Expertenmeinung

„Keine Branche, die Geld druckt“

Thomas Willms von der Deutsche Hospitality übt Kritik an der geplanten Mehrwertsteueranhebung. Hotels müssten die höheren Abgaben eigentlich an Gäste weitergeben, was viele aus Wettbewerbsgründen nicht könnten.

Montag, 03.06.2019, 12:04 Uhr, Autor: Kristina Presser
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Kommt die geplante Mehrwertsteuererhöhung für die Hotellerie, könnte das den aktuellen Branchen-Boom gefährden. (Foto: © Fotolia/rcfotostock)

Der Vorschlag der SPD, den reduzierten Mehrwertsteuersatz für die Hotellerie abzuschaffen, um so eine Grundrente zu finanzieren, spaltet die Gemüter. Neben verschiedenen Branchenexperten hat sich nun auch der Chef der Hotelgruppe Deutsche Hospitality (Steigenberger Hotels), Thomas Willms, zu Wort gemeldet und das Vorhaben scharf kritisiert. Der Welt am Sonntag teilte er mit, dass nur dank der verringerten Mehrwertsteuer von sieben Prozent Hotels und Herbergen in Deutschland überfällige Investitionen tätigen hätten können – und nur so auch im europäischen Wettbewerb eine Chance hatten. „Langfristig schlägt die Steuererhöhung auf die Investitionsbereitschaft in Deutschland durch – und das ärgert mich“, sagte Willms.

Das Ende des Booms?
Nicht zuletzt seien dadurch auch Zehntausende Arbeitsplätze entstanden. „In 26 von 28 EU-Staaten gilt ein reduzierter Steuersatz für die Hotellerie“, sagte Willms. „Schert Deutschland da aus, wird der seit zehn Jahren anhaltende Boom der Branche hierzulande ausgebremst.“ Sollte die Mehrwertsteueranhebung für die Hotellerie tatsächlich kommen, drohe für Übernachtungsgäste außerdem ein Preisaufschlag von zwölf Prozent. Nicht jeder Betrieb könne das aufgrund des Wettbewerbs auf die Kunden abwälzen, wie Willms der Welt am Sonntag sagte. Schließlich sei die Hotellerie „mit den seit Jahren sinkenden Renditen keine Branche, die Geld druckt“.

Der Plan zur Steueranhebung trifft die Hotelgruppe Deutsche Hospitality mitten in der Expansion. „Wir haben 90 Jahre für die ersten 90 Häuser gebraucht“, sagte Willms. „Jetzt wollen wir innerhalb von fünf Jahren auf 250 Hotels verdoppeln.“ Neben neuen Häusern der Marken Jaz in the City, IntercityHotel, Maxx und Zleep in einer Vielzahl von Ländern stehen aufwendige Erneuerungen des „Steigenberger Grandhotels“ auf dem Petersberg und des Steigenberger-Gründungshotels „Europäischer Hof“ in Baden-Baden auf dem Programm. Auf die laufenden Investitionen hätten die Steuerpläne der SPD allerdings keine Auswirkungen mehr.

 

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