Transformation

Fraunhofer-Studie skizziert Hotels der Zukunft bis 2035

Futuristische Illustration eines Hotels bei Nacht mit beleuchteten Zimmern und Silhouetten von Gästen – Symbolbild für die Hotel-Zukunft 2035.
Fraunhofer IAO entwirft Zukunftsbilder für Hotels 2035 – vom regionalen Synergy Hub über das Self-Driving Hotel bis zum urbanen Placemaker. (Foto: © UNICRO/stock.adobe.com)
Drei Szenarien zeigen, wie sich Betriebe in ländlichen Regionen, an Mobilitätsknoten und in Städten neu erfinden könnten. Im Fokus stehen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und völlig neue Rollen für Hotellerie und Destinationen.
Mittwoch, 07.01.2026, 09:15 Uhr, Autor: Sarah Hoffmann

Wie sieht die Hotellerie in zehn Jahren aus – und welche Aufgaben übernimmt ein Hotel dann überhaupt noch? Eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO (FutureHotel Innovation Network) liefert darauf drei wissenschaftlich fundierte Zukunftsprojektionen für das Jahr 2035. 

Das Whitepaper „FutureHotel – Future Projections for 2035“ beschreibt, wie Hotels künftig als Service- und Community-Hubs, als Andockstationen für autonome Hotelzimmer oder als urbane Treffpunkte mit starker lokaler Verwurzelung funktionieren könnten. Entwickelt wurden die Szenarien mit Foresight-Methoden wie Trendanalyse, Szenarioentwicklung, partizipativen Workshops und Experten-Reviews. 

Drei Projektionen: Welche Rollen Hotels 2035 übernehmen könnten

Im Kern stellt die Fraunhofer-Studie drei unterschiedliche Rollenmodelle vor, die jeweils auf spezifische Rahmenbedingungen in ländlichen Urlaubsregionen, im Business-Travel-Kontext und in urbanen Zentren reagieren. 

1) Synergy Hub: Hotel als regionales Servicezentrum

In ländlichen Regionen mit alternder Bevölkerung und brüchiger Infrastruktur soll das Hotel zum synergetischen Hospitality-Service-Hub werden: ein zentraler Ort, der verstreute Unterkünfte, Dienstleister und Angebote bündelt – und damit nicht nur Gäste, sondern auch Einheimische und Mitarbeiter versorgt. 

Typische Bausteine des Synergy Hub laut Studie:

  • Zentraler Hub als operativer Kern (Buchung, Logistik, F&B, Services)
  • Verteilte „Nodes“ wie Apartments, Gasthäuser oder umgenutzte Bestandsgebäude
  • Activity Points für Natur- und Kulturangebote in der Region 

Als Geschäftsmodell wird unter anderem ein Community-as-a-Service-Ansatz beschrieben – etwa über gestaffelte Mitgliedschaften für Gäste, Einheimische und Betriebe, ergänzt um Provisionen und Flächenvermietung. 

2) Self-Driving Hotel: Autonome Hotelzimmer auf Rädern

Für Business- und Transit-Reisen zeichnet Fraunhofer ein Szenario, in dem das Hotel zur Docking Station für selbstfahrende Hotelzimmer wird: Gäste werden am Abend abgeholt, schlafen im autonomen „Pod“ und erreichen morgens erholt ihren Termin – inklusive Services an sogenannten Hub-Stationen (Duschen, Frühstück, Fitness, Co-Working). 

Die Studie begründet das Szenario mit Fortschritten bei autonomem Fahren, Nachhaltigkeitszielen, veränderten Geschäftsreise-Mustern sowie neuen neuro- und KI-gestützten Erholungsangeboten („Power Napping“ auf neuem Niveau). 

Im Fokus:

  • Zeit wird zur entscheidenden Ressource (Produktivität und Regeneration unterwegs)
  • Neue Asset-Klasse aus Hospitality, Mobilität und Infrastruktur
  • Ehemalige Tankstellen könnten zu Hubs werden 

3) Placemaker Hotel: Hotel als modernes „Rathaus“ der Stadt

In Städten wird das Hotel in der Projektion zum Town Hall und sozialen Begegnungsraum: eine offene, community-orientierte Plattform, die Übernachtung, Kultur, Co-Working, Events und lokale Kooperationen verbindet. Ziel ist es, auf Einsamkeit, anonymes Stadtleben und Leerstand in Innenstädten zu reagieren – und zugleich eine neue Form von Zugehörigkeit zu schaffen. 

Mitarbeiter sollen dabei nicht nur klassisch „Service“ leisten, sondern als Community Curators und „Placemaking“-Treiber agieren – mit hybriden Rollen, die persönliche Talente (z. B. Storytelling, Kunst, Wellness) in das Hotelerlebnis integrieren. 

So wurde die Fraunhofer-Studie erarbeitet

Entstanden ist das Whitepaper im Rahmen des FutureHotel Innovation Network am Fraunhofer IAO. Der Forschungsprozess lief mehrstufig ab – von der Trendanalyse über Co-Creation-Workshops bis zur Begutachtung durch Experten und Netzwerkpartner. 

Genutzte Foresight-Elemente:

  • Trendlandschaft (u. a. Klima, KI, Automation, Inflation, Fachkräftemangel)
  • Workshops (u. a. ITB Berlin)
  • Peer-Reviews im Winter 2024/2025
  • Finalisierung und Veröffentlichung im ersten Quartal 2025 

Was Hoteliers und Gastronomen daraus mitnehmen können

Auch wenn es sich um Projektionen handelt (nicht um Vorhersagen), liefern die Szenarien klare Impulse: Hotels könnten künftig stärker als Ökosystem-Betreiber auftreten – und damit für Regionen und Städte wirtschaftlich sowie gesellschaftlich relevanter werden. In allen drei Modellen spielen Nachhaltigkeit, digitale Vernetzung, neue Service-Logiken und Kooperationen eine zentrale Rolle. 

Für Entscheider in Hotellerie, Tourismus, Immobilienwirtschaft und Politik versteht Fraunhofer die Studie ausdrücklich als „Food for Thought“ – und als Einladung, jetzt die Weichen zu stellen, welche Rolle Hotels 2035 spielen sollen.

(Fraunhofer-Institut/SAHO)

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