Hotelimmobilien

Investoren bleiben Hotellerie treu

Ungeachtet des Einbruchs der Gästezahlen werden in Deutschland weiter zahlreiche Hotels geplant und gebaut. Die befürchtete große Investorenflucht ist ausgeblieben. Auch Notverkäufe in größerem Umfang hat es nicht gegeben.

Montag, 11.10.2021, 08:54 Uhr, Autor: Natalie Ziebolz
Junge Frau in Blazer und Bluse öffnet die Zimmertüre im Hotel

Geld sucht leeres Bett – Investoren bleiben Hotels trotz Krise treu. (Foto: © DragonImages – stock.adobe.com)

Obwohl insbesondere vielen städtischen Hotels auch in diesem Jahr Gäste fehlen, stehen die Zeichen in der von der Pandemie hart getroffenen Hotellerie auf Erholung. Im Januar 2020 waren in Deutschland 718 Hotelprojekte geplant oder im Bau, wie die Beratungsgesellschaft Hotel Consulting des Immobilienmaklers Engel & Völkers ermittelte. „Am Anfang der Pandemie kam es zu einem kurzen Stocken, weil die Banken bei der Finanzierung für einige Monate sehr zurückhaltend waren“, sagt Geschäftsführer Andreas Ewald. Beerdigt wurden davon laut Hotelmarktreport des Unternehmens schließlich 75 Projekte und 64 weitere auf Eis gelegt. Doch 216 Häuser sind mittlerweile eröffnet, 363 weitere sind noch in Arbeit. „Im Immobilienmarkt ist nach wie vor sehr viel Liquidität unterwegs“, sagt Ewald. Maßgeblich geholfen hat die staatliche Unterstützung. „In Spanien war der Druck auf der Immobilienseite wesentlich größer“, so Ewald. „Da gab es kaum staatliche Hilfen.“

Geschäftsreise- oder Konferenzhotels haben schwerer

International geht es in diesem Jahr bereits wieder bergauf. So meldete die weltgrößte Kette Intercontinental, zu der rund um denn Globus knapp 1250 Holiday Inns zählen, für das erste Halbjahr wieder einen operativen Gewinn von 138 Millionen Dollar. Doch bis die Krise endgültig überwunden ist, werden voraussichtlich Jahre ins Land gehen. In Deutschland geht der Hotelverband IHA in einem im Juni veröffentlichten Bericht davon aus, dass das Vorkrisenniveau möglicherweise erst 2025 wieder erreicht werden könnte. „Man muss die Lage differenziert sehen“, erklärt Ewald. „Die Freizeithotellerie hat stark von der Krise profitiert. Der Umsatz war zum Teil höher als vor der Pandemie.“ Schwierig sei die Situation für Geschäftsreise- oder Konferenzhotels. „Ich denke, dass es Hotels gibt, bei denen es lange dauern wird, bis sie wieder das Vorkrisenniveau erreichen.“ So stehen am Rande vieler Großstädte ausschließlich auf Geschäftsreisende spezialisierte Hotels: Betonkästen in Gewerbegebieten. Derartige Herbergen stehen auch in diesem Jahr ziemlich leer.

Nullzinspolitik wirkt sich positiv aus

Hotelmanager wie Investoren hoffen, dass die Pandemie nur eine tiefe Delle bedeutet, nicht einen dauerhaften Knick. Der Hotelbau ist Teil des Immobilienbooms, der durch die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank befeuert wird. „Sehr viel Geld ist nach wie vor verzweifelt auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten“, sagt Stephan Kippes, Marktforscher des Immobilienverbands IVD Süd. „Das geht vom Fonds über das Family Office bis zum wohlsituierten Privatbürger.“

(dpa/NZ)

 

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