorte in Hildesheim, Dresden, Bielefeld oder der norddeutschen Ostseeküste blieben erfolglos. Bislang liegt noch kein Statement der Inhaber von Family Brands Operations Company vor – allerdings war die Website am Mittwochvormittag wegen Wartungsarbeiten nicht aufrufbar. Auch in Österreich führten mehrere Inhaberwechsel zu Restaurant-Schließungen. Zuletzt betrieb das Unternehmen hier nur noch drei Standorte in Wien und Umgebung.

(Merkur/SAHO)

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