Firmenpleiten auf Rekordhoch – Hotels besonders betroffen
Bei den Firmenpleiten in Deutschland zeichnet sich aktuell keine Entspannung ab. Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften lag laut dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) im April bei 1.776. Das seien drei Prozent mehr als im März und zehn Prozent mehr als vor einem Jahr, teilte das IWH mit.
Im Vergleich zu einem durchschnittlichen April der Jahre 2016 bis 2019 – also vor der Corona-Pandemie – liege die aktuelle Zahl um 82 Prozent höher, hieß es. Damit sei die Zahl der insolventen Personen- und Kapitalgesellschaften im April so hoch gewesen wie seit Juni 2005 nicht mehr. Damals waren den Angaben zufolge 1.859 Insolvenzen gezählt worden.
Hotel- und Gastrobranche besonders betroffen
Neue Höchstwerte gab es im April in den Bereichen Hotel und Gastronomie sowie Grundstücks- und Wohnungswesen. „Eine regionale Aufschlüsselung zeigt Rekordwerte in Berlin und Bayern, wobei sich der Anstieg der Zahl in Berlin durch ungewöhnlich viele Hotelinsolvenzen erklären lässt.“
Die Zahl der betroffenen Beschäftigten lag deutlich über der im März und bei mehr als dem Doppelten des April-Durchschnitts der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019 (plus 112 Prozent).
Keine Entspannung in Sicht
Eine kurzfristige Entspannung der Lage ist laut IWH nicht zu erwarten. Das Institut sieht aktuell keine Signale für eine Trendumkehr. Es sei davon auszugehen, „dass bis einschließlich Juli mit sehr hohen Insolvenzzahlen zu rechnen ist“, sagte der Leiter der Insolvenzforschung, Steffen Müller.
Damit dürfte die wirtschaftliche Situation insbesondere für Hotels und Gastronomiebetriebe weiterhin angespannt bleiben.
Was Betriebe jetzt tun können
Die steigenden Insolvenzzahlen zeigen, wie groß der wirtschaftliche Druck in Hotellerie und Gastronomie aktuell ist. Umso wichtiger ist es, frühzeitig gegenzusteuern und die eigene Position am Markt kritisch zu prüfen. Hierzu zählt:
- Liquidität aktiv steuern: Entscheidend ist der Blick auf die laufenden Kosten: Wareneinsatz, Energie, Miete und Personal sollten regelmäßig überprüft werden. Eine vorausschauende Liquiditätsplanung hilft, Engpässe früh zu erkennen.
- Speisekarte und Angebot straffen: Zu große Karten binden Kapital und erhöhen den Wareneinsatz. Viele Betriebe fahren besser mit einem klaren, fokussierten Angebot, das effizient produziert werden kann.
- Preise realistisch kalkulieren: Steigende Kosten müssen sich auch in den Preisen widerspiegeln. Wer dauerhaft unter Kalkulation verkauft, gefährdet die wirtschaftliche Basis.
- Prozesse vereinfachen: Standardisierte Abläufe in Küche und Service können Personal entlasten und gleichzeitig Qualität sichern – ein wichtiger Hebel bei Fachkräftemangel.
- Frühzeitig handeln statt reagieren: Sobald sich wirtschaftliche Probleme abzeichnen, sollten Betriebe aktiv werden. Gespräche mit Banken, Steuerberatern oder externen Beratern können helfen, Lösungen zu entwickeln, bevor es kritisch wird.
(dpa/Finban/anwalt.de/Reimer Rechtsanwälte/Alexander Schoeppe/SAKL)