Prognose bis 2036 – Deutschlands Hotels bekommen neue Gäste
Der internationale Tourismus könnte für deutsche Hotels in den kommenden zehn Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Einer Prognose von Tourism Economics zufolge, die im Auftrag von Accor erstellt wurde, soll die Zahl der Übernachtungen internationaler Gäste in Deutschland bis 2036 um 29 Prozent zunehmen. Europaweit wird ein Plus von 42 Prozent erwartet.
Die Entwicklung dürfte nicht alle Herkunftsmärkte gleichermaßen betreffen. Besonders dynamisch soll sich die Nachfrage aus Asien und dem Nahen Osten entwickeln. Für Hotelbetreiber stellt sich damit zunehmend die Frage, wie sie sich auf veränderte Gästestrukturen einstellen können.
Gäste aus China und Indien gewinnen an Bedeutung
Zu den stärksten Wachstumsmärkten für den Deutschlandtourismus zählen der Prognose zufolge China, der Nahe Osten und Indien. Die Zahl der Ankünfte aus China könnte bis 2036 um 178 Prozent steigen. Für Gäste aus Südkorea erwartet Tourism Economics ein Plus von 94 Prozent, für Japan von 92 Prozent und für Indien von 84 Prozent. Auch die Nachfrage aus dem Nahen Osten soll deutlich zulegen – mit einem prognostizierten Wachstum von 112 Prozent.
Diese Zahlen beschreiben mögliche Entwicklungen über einen Zeitraum von zehn Jahren und sind nicht als garantierte Zuwächse zu verstehen. Sie zeigen jedoch, welche Herkunftsmärkte für die strategische Planung von Hotels an Bedeutung gewinnen könnten.
Für Gastgeber bedeutet das, internationale Zielgruppen stärker in den Blick zu nehmen. Dazu gehören beispielsweise mehrsprachige Informationen, eine auf unterschiedliche Erwartungen abgestimmte Gästekommunikation und ein Verständnis für die jeweiligen Reiseanlässe. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt dabei von Standort, Betriebskonzept und tatsächlicher Gästestruktur ab.
Internationale Gäste geben mehr Geld aus
Neben der Zahl der Übernachtungen rückt auch die wirtschaftliche Bedeutung internationaler Besucher in den Fokus. Laut Studie sollen die Ausgaben internationaler Gäste in Europa von rund 825 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf mehr als 1,3 Billionen Euro im Jahr 2036 steigen. Das entspricht einem Zuwachs von 64 Prozent.
Für Deutschland prognostiziert die Untersuchung ein Wachstum der touristischen Gesamtausgaben um 75 Prozent. Besonders stark könnten die Ausgaben in den Bereichen Freizeit, Kultur und Sport zulegen. Auch für Gastronomie und Getränke werden deutliche Zuwächse erwartet: Hier rechnet Tourism Economics in Deutschland mit einem Plus von 78 Prozent. Europaweit liegt die Prognose bei 72 Prozent.
Gastgerbern könnten sich daraus zusätzliche Umsatzchancen ergeben – etwa durch gastronomische Angebote, Freizeit- und Erlebnisleistungen oder Kooperationen mit regionalen Anbietern. Entscheidend bleibt, ob es den Betrieben gelingt, die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppen zu verstehen und passende Angebote zu entwickeln.
Europa bleibt wichtigster Herkunftsraum
Trotz des erwarteten Wachstums aus Fernmärkten dürfte Europa selbst der wichtigste Herkunftsraum für internationale Gäste bleiben. Laut Prognose werden 77 Prozent der internationalen Ankünfte in Europa auch künftig aus anderen europäischen Ländern stammen.
Die Studie erwartet zudem Zuwächse im Geschäftsreiseverkehr. Europaweit soll dieser bis 2036 um 50 Prozent wachsen, während für Urlaubsreisen ein Plus von 39 Prozent prognostiziert wird. Auch diese Entwicklung kann für Hotels relevant sein, die Geschäfts- und Freizeitreisen kombinieren oder ihre Auslastung über unterschiedliche Nachfragegruppen hinweg stabilisieren möchten.
Die Prognose zeichnet damit ein Bild eines wachsenden und vielfältiger werdenden Tourismusmarktes. Für deutsche Gastgeber liegt die Herausforderung darin, internationale Potenziale zu erkennen, ohne die weiterhin wichtige Nachfrage aus dem Inland und den europäischen Nachbarländern aus dem Blick zu verlieren.
Die Prognose wurde von Tourism Economics im Auftrag von Accor erstellt. Die genannten Werte sind Vorhersagen für die Entwicklung bis 2036 und keine bereits eingetretenen Ergebnisse.
(Accor/KAGI)