Erpressung

Wein für gute Hotelbewertung?

Serviceklingel
Gäste, die angebliche Probleme erst beim Check-Out ansprechen und dann unverschämte Rabatte fordern bzw. gleich Upgrades oder sonstige Extras verlangen und andernfalls mit negativen Bewertungen drohen, sind in der Hotellerie leider keine Einzelfälle mehr. (© fotolia.com/skvalval)
Ein Tourist forderte von einem Hotel sechs Flaschen Wein, ansonsten werde er den Betrieb auf einer Internetplattform schlecht bewerten. Erpressungsversuche dieser Art nehmen leider deutlich zu.
Mittwoch, 14.08.2019, 10:25 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein

Einen Karton Wein forderte jüngst ein Gast in einem Hotel in Parndorf (Burgenland) per Mail bereits nach (!) dem Check-out, andernfalls werde er das Hotel auf einer Rating-Plattform schlecht bewerten, so die unmissverständliche Drohung. Solche Fälle kommen immer häufiger vor, wie der ORF Burgenland herausfand.

Einer, der diese Masche ebenfalls gut kennt, ist Jörg Prügger, Sales Manager im ebenfalls in Parndorf gelegenen Pannonia Tower Hotel. Die Gäste dieses Hotels kommen vor allem aus Russland, China und Osteuropa, um hier im Outlet Center nebenan einkaufen zu gehen. Die Hotelbetreiber konnten laut ORF zuletzt beobachten, dass die Gäste immer häufiger mit negativen Kritiken in den Buchungsplattformen drohen – und das vor allem nach ihrem Aufenthalt. „Es sind oft kleine Probleme, wo wir sagen: Vor Ort hätten wir sofort eine Lösung gefunden, es wäre kein Problem gewesen. Dann im Nachhinein 30, 40, 50 Prozent Preisnachlass zu fordern, ist teilweise überzogen und dann wird eben mit der negativen Bewertung gedroht“, klagt Prügger. Erst kürzlich habe er einen arabischen Gast gehabt, der das Zimmer komplett gratis haben wollte, weil ein Käfer, den er irrtümlich als Küchenschabe identifiziert hatte, durchs Zimmer gekrochen sei. „Unser Haus liegt mitten in der freien Natur, da kann schon mal ein Käfer auftauchen. Wir haben dem Herren dann 30 Prozent Nachlass angeboten, aber er hat auf 100 Prozent bestanden und ebenfalls mit schlechter Bewertung gedroht. Da hat er allerdings leider Pech gehabt. Wir lassen uns nicht erpressen und verschenken unsere Zimmer nicht. Wir haben alleine bei Booking.com über 2.500 durchwegs sehr gute Bewertungen – da können wir eine schlechte verkraften“, so Prügger im Gespräch mit HOGAPAGE.

Man ist Bewertungen ausgeliefert

Das Problem: Unfaire Kritiken trüben die Gesamtbewertung des Hotels und lassen sich auch nur sehr schwer aus dem Internet entfernen. Vor allem kleinere Betriebe würden darunter leiden. „Man ist relativ ausgeliefert. Es ist ganz schwer, eine Bewertung bei Booking.com oder bei Google löschen zu lassen. Selbst Hotelketten, die eigene Onlinereputationsabteilungen haben, kämpfen immer wieder damit“, erklärt Prügger. Wobei er gegenüber HOGAPAGE durchaus auch positive Seiten der Bewertungsplattformen sieht. Schließlich sehe man da, wo man steht, was seine Stärken und Schwächen seien. Und schließlich sei es zum Glück nur eine Minderheit, die das System zur Erpressung missbrauche.

Die Probleme solcher Bewertungsplattformen kennt auch Christian Koisser vom Konsumentenschutz der Arbeiterkammer Burgenland: „Wir wissen natürlich auch, dass manche schon beim Verfassen solcher Bewertungen Interessen verfolgen, die nicht unbedingt maßgeblich sind für die tatsächliche Qualität“, so Koisser. (ORF/CK)

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