Einsparungen geplant

Gewerkschaft NGG fordert Kurswechsel bei Unilever

Michaela Rosenberger
Michaela Rosenberger, Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), im Anschluss an eine Betriebsversammlung des Unternehmens Unilever, am 01.08.2017. (Foto: dpa)
Nach dem Übernahmeversuch durch Kraft Heinz hat Unilever angekündigt, die Rendite bis 2020 auf 20 Prozent zu erhöhen. Die Betriebsräte, die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und die Europäische Gewerkschaftsföderation EFFAT hatten die Pläne bereits im Mai scharf kritisiert.
Montag, 27.11.2017, 13:37 Uhr, Autor: Markus Jergler

Nach NGG-Informationen soll nun möglichst rasch die Margarine-Sparte des Konzerns verkauft werden. Betroffen sind europaweit rund 1.000 Beschäftigte – etwa 300 davon an den deutschen Standorten Kleve (Nordrhein-Westfalen), Hamburg und Pratau (Sachsen-Anhalt). Hier laufen unter anderem die Marken Lätta, Becel und Sanella vom Band.

Offener Brieg an potenzielle Bewerber
Die NGG-Vorsitzende Michaela Rosenberger spricht von einer „Kurzfrist-Ökonomie“ des Konzerns: „Unilever hat im Wesentlichen Aktionäre, potentielle Investoren und Analysten im Blick. Die Beschäftigten sind die Leidtragenden.“ Unilever-Europabetriebsrat Hermann Soggeberg fordert einen „Kurswechsel“ des Konzerns: „Wenn jetzt der Verkauf der Margarine-Werke in die finale Phase geht, dann muss auch ein Zukunftsplan für die Mitarbeiter her.“ Jeder Kaufinteressent solle sich zum Erhalt der Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen verpflichten. Dazu hat sich der Betriebsrat mit einem Offenen Brief an die potenziellen Erwerber gewandt.

„Dauerhafte Perspektive für die Beschäftigten“
Soggeberg verlangt, die Betriebsräte in die Gespräche zur Zukunft der Margarine-Sparte einzubeziehen. „Unilever kann nicht länger eine Informationspolitik an den Mitarbeitern vorbei fahren. Sie wollen wissen, was der Käufer mit ihren Jobs vorhat.“ Den Zuschlag solle zudem nur der Bieter bekommen, der ein nachhaltiges Wachstum der Marken im Blick habe. „Dazu gehört eine dauerhafte Perspektive für die Beschäftigten in den beiden deutschen Margarine-Werken“, so der Arbeitnehmer-Vertreter.

Für das verbleibende Unilever-Geschäft fordern NGG und Betriebsrat eine dringende Kurskorrektur. „Sich für Investoren kaputt zu sparen, ist der falsche Weg. Im Zuge der Zentralisierung von Dienstleistungen in der Lieferkette werden die Belegschaften enorm belastet“, sagt Soggeberg. Erstes Ziel von Unilever müsse sein, Menschen mit hochwertigen Produkten zu versorgen, die Umwelt zu schonen sowie gute und sichere Arbeitsplätze in Europa zu erhalten. Einem solchen Zukunftsplan schließe sich der Betriebsrat gern an. (MJ)

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